Buchvorstellung: Reich illustrierte Geschichte des Eisenbahnknotens Halle

16. Februar 2014 | Rezensionen | Keine Kommentare

Der Eisenbahnknoten Halle kann auf eine über 150jährige Geschichte zurückblicken. Bereits 1859 hatte er sich als mitteldeutscher Verkehrsknotenpunkt etabliert.

Zur damaligen Zeit existierten noch verschiedene Eisenbahngesellschaften, doch deren Anlagen und Bahnhöfe konnten in der Folgezeit nicht nur konzentriert sondern auch wesentlich erweitert werden. Ermöglicht wurde dies durch die Verstaatlichung der Eisenbahn in Preußen. Auch im 20. Jahrhundert entwickelte sich der hallesche Eisenbahnknoten kontinuierlich weiter. So ist er untrennbar mit der Elektrifizierung der deutschen Eisenbahnen verbunden.

Die beiden ehemals bei der VES/M Halle beschäftigten Ingenieure und Eisenbahnhistoriker Ralph Lüderitz und Peter Glanert dokumentieren die abwechslungsreiche Geschichte des Eisenbahnknotens Halle nun in einem umfangreichen Bild-Text-Band. Ihre Darstellung endet im Jahre 1993, dem Zeitpunkt der Liquidierung der Deutschen Reichsbahn.

Zunächst stellen die Autoren, die beide schon zahlreiche Publikationen zur Eisenbahngeschichte veröffentlicht haben, die ersten Eisenbahnen und Bahnanlagen des 19. Jahrhunderts in Halle vor. Darunter in gesonderten Kapiteln den Hauptpersonenbahnhof (Inbetriebnahme am 8. Oktober 1890) und den Hauptgüterbahnhof. Sehr ausführlich wird der Einsatz der Triebfahrzeuge behandelt, von den alten Dampfrössern über Dieselloks bis zum elektrischen Zugbetrieb, der in einem Extrakapitel näher vorgestellt wird. Breiten Raum nehmen auch die Elektrifizierungsbestrebungen in der DDR ein. Hier war die Reichsbahndirektion Halle federführend für die Elektrifizierung des mitteldeutschen Streckennetzes.

Auch die Hafenbahn und die Halle-Hettstedter Eisenbahn, die früher zum Stadtbild gehörten, werden in Bild und Text vorgestellt, ebenso wie verschiedene Industrie- und Werksbahnen sowie der S-Bahn-Verkehr nach Halle-Neustadt. Zum Schluss informiert das Autoren-Duo noch über nicht ausgeführte Projekte, wie z.B. die Schließung der U-förmigen Linienführung der halleschen S-Bahn (direkte Verbindung zwischen Dölau und Trotha).

Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die Leistungen mehrerer Eisenbahngenerationen und will damit die Erinnerungen an den Eisenbahnknoten Halle wachhalten. Mit vielen historischen und aufschlussreichen Informationen und technischen Details wird hier ein wichtiges Kapitel mitteldeutscher Verkehrsgeschichte vermittelt – und das nicht nur für Eisenbahn-Fans. Besonders beeindruckend ist die Fülle an historischen Fotos (darunter viele erstmals veröffentlich), die die Entwicklung des Eisenbahnwesens dokumentieren. Auf manchem Foto entdeckt man auch städtebauliche Veränderungen, die diesen Bild-Text-Band auch für den nicht so versierten Eisenbahnkenner interessant machen. Erwähnt werden muss auch die hervorragende Papier- und Druckqualität.

Insgesamt eine mit Akribie und Liebe zusammengetragene umfassende Chronik.

Manfred Orlick

Ralph Lüderitz / Peter Glanert: „Eisenbahnknoten Halle“, Verlag Bernd Neddermeyer
Berlin 2013, 208 S., 32,00 €, ISBN 978-3-941712-33-1

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