Wer wird neuer Sport- und Kulturchef in Halle?

29. Januar 2013 | Politik | 2 Kommentare

Eine Entscheidung für die nächsten fünf Jahre haben die halleschen Stadträte zu treffen. Denn sie müssen entscheiden, wer neuer Beigeordneter für Kultur und Sport wird. 13 Bewerber gab es um den Posten, fünf von ihnen wurden von Stadträten zu Gesprächen eingeladen und drei von ihnen werden gute Chancen zugestanden.

Während die Vorstellung im Hauptausschuss auf Antrag der CDU und mit Zustimmung von SPD und FDP nicht öffentlich war, lud der Stadtsportbund die drei aussichtsreichsten Kandidaten zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion ein.

Zunächst ging es um die Vorstellung
Die in den USA geborene Australierin Judith Marquardt durfte sich als Erstes präsentieren. Wegen der Liebe sei sie über Südafrika nach Deutschland gekommen, habe in Frankfurt / Oder studiert, war später Prokuristin eines Instituts. Mit Finanzen, Management und Personalführung habe sie in ihrem Leben bereits zu tun gehabt und baue gerade eine Akademie in Meißen auf. Seit etlichen Jahren sei sie Wahl-Hallenserin. Kultur und Sport sei wichtig für die Lebensqualität in Halle. Wichtig sei zudem, dass nicht nur Leistungssport, sondern auch der Breitensport gefördert werde. Die Ressourcen seien sehr begrenzt, deshalb sei eine bessere Zusammenarbeit nötig. Auf Sportler und Vereine wolle sie zukommen. Die Lebensfähigkeit der Vereine müsse gesichert, die Vielfalt bewahrt werden.

Gerry Kley hatte es da einfacher, war er den meisten Anwesenden doch schon bekannt. Einst war er Sportminister, heute ist er noch Präsident des Leichtathletikverbandes Sachsen-Anhalt.

Seit 1992 lebt Tom Wolter in Halle, ist seit 1999 in der Kommunalpolitik aktiv, hat die Gruppierung MitBürger mitbegründet und sitzt seit 2005 Stadtrat. Seit 2011 arbeitet er im Kulturkonvent des Landes mit. Angetreten sei er, weil er durch die Ressortzusammenführung die Notwendigkeit und Chance sehe, für die Stadt erstmals fachlich auf kurzem Wege für beide Bereiche möglich zu machen. Aufgewachsen sei er in einer Leistungssportfamilie in Leipzig und seit 1989 künstlerisch tätig. Beide Prägungen wolle er vereinen.

Sportförderung und Sportprogramm
Gerry Kley: es ist in Halle nicht schwierig etwas anderes zu machen. Es gab bislang keine einheitliche Sportführung und Stimme. Die Zusammenzuführung ist eine große Chance für denjenigen, der das Amt übernimmt. Kley forderte eine Instandsetzung der Schulturnhallen, es stünden noch Restmittel des Landes bereit. Auch das System der Vergabe der Hallenzeiten will er anfassen. Gestärkt werden müsse zudem der Leistungssport. „Wir haben in Halle Spitzensport angesiedelt und machen nix. Wenn ich sehe das Paul Biedermann Weltmeister wird und niemand nimmt es wahr, ist das traurig.“ Längt erledigen hätte man auch den Bau der Kraftsporthalle und des Laufschlauches. Kley sprach sich für eine bessere Vermarktung der Brandbergehalle und des Robert-Koch-Stadions aus. Wichtig sei es, Ereignisse in die Stadt zu holen. Hauptsorgenkind sei aber die Eissporthalle.

Tom Wolter: sagte, das Sportprogramm sei sehr gut strategisch gut aufgestellt. Nun müsse es noch schnell verabschiedet werden. Die Selbstverwaltung des Sports wolle er achten, dafür sei der Stadtsportbund die beste Instanz. „Ich halte nichts davon, die Sportverwaltung auszugliedern.“ Schnellstmöglich müsse eine Entscheidung zur Eissporthalle her – ob Neubau oder Sanierung. Wichtig sei aber auch eine möglichst schnelle Verabschiedung des Haushalts, damit nicht wieder Vereine monatelang ohne Geld da stehen. Zur Sportstruktur sagte Wolter, „wir brauchen eine funktionierende ineinandergreifende Landschaft mit Leuchttürmen. Aber die Leuchttürme müssen in die Landschaft passen.“

Judith Marquardt sollte sich zum Zugang des Sports in ihrem bisherigen beruflichen Werdegang äußern. „Natürlich stecke ich da nicht so tief im Detail wieder die Stadträte“, gab sie zu. „Sport ist aber wichtig im Leben, gehört zu Identität, Gesundheit, Lebensqualität.“ Wichtig sei es, möglichst viele Leute zu mobilisieren, Sport zu treiben.“ Ein Sportprogramm halte sie für essentiell. Durch Schwerpunktsetzung und Grundsätze könne eine wichtige Grundlage für die Zukunft gelegt werden. Ein solches Programm sei ein roter Faden für die mittel- und langfristige Entwicklung, setze die Weichen. „Wir haben einen riesen Investitionsbedarf, es gibt viel zu tun. Wir müssen Prioritäten setzen.“ Nötig sei eine solide finanzielle Kalkulation um zu wissen, ob eine Sanierung oder ein Neubau wirtschaftlicher seien. Auch eine gute Auslastung der Sportstätten sei ihr ein Anliegen.

