„Halle/Saale gestern 2022“

12. Juli 2021 | Rezensionen | 1 Kommentar

Bereits seit 1993 ist Halle in der beliebten Kalenderserie „Städtekalender“ vertreten, die mit historischen Ansichten ein Stück Heimatgeschichte von fast siebzig deutschen Städten dokumentiert. Der 2022-Kalender ist also bereits die 30. Ausgabe, wobei es bei den Ansichten über all die Jahre keine Wiederholungen gab.

Der Wandkalender bringt 13 Bilder, die der Ansichtskarten- und Heimatsammler Bernd Mutschke aus Halle zur Verfügung gestellt hat. Die dreizehn historischen Stadtansichten hat er außerdem mit kompakten Informationstexten versehen.

Das Titelblatt präsentiert einen Blick auf den Marktplatz im Jahre 1907. Auf der historischen Ansicht steht das Siegerdenkmal/Siegerbrunnen im Bildmittelpunkt, flankiert vom Kaufhaus J. Lewin, dem Stadthaus, dem Alten Rathaus und dem Ratswaagegebäude. Das Juli-Monatsbild präsentiert dann nochmals eine historische Markt-Ansicht (1910).

Das Januarbild zeigt eine Winteransicht aus dem Jahr 1901 von der Ziegelwiese. Da man von dieser Fläche früher lehmige Erde zum Ziegelbrennen abgebaut hatte, entstand eine Vertiefung von etwa einem Meter, die im Winter mit Wasser gefüllt wurde, sodass eine Eisbahn entstand. Auf den weiteren Kalenderblättern staunt der heutige Betrachter u.a. über die Kröllwitzer Stahlbrücke, die bis 1927 unterhalb der Burg Giebichenstein die Saale überspannte. Interessant auch ein Blick in den Gastraum der ehemaligen Waldwirtschaft „Kurzhals“ auf der Rabeninsel, die 1992 geschlossen wurde.

Weitere Monatsblätter zeigen z.B. die Kröllwitzer Papiermühle um 1902, wo in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Papierherstellung endete und heute hochwertige Wohnungen entstanden sind, oder das ehemalige Kaufhaus M. Bär in der Großen Ulrichstraße.

Historische Aufnahmen vom Hauptbahnhof, dem ehemaligen Elektrizitätswerk am Holzplatz, der Mitteldeutschen Kampfbahn (später „Kurt-Wabbel-Stadion“), der Ludwig-Wucherer-Straße oder der Provinzial-Blindenanstalt in der Bugenhagenstraße komplettieren den Kalender, der mit seinen jährlich wechselnden Motiven längst zu einer wahren Fundgrube für Sammler und Regionalforscher geworden ist. Wer nun alle 30 Ausgaben besitzt, hat immerhin einen respektablen Fundus von knapp 400 historischen Halle-Ansichten. Der Wandkalender ist nicht nur für Alt-Hallenser eine interessante monatliche Entdeckungsreise.

„Halle/Saale gestern 2022“, m+m Verlag (Müllenbruch + Minkenberg) Heinberg 2021, 13 Blatt (29 x 32 cm), 15,90 €, ISBN 978-3-96166-376-7

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