Sachsen-Anhalts schöne Frauen

1. Februar 2014 | Rezensionen | Keine Kommentare

Heute soll nicht nur auf eine Neuerscheinung aufmerksam gemacht werden sondern auch auf einen Verlag, von dem an dieser Stelle noch kein Buchtitel vorgestellt wurde. Der Tauchaer Verlag in der Nähe von Leipzig wurde 1991 gegründet. Er hat sich ausschließlich auf kulturgeschichtliche Themen Mitteldeutschlands konzentriert und bringt pro Jahr ca. 15 Neuerscheinungen auf den Markt, sodass inzwischen rund 300 Titel erschienen sind. Dabei prägen insbesondere drei Reihenausgaben das Profil des Verlages: „Wahre Geschichten“, „Kurzweiliges“ und „Tatsachen“.

In der beliebten Buchreihe „Wahre Geschichte“ werden vor allem historische Persönlichkeiten Mitteldeutschlands vorgestellt. In dem brandneuen Titel „Wahre Geschichten um Sachsen-Anhalts schöne Frauen“ erzählt Anna Eunike Röhrig sieben Kurzbiografien von interessanten Frauenpersönlichkeiten, die in verschiedenen Jahrhunderten gelebt haben. Den Anfang macht Adelheid von Stade (um 1065-1110), die im 11. Jahrhundert als junge Witwe den Thüringer Grafen Ludwig der Springer heiratete, der den Pfalzgrafen Friedrich III. ermordet haben soll und dafür auf der Burg Giebichenstein eingekerkert wurde. Ludwig und Adelheid befinden sich unter den berühmten Stifterfiguren im Naumburger Dom.

Die Lebensgeschichte von Anna Margareta Wrangel (1622-1673) aus Calbe und der späteren Ehefrau des schwedischen Heerführers und Staatsmanns Graf Wrangel beweist, wie eine wunderschöne Waise es in die höchsten Adelskreise geschafft hat. Weiterhin macht die Autorin mit Anna Luise Föhse (1677-1745, Ehefrau von Leopold I. von Anhalt-Dessau), mit der Malerin Caroline Bardua (1781-1864) und mit der Schriftstellerin Karoline Louise Brachmann (1777-1822) bekannt. Während Bardua als eine der ersten bürgerlichen Frauen von der bildenden Kunst leben konnte, war Brachmann eine unglückliche Dichterin und ertränkte sich mit 45 Jahren in der Saale.

Die Lebensgeschichte von Elisabeth von Ardenne (1853-1952) ging in die Weltliteratur ein, denn die zwangsverheiratete Gutsherrentochter aus der Nähe von Magdeburg wurde das reale Vorbild für Theodor Fontanes Romanfigur Effi Briest. Doch anders als die literarische Figur war die reale Elisabeth später in ihrem Beruf als Krankenschwester sehr erfolgreich und verstarb erst mit 98 Jahren.

Den Abschluss des schmalen Bändchens bildet die gebürtige Magdeburgerin Henny Porten (1890-1960). Die Filmlegende war mit weit über 100 Rollen nicht nur der Star des deutschen Stummfilms. Bis in die 50er Jahre verkörperte sie das populäre Bild der deutschen Frau. Unvergesslich sind ihre Filmrollen in „Carola Lamberti“ oder „Das Fräulein von Scuderi“, die beide in Babelsberg entstanden.

Fazit: Die Buchtitel des Tauchaer Verlages beleuchten spezielle Aspekte der Geschichte Mitteldeutschlands, wobei die Themen sich meist auf bestimmte Regionen beziehen. Sie bestechen außerdem durch ihre gründlichen Recherchen, das handliche Format und den günstigen Preis.

Manfred Orlick

Anna Eunike Röhrig: „Wahre Geschichten um Sachsen-Anhalts schöne Frauen“,
Tauchaer Verlag Taucha 2014, 9,95 €, 80 S., ISBN 978-3-89772-245-3

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