Orientalische Klänge erobern Händelfestspiele

29. Mai 2016 | Rezensionen | 1 Kommentar

„Dido und Aeneas“ ist eine barocke Oper von Henry Purcell, erstmals wohl 1688 oder 1699 in London uraufgeführt. Natürlich ist es eine Liebesgeschichte, die aber – wie aktuell – zwischen den Fronten verlief: dem phönizischen „Schurkenstaat“, dessen Hauptstadt Karthago im punischen Krieg durch die „Achse der Willigen“, also der Römer, vernichtet wurde. Zwischen diesen Fronten läßt Purcell eine Liebsgeschichte spielen – zwischen Dido, der legendären Gründerin Karthagos, und Aeneas, einer der legendären Gründerväter Roms, dem Held der Arneis, einer römischen Parallelerzählung der Odysee.

Schon seit einigen Jahren hat klassische orientalische Musik einen festen Platz im Programm der Händelfestspiele, so waren schon mehrfach Musiker aus dem orientalischen Raum, wie etwa die des berühmten Pera-Ensembles aus Istanbul mit klassich türkischer Palastmusik aus der Zeit des europäischen Barocks, in Halle aufgetreten – jeweils mit großem Publikumserfolg.

Der Violoncellist Hans Huyssen hatte die Idee zu dem Programm, das in der Leopoldina am vergangen Samstag Nachmittag vor voll besetztem Saal stattfand: Zwei Essembles hatte er zusammengeführt, deren Gemeinsamkeit in „historischer Aufführungspraxis mit alten Instrumenten“ besteht: den westlichen Part bestritt das Ensemble „cosi facciamo“, den Osten repräsentiert das dreiköpfige Ensemble um den irakischen Musiker und Sänger Saad Thamir.

Es sollte ein „Pasticcio“ werden, eine Art „Auflauf“, bei der mosaikartig Beiträge aus barocken Opern Purcells, J.A. Hasses oder Francesco Cavallis einerseits, und arabische klassische Musik andererseits aufeinander folgten. Dabei gingen die Stücke nahezu nahtlos – ohne Pause – ineinander über.

Was dabei heraus kam, war keinesfalls nur ein lustiges Potpourrie. Es entstand ein völlig neues  Programm, auch weil einzelne Künstler des „gegenpoligen“ Ensembles die Aufführung ihres Konterparts instrumental mit begleiteten.

Hans Hussen erläueterte in seiner Einführungsrede den generellen Unterschied zwischen traditionell arabisch geprägter Musik und barocker Hofmusik: während letztere Handlung, sogar Dramaturgie zeige, Geschichten erzähle, die einen klaren Anfang und ein klares Ende hätten, sei dies in orientalischer Musik diametral anders: die sei zeitlos, spiele im Kreis, greife immer wieder in einem Stück in sich die selben Motive auf . „Manche finden das langweilig, aber hören sie sich einfach mal rein“.

Und das Ergebnis dieses Experimentes  war unglaublich harmonisch und faszinierend. Das überwiegend ältere Publikum schien begeistert, was sicher auch zwei besonderen Protagonisten lag: An Saad Tamir, mit seinem bescheidenen Auftreten, bei der doch so capriziösen, souveränen und doch so melancholischen Stimme, und der Solistin Stephanie Krug (Sopran).

Besonders punktete Tamir mit seinem Vortrag des traurig schönen Klageliedes Tadini, in dem sich der Liebhaber über seine nicht erhörte Liebe beklagt.  Auf westlicher Seite war natürlich Stephanie Krug die jenige, die zumindest den selben starken Applaus im „Heimspiel“ errang: etwa für Arie aus Francesco Cavallis Oper la Didone („Perfido, disleale“) oder aus Purcells Oper „Dido und Aeneas“ (Wayward sisters..“)

 

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