Ästhetik des Aufgebens – Fotografien aus verlassenen Räumen

30. Juni 2013 | Rezensionen | Keine Kommentare

Demografischer Wandel … Stadtumbau … Wohnen auf der grünen Wiese … Abrisshäuser und verlassene Wohnungen gehören daher zu unserem Alltag. Für den Fotografen Sebastian Weise sind sie jedoch willkommene Motive. Ein altes, verlassenes Haus weckt immer wieder sein fotografisches Interesse.

Über fünf Jahre hat Weise sich auf diese ungewöhnliche Spurensuche begeben, hat dutzende Gebäude und Liegenschaften durchstreift. Ein Teil seiner fotografischen Ausbeute ist jetzt in dem Bildband „Ästhetik des Aufgebens“ des Mitteldeutschen Verlags erschienen. Präsentiert werden rund 60 meist ganzseitige Farbfotos, die in Ostdeutschland entstanden sind. Der Autor betont jedoch, dass die Verortung nicht von Belang ist, denn überall werden Häuser und Wohnungen ver- und sich selbst überlassen.

Die Wohnungen wurden von den Mietern verlassen oder teilweise durch Vandalismus verwüstet. Auf den Fotos begegnen uns abgerissene Tapeten, alte Kachelöfen, vergessene Lampenschirme, verstaubte Haushaltsutensilien oder verdreckte Sanitäranlagen. Durch defekte Dächer dringt bereits der Schnee oder der Taubendreck. Weise geht es jedoch nicht nur um diese Relikte des Verfalls, er will mit seinen Fotos auch an die ehemaligen Bewohner erinnern. Die Hinterlassenschaften erzählen für ihn von der individuellen Vielfalt der ehemaligen Mieter oder Eigentümer. Im Vordergrund steht jedoch das Dokumentarische.

Sebastian Weise
„Ästhetik des Aufgebens – Fotografien aus verlassenen Räumen“
Mitteldeutscher Verlag Halle 2013, 18,00 €, 96 S., ISBN 978-3-89812-958-9

Manfred Orlick

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