Halle gestern: Historische Stadtansichten im Kalenderformat

21. Juni 2015 | Rezensionen | Keine Kommentare

Wir haben zwar erst Sommeranfang, doch im Buchhandel tauchen bereits die ersten Kalender für das nächste Jahr auf. Die traditionsreiche und beliebte Kalender-Reihe „Städtekalender“ des m+m-Verlages bietet alljährlich historische Aufnahmen von fast siebzig deutschen Städten. Halle wurde 1993 in diesen illustren Kreis aufgenommen, sodass der 2016-Kalender also bereits die 24. Ausgabe darstellt.
hallegestern
„Halle/Saale gestern 2016“ bringt wieder historische Ansichten aus der Sammlung von Dr. Peter Pollandt. Das Titelbild zeigt den halleschen Riebeckplatz um 1910 noch mit den beiden Hotels „Goldene Kugel“ und „Europa“, die am 31. März 1945 ein Opfer von alliierten Bombenangriffen wurden. An den jetzigen Anblick erinnert nur noch im Hintergrund der kleine Reichsbahn-Wasserturm, der seit Jahren zur Zoo-Werbung genutzt wird.

Auf den weiteren Kalenderblättern staunt der heutige Betrachter u.a. über einen Blick auf den Alten Markt (um 1900), als es dort den Eselsbrunnen noch nicht gab sondern einen einfachen eisernen Springbrunnen. Ein Foto aus dem Jahre 1955 zeigt den damaligen Leninpark (heute Stadtpark) mit dem ehemaligen Wasserturm, der 1975 abgerissen wurde. Heute befindet sich an der Stelle ein großer Spielplatz. Neben der Parkanlage befand sich in der Dorotheenstraße ein „Parkbad“, das auf einem weiteren Monatsblatt (um 1905) zu sehen ist. Ende des 19. Jahrhunderts etablierten sich solche Badeanstalten aufgrund der fehlenden Bademöglichkeiten in den Mietswohnungen.

Überhaupt weiß die 2016-Ausgabe durch einige weniger bekannte historische Motive zu gefallen. So zeigen die Monatsblätter z.B. alte Ansichten vom Seydlitz-Lyzeum (private Mädchenschule um 1910) in der heutigen Heinrich-und-Thomas-Mann-Str.), von der Badeanstalt „Hoffmann“ (Weingärten) mit dem Traditionsschwimmklub „Schwan“ (um 1910) oder von der Saalefähre (um 1925), die Böllberg mit der Rabeninsel verband. Das Juni-Blatt präsentiert drei historische Ansichten von der „Leuchtturmsiedlung“, während das Dezember-Blatt noch einmal ein vertrautes Motiv mit der Leipziger Str. um 1935 zeigt.

Dieser Kalender mit seinen jährlich wechselnden Motiven ist längst zu einer wahren Fundgrube für Sammler und Regionalforscher geworden. Wer jetzt alle 24 Ausgaben hat, besitzt immerhin einen respektablen Fundus von fast 300 historischen Halle-Ansichten. Und wer mit einer Sammlung historischer Ansichtskarten der Saalestadt beginnen will, findet hier den Startschuss, denn der „Halle/Saale gestern 2016“-Kalender beinhaltet auch vier Postkarten mit historischen Motiven aus dem Kalender.

Fazit: Die Kalender „Halle/Saale gestern 2016“ vermittelt wieder einen interessanten Blick in die Geschichte der Saalestadt, denn alle Motive werden außerdem mit einem kurzen historischen Informationstext ergänzt.

Manfred Orlick

„Halle/Saale gestern 2016“, m+m Verlag (Müllenbruch + Minkenberg) Heinberg 2015, 13 Blatt (29 x 32 cm), 14,80 €, ISBN 978-3-89013-829-9

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