4.Sinfoniekonzert mit Gershwin, aber ohne Blues

4. Februar 2020 | Rezensionen | 1 Kommentar

Das 4.Sinfoniekonzert der Staatskapelle Halle stand eigentlich unter keinem guten Stern, hatten die Musiker doch vor wenigen Tagen überraschend aus der Presse erfahren müssen, dass ihre Hoffnungsträgerin GMD Ariane Matiakh vorzeitig, eigentlich sofort, ihren Vertrag auflösen möchte. Nichts Genaues weiß man nicht. Aber die Musiker wären keine Profis, wenn sie solche Ereignisse nicht vorübergehend wegstecken könnten.
Das Konzertprogramm des 4.Sinfoniekonzertes eignete sich dazu sehr gut. Schwung- und kraftvoll startete man unter der Leitung des Gastdirigenten Christian Vasquez mit Samuel Barbers Ouvertüre zur Gesellschaftssatire „The School for Scandal“. Unverkrampft brillierte das Orchester bei den vielen Tempowechseln und der Dynamik des 8-minütigen Werkes. Und dann, noch vor der Pause, gab es mit Gershwin-Kompositionen den Höhepunkt des Konzertes, zu dem der junge Pianist Frank Dupree und Gastdirigent Christian Vasquez wesentlich beitrugen. Gershwins Variationen über „I got Rythm“ und seine „Rhapsody in Blue“ ließen den Konzertpianisten zur Hochform auflaufen. Mal kraftvoll – man ahnte seine Ausbildung als Jazz-Schlagzeuger – aber auch sanft und gefühlvoll – erspürte er den jazzigen, improvisierenden Charakter der Gershwin-Kompositionen. Voller Spielfreude und vom Dirigenten Vasquez in Schwung gehalten unterstützte ihn das Orchester. Kein Wunder, dass die Konzertbesucher überaus begeistert waren und mit enthusiastischem Beifall Zugaben des Pianisten einforderten. Sehr gefiel eine Extrazugabe, bei der mehrere Musiker mit dem Pianisten fröhlich improvisierten.
Nach der Pause kamen Sergej Rachmaninows Sinfonische Tänze Op. 45 zur Aufführung. Durch das anspruchsvolle, 3-sätzige Werk – das letzte, das Rachmaninow schuf – führte Dirigent Christian Vasquez sicher, nuancierend, einfühlsam, energisch. Die Interpretation des ersten Satzes schien eher der Angabe „Non Allegro“ zu folgen, die von Rachmaninow aber zu „Allegro“ berichtigt worden war. Für den schwungvollen Start ins Konzertjahr 2020 bedankten sich die Konzertbesucher mit anhaltendem Beifall. Aber auch den Musikern der Staatskapelle hat die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und dem Pianisten gefallen.
(H.J. Ferenz)

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