Kardinal Albrecht: Des Teufels General

29. Juni 2014 | Rezensionen | 1 Kommentar

Kardinal Albrecht (1490-1545) war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte. Oft wird er jedoch nur auf die Figur des großen Gegenspielers von Martin Luther reduziert. Der Historiker Ewald Oetzel zeichnet in „Des Teufels Kardinal“ ein differenziertes Bild des Hohenzollernabkömmlings.
Oetzel_Ewald_Des Teufels Kardinal
Kardinal Albrecht war nicht nur der nach dem Papst höchste Würdenträger im Heiligen Römischen Reich, er war zugleich Erzkanzler, der nach dem Kaiser mächtigste Amtsträger des Reiches. Von ihm waren also stets „Anpassungsfähigkeit, Beharrlichkeit und Ausgleichswillen“ gefordert. Stets musste er Kompromisse suchen.

An vielen Beispielen zeigt Oetzel, wie Kardinal Albrecht die zahlreichen politischen Konflikte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu schlichten versuchte und dabei immer seine Handlungsspielräume verteidigte. Erste Auseinandersetzungen hatte der junge Albrecht mit den aufmüpfigen Rebellen Franz von Sickingen und Götz von Berlichingen. Auch der Streit mit der widerborstigen Stadt Erfurt war eine erste Bewährungsprobe. Nach dem Tod von Kaiser Maximilian verlangte das Geschacher um die Thronfolge 1519 viel Diplomatie von Kardinal Albrecht. Nach der Wahl Karls V. erfreute sich Albrecht der besonderen Gunst des „Erwählten“.

Breiten Raum nehmen die zwei Jahrzehnte Albrechts in Halle ein und seine Auseinandersetzungen mit Martin Luther. In der Saalestadt ließ er eine repräsentative Stiftskirche (Dom) erbauen. Mit der Innenausstattung beauftragte er die bekanntesten Künstler der damaligen Zeit. Die Stiftskirche wurde der „rechte Ort“ für seine Reliquiensammlung. Im Laufe der Jahre wurde sie zur größten, die es jemals in Europa gab.

Neben dem Dom wurde auch an der Moritzburg und an der Neuen Residenz gebaut. Halle glich damals einer Großbaustelle. Da verwunderte es nicht, dass Albrecht bald Finanzierungsprobleme bekam und so musste er 1541 Halle für immer verlassen.

Am 24. September starb Kardinal Albrecht, fünf Monate vor Martin Luther. Im Schlusskapitel „Albrechts Höllenpfuhl“ beleuchtet Oetzel das „unfromme Leben“ des Kardinals, doch die Affären entpuppten sich häufig als „phantasievolle Storys“.

Der Konfessionsstreit zieht sich wie ein roter Faden nicht nur durch die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts sondern auch durch die 150 Seiten dieser überaus informativen Biografie. Der Autor versteht es, die politischen, gesellschaftlichen und religiösen Veränderungen umfassend darzustellen. Im Mittelpunkt steht natürlich Kardinal Albrecht, dessen vielschichtige Persönlichkeit und seine zahlreichen Aktivitäten. Eine wirklich gut lesbare und recherchierte Biografie, spannend und detailliert.

Manfred Orlick

Ewald Oetzel: „Des Teufels Kardinal“, Tauchaer Verlag Taucha 2014, 12,80 €, 160 S., ISBN 978-3-89772-251-4

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