Der Wunderfelsen von Wörlitz

1. Juni 2013 | Rezensionen | Keine Kommentare

Der Wörlitzer Garten ist mit seinen 112 Hektar nicht nur einer der größten, sondern auch einer der frühesten und bedeutendsten Landschaftsparks Kontinentaleuropas. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) schuf hier unter dem Einfluss der bürgerlichen Aufklärung und nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten ein einzigartiges Landschaftskunstwerk.

Zu dem weiträumigen Gartenreich gehören neben dem Schloss zahlreiche Brücken und Baukunstwerke. Die Insel „Stein“ ist mit dem einzigen künstlichen Vulkan Europas ein besonders spektakuläres Denkmal. Mit ihren Grotten und Gängen, der Villa Hamilton und dem künstlichen Vulkan wollte der Fürst seinen Besuchern eine Vorstellung von der neapolitanischen Topographie, der dort vorherrschenden Vegetation und der Gestalt des Vesuvs vermitteln, die er auf mehreren Italienreisen kennengelernt hatte.

Die Kunsthistorikerin Alexandra Lübbert-Barthel (Jg. 1960) beleuchtet in der mdv-Neuerscheinung „Der Wunderfelsen von Wörlitz“ die historischen Gründe für die Errichtung der Felseninsel „Stein“. Darüberhinaus wird das damals kühne Objekt und dessen ausgeklügelte Technik ausführlich beschrieben. Natürlich hat die Insel mit ihren verschiedenen Bauten wie viele Teile des Wörlitzer Parks konkrete Vorbilder, die die Autorin in der süditalienischen Landschaft aufspürt. Auch das Urteil der damaligen Zeitgenossen wird erwähnt; es reichte von Verständnislosigkeit, unverhohlener Bewunderung bis hin zur Begeisterung.

Im zweiten Teil des Bild-Text-Bandes gibt Lübbert-Barthel einen Überblick über den Vulkan-Tourismus im 18. und 19. Jahrhundert. Im Zeitalter des Reisens zog besonders der Vesuv die adligen und bürgerlichen Besucher magisch an. So findet der Leser hier Hinweise auf Reisetagebücher, Briefe und Beschreibungen von damaligen Reisenden. Abschließend wird die europäische Feuerwerkstradition beleuchtet und die späteren „Verwandten“ des Wörlitzer Vulkans kurz vorgestellt.

Die 128 Seiten werden durch 78 (meist farbige) Abbildungen illustriert, darunter viele historische Ansichten. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis komplettiert schließlich dieses informationsreiche Buch über ein Naturschauspiel direkt vor unserer Haustür.

Alexandra Lübbert-Barthel
„Der Wunderfelsen von Wörlitz – Faszination Vesuv im 18. Jahrhundert“
Mitteldeutscher Verlag Halle 2013, 14,95 €, 128 S., ISBN 978-3-89812-981-7

(Manfred Orlick)

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