Halle/Saale gestern 2015: Interessante historische Stadtansichten

17. August 2014 | Rezensionen | 1 Kommentar

Wie hat Halle früher ausgesehen, ehe alliierte Bomben am Ende des Zweiten Weltkrieges oder die Abrissbirne zu DDR-Zeiten tiefe Wunden in das Stadtbild gerissen haben? Wer eine Antwort darauf sucht, ist sicher schon Abonnement des beliebten Städtekalenders „Halle/Saale gestern“ aus dem m+m Verlag. Diese Kalender-Reihe bietet alljährlich historische Aufnahmen von fast siebzig deutschen Städten. Die Saalestadt wurde 1993 in diesen illustren Kreis aufgenommen, sodass der 2015-Kalender also bereits die 23. Ausgabe darstellt.
Halle-Saale gestern 2015
„Halle/Saale gestern 2015“ bringt wieder 13 historische Ansichten aus der Sammlung von Dr. Peter Pollandt. Das Titelbild zeigt den halleschen Marktplatz um 1905 noch mit dem Hotel „Börse“, das 1965 mit der Bebauung am Schülers Hof abgerissen wurde. Die benachbarten Geschäftshäuser mussten schon 1920 dem Neubau des Kaufhauses Lewin weichen.

Auf den weiteren Kalenderblättern staunt der heutige Betrachter u.a. über einen Blick in die Geiststraße um 1930, wo noch die alten Geschäfte von Reep-Optik und der Zigarrenhandlung Steinbrecher & Jasper zu erkennen sind. Diese Straßenecke wurde kurz vor der Wende 1988 abgerissen und durch einen Plattenbau ersetzt. Ein dreigeteiltes Kalenderblatt zeigt die unterschiedlichen Fassaden des „Steintor-Varietés“ im Laufe seiner wechselvollen Geschichte. 1889 als „Walhalla“ eingeweiht, wurde seine Giebel-Fassade gerade in den letzten Monaten saniert.

Interessant auch die historischen Fotos von der Wilden Saale unterhalb der Schwanenbrücke, wo vor hundert Jahren noch eine von Pferden gezogene Kohlebahn betrieben wurde, oder vom Leipziger Turm, wo sich gegenüber um die Jahrhundertwende ein sogenannter „Triumph-Automat“ befand, ein Automaten-Restaurant, in dem man seinen kleinen Hunger stillen konnte. Auch die historischen Fotos vom Ostflügel der Moritzburg (um 1900), dem Warenhaus Huth (um 1930) oder der Lutherlinde (um 1920) vermitteln einen interessanten Blick in die Geschichte der Saalestadt, denn alle Motive werden außerdem mit einem kurzen historischen Informationstext ergänzt.

Dieser Kalender mit seinen jährlich wechselnden Motiven ist längst zu einer wahren Fundgrube für Sammler und Regionalforscher geworden. Wer jetzt alle 23 Ausgaben hat, besitzt immerhin einen respektablen Fundus von weit über 250 historischen Halle-Ansichten. Und wer mit einer Sammlung historischer Ansichtskarten der Saalestadt beginnen will, findet hier den Startschuss, denn der „Halle/Saale gestern“-Kalender beinhal-tet auch vier Postkarten mit historischen Motiven aus dem Kalender.

Manfred Orlick

„Halle/Saale gestern 2015“, m+m Verlag (Müllenbruch + Minkenberg) Heinberg 2014, 13 Blatt (29 x 32 cm), 14,80 €, ISBN 978-3-89013-729-2

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