Thomasius, Reil, Cantor: Erfindergeist aus Halle

11. Mai 2014 | Rezensionen | Keine Kommentare

Prof. Florian Steger, Direktor des Institutes für Geschichte und Ethik der Medizin an der Martin-Luther-Universität, hatte bereits im Vorjahr einen medizinhistorischen Stadtführer herausgebracht, der mit der über 300jährigen abwechslungsreichen Geschichte der Medizin in Halle bekannt machte. Nun ist er mit anderen Institutsmitarbeitern auf eine Entdeckungsreise durch die Saalestadt gegangen, um „Neues aus Halle (Saale)“ aufzuspüren. Es sind keine aktuellen Neuigkeiten, sondern authentische Geschichten über Entdeckungen, Erfindungen und Innovationen, die in den letzten Jahrhunderten an der Alma Mater Halensis getätigt wurden.
Steger_Florian_Neues aus Halle (Saale)
Insgesamt fünfzehn Beispiele für halleschen Erfindergeist beleuchtet Steger näher, wobei er sich nicht nur auf Medizin und Naturwissenschaften beschränkte, sondern versuchte, Innovationen in der gesamten Breite darzustellen. Den Anfang der Ausführungen macht August Hermann Francke (1663-1727), der mit der Gründung der Glauchaer Anstalten Bildungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten schuf. Wenig später reformierten die Mediziner Friedrich Hoffmann mit seinen Hoffmannstropfen (1660-1742) und Georg Ernst Stahl (1659-1734) die Heilkunde und spielten eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Medizin im 18. Jahrhundert.

Einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung der Medizin setzte Johann Christian Reil (1759-1813), der als „Urheber der psychischen Medizin in Deutschland“ gilt. Daneben machte er sich auch um die Krankenpflege und Armenfürsorge der Stadt verdient. Ein Beispiel aus dem Bereich der naturwissenschaftlichen Innovationen ist der Mathematiker Georg Cantor (1845-1918), der mit seiner Begründung der Mengenlehre in der Wissenschaftsgeschichte einen bedeutenden Platz einnimmt.

Auch auf dem Gebiet der Medizintechnik wurde an der halleschen Universität Bahnbrechendes geschaffen. Steger erinnert hier an die erste selbstgebaute Herz-Lungen-Maschine der DDR und ihren Konstrukteur Karl Ludwig Schober (1912-1999) oder die Entwicklung der Ultraschalldiagnosetechnik in der DDR durch den Physiker Rudolf Millner (1928-2005).

Alle Kurzbiografien und Innovationen werden kompakt und anschaulich dargestellt, wobei die Texte durch zahlreiche historische Abbildungen aufgelockert werden. Bei der Arbeit an dieser Monografie stieß das Autoren-Team jedoch auf weitere Entdeckungen, Erfindungen und Innovationen aus Halle, sodass eine Auswahl davon in dem Einführungskapitel gewissermaßen „schaufensterartig“ vorgestellt wird. Eine ausführlichere Beschreibung bleibt einem Fortsetzungsband vorbehalten.

Fazit: „Neues aus Halle (Saale)“ vermittelt ein informationsreiches und unterhaltsames Spektrum von halleschem Erfindergeist.

Manfred Orlick

Florian Steger: „Neues aus Halle (Saale)“, Universitätsverlag Halle-Wittenberg Halle 2014, 29,80 €, 296 S., ISBN 978-3-86977-087-1

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben