Halle im Jahre 1813 – 200 Jahre Völkerschlacht

12. Oktober 2013 | Rezensionen | 1 Kommentar

Das herausragende historische Jubiläum in diesem Jahr ist sicherlich die Völkerschlacht vor 200 Jahren. Vom 16. bis 19. Oktober 1813 errangen die verbündeten Heere Russlands, Preußens, Österreichs und Schwedens rund um Leipzig den entscheidenden Sieg über Napoleon und dessen Alliierte auf deutschem Boden. Mit rund einer halben Million Soldaten und mehr als 110.000 Gefallenen wurde das Geschehen zur größten Schlacht des 19. Jahrhunderts.

Bisher wenig bekannt war, dass bereits im April und Mai 1813 in und um Halle zahlreiche Kampfhandlungen stattfanden. Noch heute erinnern Straßennamen, wie Franzosenweg, Scharnhorst- oder Blücherstraße, an diese Vorkämpfe der großen Völkerschlacht. Die beiden Historiker Manfred Drobny und Tobias Schibun hatten zunächst unabhängig voneinander die historischen Quellen (Lebensberichte, Chroniken und andere Darstellungen) dazu recherchiert. Ihre Erkenntnisse haben sie nun gemeinsam in dem reich illustrierten Band „Halle im Jahre 1813“ veröffentlicht.

Zunächst beleuchten Drobny und Schibun das Ende der „Großen Armee“ und den Kriegseintritt Preußens. In diesem Zusammenhang waren Teile der preußischen und russischen Armee in Halle einquartiert und Maßnahmen zur Verteidigung ergriffen. Am 28. April besetzten die Franzosen Nietleben und Passendorf und richteten ihre Kanonen auf die Saalestadt, sodass sich ein heftiges Feuergefecht entwickelte. Der französische Angriff konnte zwar abgewehrt werden, aber am folgenden Tag drangen die Franzosen über Merseburg und Wettin in die Stadt vor.

Tage später gelang den Preußen jedoch wieder die Rückgewinnung der Stadt. Am 2. Mai kam es zum Entscheidungsgefecht, wobei es auch zu Kampfhandlungen auf dem halleschen Marktplatz kam. Halle war damit die erste preußische Stadt, die von der Armee Napoleons befreit wurde.

Danach beleuchten die beiden Autoren das Ende des Frühjahrsfeldzuges 1813 und die Lage der Stadt in den nachfolgenden entscheidenden Monaten. Abschließend werden einige Persönlichkeiten der Stadt, die diese historischen Momente mitgeprägt haben, vorgestellt – ebenso die Erinnerungsorte in Halle an das Jahr 1813.

Die 120 Seiten sind eine gelungene geschichtliche Analyse der Vorkämpfe der Völkerschlacht in und um Halle. Neben den zahlreichen Fakten und historischen Hintergründen besticht der Band vor allem durch seine umfangreiche Illustration. So wird der interessante Text neben zahlreichen historischen und zeitgenössischen Abbildungen auch mit Wappen, Uniformen und Militärgerät der damaligen Zeit bereichert. Ein wichtiger Beitrag zur halleschen Stadtgeschichte.

Manfred Drobny / Tobias Schibun: „Halle im Jahre 1813 – Stadt zwischen Hoffen und Bangen“, Projekte Verlag Halle 2013, 22,50 €, 120 S., ISBN 978-3-95486-405-8

(Manfred Orlick)

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