Buchvorstellung: „Wem gehört der Osten?“

1. August 2015 | Rezensionen | 12 Kommentare

„Wem gehört der Osten?“ ist eine der großen Fragen, die sich mit der deutschen Wieder-vereinigung stellen. Während über Währung, Blockzugehörigkeit und andere Probleme und Fakten offen und heftig diskutiert wurde, wurde die Frage nach dem DDR-Volkseigentum meist „unter den Teppich gekehrt“.
wemgehörtderosten
Fünfundzwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung untersucht die mdv-Neuerscheinung „Wem gehört der Osten?“ kritisch den heutigen Stand der Eigentumsverteilung in Ostdeutschland. Der Band ist außerdem Teil eines medienübergreifenden Projektes, dessen Kern drei Fernsehdokumentationen des MDR sind: „Die Stadt“, „Das Land“ und „Die Heimat“.

Der Historiker und Journalist Sebastian Fink rekapituliert, welche Eigentumsverteilung in Ostdeutschland in den zurückliegenden fünfundzwanzig Jahren vonstattenging. Tausende Volkseigene Betriebe und Hunderttausende Wohnungen, Schlösser und Burgen, Seen, Wälder und Ackerland fanden neue Besitzer. Es war der größte Umverteilungsprozess im Nachkriegs-Europa und prägt noch heute das Gesicht Ostdeutschlands.

Die „Treuhandanstalt“ war Synonym für diese Umverteilung, für den Verkauf des Volkseigentums, um die Kosten der Einheit abzufedern. Anhand von ausgewählten Beispielen beleuchtet der Autor diese Umwandlung einer Volkswirtschaft in Privateigentum. Da sind z.B. die Sanierung des Ostseebads Heiligendamm, der Verkauf der Halbinsel Wustrow, die Übernahme der Leuna-Werke oder der ostdeutschen Werften sowie der Verkauf der Interhotels. Dass dabei auch kriminelle Energie im Spiel war, zeigen Beispiele wie die Immobilienpleite des Jürgen Schneider oder der Verkaufsskandal um das DDR-Rundfunkgebäude.

Die ausgewählten Privatisierungsbeispiele wurden umfangreich recherchiert und detailliert dargestellt. Der Text ist gut lesbar und verlangt keine ökonomischen Vorkenntnisse. Karikaturen von Klaus Stuttmann kommentieren den größten Deal der deutschen Einheit. Ein Zeitdokument zum bevorstehenden Jubiläum.

Manfred Orlick

Sebastian Fink / Klaus Stuttmann / Olaf Jacobs: „Wem gehört der Osten? – Die großen Deals der deutschen Einheit“, Mitteldeutscher Verlag Halle 2015, 14,95 €, 160 S., ISBN 978-3-95462-556-7

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Ansicht von 13 Beiträgen - 1 bis 13 (von insgesamt 13)
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  • #165996

    „Wem gehört der Osten?“ ist eine der großen Fragen, die sich mit der deutschen Wieder-vereinigung stellen. Während über Währung, Blockzugehörigkeit un
    [Der komplette Artikel: Buchvorstellung: „Wem gehört der Osten?“]

    #165998

    sehr fundiert ist die Kritik aber nich, um nicht zu sagen: gewaltig am Thema vorbei
    zur Sendung selbst hat sie nämlich kein Wort zu sagen – eigentlich bemängelt sie nur die in ihren Augen falsche Verwendung des Begriffes „Osten“ – was sie aber nicht daran hindert, die gesamte Sendung in Bausch und Bogen als „unsäglich“ abzutun
    so kann man die eigenen Argumente blitzschnell ins Lächerliche ziehen

    #166000

    Eigentlich haben sich doch im Osten die Lebensverhältnisse schnell an den Westen angeglichen : wenigen gehört fast alles.

    #166002

    Wir Blödmenschen habenn uns doch mit 100 D-Mark „Begrüssungsgeld“ abfinden lassen. Wenn ich darüber nachdenke wird mir schlecht.

    #166004

    „Der Text ist gut lesbar und verlangt keine ökonomischen Vorkenntnisse.“

    Danke für diesen Satz, Herr Orlick!

    #166005

    Es ist doch genau so gekommen, wie von Karl-Eduard vorher gesagt.
    So doof, wie unterstellt wird, kann der doch nicht gewesen sein.

    #166007

    ich weiß nicht, ob es sinnvoll war, eine Vertreterin Von-der-Maas-bis-an-die-Memel zu zitieren.

    #166020

    Stauch.
    „Wir Blödmenschen habenn uns doch mit 100 D-Mark „Begrüssungsgeld“ abfinden lassen. Wenn ich darüber nachdenke wird mir schlecht.“

    DDie Karbidfarbrik in Buna hättest Du sicher kostenlos bekommen können.

    #166030

    Das allerdings halte ich angesichts der Verwendungen einer Verun-Treuhand für absurd

    #166032

    nach 25 Jahren ist eben die Zeit für Legenden, so ist es auch mit der Treuhand.
    Die meisten der dort verkauften Objekte gingen übrigens an Ostdeutsche, nachzulesen in Richard Schröders „Die wichtigsten Irrtümer über die deutsche Einheit“, dort werden noch ganz andere Sachen ausgeführt, die gewissen Traditionalisten und „Legendenbildnern“ nicht gefallen.

    #166041

    nach 25 Jahren ist eben die Zeit für Legenden, so ist es auch mit der Treuhand. Die meisten der dort verkauften Objekte gingen übrigens an Ostdeutsche, nachzulesen in Richard Schröders „Die wichtigsten Irrtümer über die deutsche Einheit“, dort werden noch ganz andere Sachen ausgeführt, die gewissen Traditionalisten und „Legendenbildnern“ nicht gefallen.

    haste wieder ne neue bibel gefunden? steht dann sicher neben sarrazin im regal. musst übrigens nicht immer alles glauben, was irgendwer drucken lässt.

    #166045

    das gilt dann aber auch für „wem gehört der Osten“ oder?

    #166047

    Die meisten der dort verkauften Objekte gingen übrigens an Ostdeutsche[…]

    Die meisten Kuchenkrümel fallen auch für die Spatzen zum Essen ab, aber das große Stück Kuchen kriegt jemand anders.

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