„Vom Bergjungen zum Industriellen“

21. September 2020 | Rezensionen | 1 Kommentar

Der Riebeckplatz ist nicht nur allen Hallensern ein Begriff, auch Auswärtigen, vor allem Autofahrern. Doch wer war Riebeck, genauer gesagt Carl Adolph Riebeck? Simone Trieder beleuchtet in der Reihe „Mitteldeutsche kulturhistorische Reihe“ die außergewöhnliche Biografie Riebecks vom Bergjungen zum Industriellen.

Riebeck wurde am 27.9.1821 in dem Harzer Bergwerksort Clausthal geboren. Nach der Schule musste der zehnjährige Junge schon Erz ausschlagen. Mit 18 Jahren ging er in die Fremde. Er blieb der Kohle treu und war bald als Steiger und Bohrmeister tätig. Trotz fehlender Bildung, aber mit enormem Fleiß wurde er Berginspektor der Sächsisch-Thüringischen Aktiengesellschaft. Früh erkannte er den Wert der teerreichen Braunkohle und entwickelte in rasantem Tempo immer neue Veredlungsmöglichkeiten: Briketts, Kerze, Mineralöle usw. In wenigen Jahren hatte er die Gegend zwischen Weißenfels und Zeitz mit den Schornsteinen seiner Fabriken, Kesselhäuser und Gruben übersät. Vor allem die Zuckerraffinerien der Region hatten einen gewaltigen Energiebedarf.

1866 verlegte Riebeck seinen Wohn- und Geschäftssitz nach Halle. Bald besaß er 15 Bergwerke, zahlreiche Fabriken, Rittergüter, Ziegeleien und eine Brauerei. Von 1868 bis 1881 war er Stadtverordneter in Halle und Mitglied der Industrie- und Handelskammer. Als Großkapitalist der damaligen Zeit war er aber auch ein Vorreiter in Fragen des sozialen Engagements. Legendär war sein Verhältnis zu seinen Arbeitern, was auf seine Herkunft aus einer mittellosen Bergarbeiterfamilie zurückging. Riebeck starb am 28. Januar 1883; sein Grab befindet sich auf dem halleschen Stadtgottesacker.

Simone Trieder verbindet die Biografie Riebecks sehr informativ mit der Entwicklung der mitteldeutschen Industrie im 19. Jahrhundert. Die Neuerscheinung ist eine überarbeite Auflage, was ein Beweis für das Leserinteresse ist. Im Anhang finden sich noch Aufsätze von Harzer Schülern aus den 1920er Jahren. Das damalige Thema: Riebeck, vom Häuerjungen zum Millionär.

Simone Trieder: „Carl Adolph Riebeck – Vom Bergjungen zum Industriellen“, Hasenverlag Halle/Saale 2019, Heft 5 der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“, 2. überarb. Aufl., 15,00 €, 96 S., ISBN 978-3-945377-61-1

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