Neues Buch: „Der Stadt Bestes“

14. Juli 2013 | Rezensionen | Keine Kommentare

Der Hasenverlag hat seine erfolgreiche Reihe der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“ mit einem interessanten und bisher wenig beachteten Thema fortgesetzt. Heft 26 mit dem Titel „Der Stadt Bestes“ ist dem 125jährigen Jubiläum der Evangelischen Stadtmission Halle (Saale) gewidmet.

Thomas Jeschner, der neulich erst mit seinem „Kinobuch“ in dieser Reihe die Lichtspielhäuser der Stadt vorstellte, gibt in seinem neuen Buch einen Überblick über die wechselvolle Geschichte der hallischen Stadtmission, die im Herbst 1888 zunächst als „Stadtverein für Innere Mission“ gegründet worden war. Die Industrialisierung im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte in ganz Deutschland nicht nur einen großen Aufschwung gebracht sondern auch Armut, Hunger, Wohnungsnot und soziale Ungerechtigkeit.

Mit der wachsenden Not sah sich vor allem die Kirche konfrontiert und so diente als erster Sitz des Vereins die Privatwohnung eines Pastors, ehe dann 1897 im Weidenplan ein geeignetes Objekt erworben werden konnte. Hier fanden später auch andere Hilfsvereine wie das „Blaue Kreuz“ (Selbsthilfe für Suchtkranke) oder der „Frauenverein für Armen- und Krankenpflege“ ihr Domizil.

Durch die wechselnden Zeiten stellte sich die Stadtmission am Weidenplan bis heute aus einem christlichen Selbstverständnis den materiellen und seelischen Notlagen der Menschen und reagierte dabei auf die gesellschaftspolitischen Notwendigkeiten. Der Autor stellt die einzelnen Aktivitäten der Stadtmission vor, die nicht nur Hilfe für die sozial Schwachen brachten sondern auch ihre Existenz über 125 Jahre gewährleisteten.

So können sich viele Hallenser sicher noch an die Buchhandlung der Stadtmission erinnern, die ein wirtschaftlicher Faktor des Vereins war, aber vor Jahren geschlossen werden musste. Andere soziale Einrichtungen und Aktivitäten der Stadtmission in der Vergangenheit waren z.B. die „Brockensammlung“, die vielen Familien zu lebensnotwendigen Haushaltsdingen verhalf, oder das „Haus Zuflucht“, wo Frauen und ihre Kinder Unterkunft fanden. Die heutigen Tätigkeitsfelder reichen von der „Eingliederungshilfe“ über die „Hallesche Tafel“ bis zur „Kleiderkammer“.

Neben vielfältigen Fakten (u.a. eine Liste der bisherigen Leiter) erzählt Thomas Jeschner die Geschichte der Evangelischen Stadtmission in kleinen Geschichten und Anekdoten, die mit den zahlreichen historischen Fotos die 125 Jahre für den Leser lebendig machen. Eine wirklich lobenswerte Neuerscheinung, die einen bisher wenig bekannten Aspekt der Stadtgeschichte beleuchtet.

Manfred Orlick

Thomas Jeschner: „Der Stadt Bestes“, Hasenverlag Halle/Saale 2013, Heft 26 der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“, 12,80 €, 96 S., ISBN 978-3-939468-88-2

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