Matthias Kunkel: Halle an der Saale 2005-2012

5. März 2013 | Rezensionen | Keine Kommentare

Urbane Schrumpfung beschäftigt seit Jahren Kommunalpolitiker und Städteplaner. Städtebaulich ist sie kaum zu steuern und bringt eine Vielzahl von Problemen mit sich. Häuser werden abgerissen und die Infrastruktur muss der niedrigeren Bevölkerungszahl angepasst werden. Jeder, der mit offenen Augen durch Halle geht, bemerkt diese Änderungen der Saalestadt.

Fotografen haben für diese Entwicklung ein besonders wachsames Auge. Bereits im Vorjahr veröffentlichte der Fotograf Matthias Kunkel (Jg. 1981) den schmalen Bildband „Halle an der Saale 2005-2012“, der vom Kunstverein „Talstrasse“ e.V. herausgegeben wurde. Er brachte eine Auswahl von 56 Schwarz-Weiß-Fotografien aus seinem reichen Fundus, der in all den Jahren entstanden ist.

Nach dem Erfolg dieses Bildbandes liegt nun eine Fortsetzung mit weiteren 44 Fotografien vor, die zum Teil bereits den städtebaulichen Verlust (z.B. mit Baulücken) dokumentieren. So zeigen zwei Aufnahmen noch die Hochhäuser am Riebeckplatz und am Steg, die längst aus dem Stadtbild verschwunden sind. Ein Foto (2006) zeigt dagegen in trauter Zweisamkeit die Alte und Neue Berliner Brücke.

Die Mehrzahl der Fotos entstand jedoch im Jahr 2012: z.B. von der Freiimfelder Straße (Ecke Delitzscher Straße) oder vom ehemaligen Polizeigebäude am Hallmarkt. Diese Aufnahmen haben sicher bald historischen Charakter, denn hier sind bauliche Änderungen in naher Zukunft abzusehen. Doch Kunkel dokumentiert auch Neuentstandenes (oder Saniertes) wie das Leopoldina-Gebäude oder den neuen Brunnen auf dem Domplatz.

Obwohl das quadratische Format hohe Anforderungen an die Bildkomposition stellt, gelingt es Kunkel, damit sein künstlerisches Anliegen wirkungsvoll zu unterstreichen. Die Fotos konzentrieren sich ganz auf den „urbanen Handlungsraum“ und verzichten bewusst auf eine Belebung durch Passanten.

In ihrem Vorwort weist die Herausgeberin Christin Müller-Wenzel noch einmal auf das zentrale Thema „Stadt im Wandel“ in den Fotoarbeiten von Matthias Kunkel hin. Die Arbeiten, die zugleich der „Versuch einer fotografischen Sozialreportage“ sind, sollen zur Auseinandersetzung mit der Stadtentwicklung anregen. Es lohnt sich wirklich, in dem Buch zu blättern, und den Wandel der letzten Jahre nachzuvollziehen. Interessant auch immer die Frage, ob man das jeweilige Motiv ohne Zuhilfenahme der Bildlegenden auf der letzten Seite erkennt.

Matthias Kunkel

„Halle an der Saale 2005-2012“

Eigenverlag edition m.u.k. Halle (Saale) 2013, 8,00 €, 44 S., ISBN 978-3-040890-8

Begleitet wird das Buch von einer Ausstellung. In der Zeit vom 7. März bis 7. April 2013 werden mehr als 50 Arbeiten zum Thema „Halle an der Saale 2005-2012“ im Kubus des MMZ zu sehen sein. hier

(Manfred Orlick)

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