„Für immer Ferien? – Das Künstlerhaus 188“

14. Dezember 2013 | Rezensionen | Keine Kommentare

Über kein anderes Gebäude der Saalestadt wurde in den letzten Wochen so heiß diskutiert wie über das Künstlerhaus 188 am Böllberger Weg. Im Zuge der geplanten Sanierung und Verbreiterung der Straße soll es der Abrissbirne zum Opfer fallen. Trotz vielfältiger Proteste scheint durch Stadtratsbeschluss der Abriss eine beschlossene Sache zu sein.

Da ist die schmale Dokumentation „Für immer Ferien?“ aus dem Hasenverlag wie ein letzter Rettungsversuch. Das Autoren-Trio Dieter Dolgner, Hans-Christian Riecken und Simone Trieder beleuchten anhand zahlreicher historischer Fotos und Dokumente (u.a. Grundrisse) die wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte der ehemaligen Weingärtenschule.

Nach einer Bauzeit von einem Jahr konnte das Schulgebäude 1893 als Volksschule den Schulbetrieb aufnehmen. Da es sich um eine kombinierte Knaben- und Mädchenschule handelte, gab es zwei getrennte Eingänge. Auch die Schulhöfe waren durch eine Turnhalle getrennt. Der Backsteinbau mit seiner abwechslungsreichen Klinkerfassade bestimmte den Einmündungsbereich der Torstraße in den Böllberger Weg. Die weiteren Stationen in der Nutzungsgeschichte waren eine Grundschule, Polytechnische Oberschule und seit 1985 Zentrum für bildende Kunst Halle (später Künstlerhaus 188). Bis heute hat das Gebäude all diese Anforderungen erfüllt. Abschließend werden auch „bekannte“ Schü-ler/innen der Weingärtenschule aufgeführt – von Karl Meseberg über Fritz Weineck bis zu Margot Feist.

Neben der Gebäudegeschichte geben die Autoren auch einen kurzen historischen Überblick über den halleschen Stadtteil Glaucha, der mit seinen vier- und fünfgeschossigen Gründerzeitmietshäusern immer ein Arbeiterviertel war. Hier gab und gibt es aber auch historische Bauten wie die Georgenkirche, die Torschule oder das Elisabeth-Krankenhaus. Zu DDR-Zeiten versuchte man, den Stadtteil mit den drei Steghochhäusern aufzuwerten, die jedoch vor einigen Jahren wieder aus dem Stadtbild verschwanden.

Für das reich illustrierte Buchprojekt, das in der beliebten Reihe „Mitteldeutsche historische Hefte“ erschien, und die Initiative zum Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes konnte auch der bekannte Liedermacher Wolf Biermann gewonnen werden, der ein Prolog (einschl. seiner „Moritat auf Biermann seine Oma Meume in Hamburg“ für die Doku-mentation beisteuerte.

Manfred Orlick

Dieter Dolgner / Hans-Christian Riecken / Simone Trieder: „Für immer Ferien? – Das Künstlerhaus 188 – 120 Jahre Weingärtenschule“, Hasenverlag Halle/Saale 2013, Mitteldeutsche kulturhistorische Hefte Nr. 27, 8,90 €, 48 S., ISBN 978-3-939468-94-3

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