Finanzen
Tom Wolter: „Niemand hier weiß, was im Sport in der Stadt umgesetzt wird.“ Klar sei aber, dass mit Auslaufen des Solidarpakts die Mittel sinken werden. „Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren viel stärker als bisher konzeptionelle Arbeit zu leisten haben. Dazu dient als Ansatz das Sportprogramm.“ Die Verwaltung sei in der Pflicht, diese Zielsetzung zu diskutieren und erfolgreich zu gestalten. Klare Regelungen brauche es bei der Nutzung von Schulturnhallen für Vereine. Nach Amtsantritt wolle er ein kurzfristiges Maßnahmepaket für zwölf Monate aufstellen.

Judith Marquardt:
Es gehe erstmal um Priorisierung, „es geht nicht alles auf einmal“ Das bürgerliche Engagement solle stärker genutzt werden. Marquardt regte gemeinsame Projekte mit dem Saalekreis an, auch die Wirtschaft solle stärker mit ins Boot geholt werden. „Wir können uns nicht alles leisten“, machte Marquardt aber auch klar. „Wir können nicht weiter über unsere Mittel leben. Da tun wir den Vereinen keinen Gefallen.“

Gerry Kley will das Land versuchen zu überreden, ein neues Programm zur Saniergun der Schulturnhallen ins Leben zu rufen. Auch bei der Eissporthalle gebe es immer noch Fördermöglichkeiten „Mit ein bisschen Kreativität kann das Land Fördermittel bereitstellen“, meinte Kley. Nötig sei es, die Betriebskosten zu senken.

Zerreißprobe Kultur und Sport
Judith Marquardt sagte, es dürfe kein Bereich übervorteilt werden. Die Ressourcen seien aber von Anfang an klar, „es gibt eigene Strukturen für beide Bereiche.“ Wichtig sei es, dass beide Bereiche ausreichende Aufmerksamkeit bekommen. Sowohl Kultur als auch Sport verlangen durch die Vielzahl an Veranstaltungen ein großes Maß an Präsenz.

Schlägt ihr Herz stärker für Kultur?
Tom Wolter will hier keinen Konflikt erkennen. Eine Erhöhung des Sportetats von derzeit 8 Millionen Euro hält er für unwahrscheinlich, gerade bei der aktuellen Haushaltslage. Künftig müsse man bei einer Förderung stärker auf Erfolge, Mitgliederstruktur und Konzepte achten. Das seien Fragen, die früher nie diskutiert worden seien.

Konflikt mit Kultur?
Gerry Kley erklärt, das damals von ihm geführte Sozialministerium sei auch notleidendes Haus gewesen. „Ich kenne die Situation. Kultur und Sport haben beide selbe Ziele: das sich Menschen beschäftigen können, Unterhaltung, Arbeitsplätze, dienen dem Stadtmarketing“, so Kley. Er sprach von einer guten Kombination, die man durchgängig händeln könne. Beide Bereiche könnten voneinander lernen. Er glaube nicht, dass bei den Zuschüssen ein Bereich den anderen aussteche. Eher sollten die anderen Beigeordneten einsparen.

Sport als Werbeträger
„Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, sagte Judith Marquardt. Halle habe viele Weltmeister und Olympiasieger hervorgebracht, das sei bisher im Stadtmarketing nicht eingesetzt worden. Auch die Werfertage brächten internationale Sportler nach Halle. Marquardt sagte, die Stadt müsse mehr stolz sein auf seine Sportler.

Auch Gerry Kley sprach sich für eine bessere Vermarktung aus „Im Erzgebirge wird jeder Rodler am Ortseingang gefeiert.“ Die Stadt müsse Wettkämpfe herholen, die wahrgenommen werden. Daneben müsse die Stadt als Dienstleister Vereine unterstützen.

„Die Verwaltung ist nicht in der Lage Marketing zu machen“, meinte dagegen Tom Wolter. Er würde dafür auch keinen Mitarbeiter abstellen. „Was wir definieren müssen ist die Diskussion darüber, welcher Wettbewerb mit welchem Geld finanziert wird.“ So müsse auf die internationale Ausstrahlung bei einer Förderung geachtet werden.

Drei Prioritäten aus dem Sportprogramm
Bei 30 Seiten drei Punkte hervorzuheben sei schwierig, meinte Gerry Kley. Einen Konflikt zwischen Breiten- und Spitzensport sieht er nicht. Kley sprach sich für einen weiteren Ausbau des Olympiastützpunktes aus.

Judith Marquardt warb für eine Stärkung des Schulsports. Weitere wichtige Punkte für sie sind eine Sanierung der Sportstätten, eine transparente Förderrichtlinie und erschwingliche Betriebskosten. Auch die Zuständigkeiten müssten klar sein, „die Stadtverwaltung muss als Dienstleister auftreten.“ Kommunikation und Kooperation seien Schlüsselwörter. Die Bürger müssten Möglichkeit haben, ihrem Sport nachzugehen, egal ob organisiert oder nicht.

Tom Wolter sagte, Schwerpunktsportarten zu definieren sei wichtig. Daraus folge eine Sonderbehandlung in der Vergabe. Eine Konzentration von Stadtsportbund, Sportverwaltung und der Stiftung Sport an einem Ort im „Haus des Sports“ halte er für wichtig. Nicht richtig sei dagegen eine Privatisierung der Sportverwaltung, sprich eine Verteilung der Sportmittel über den SSB. „Wir müssen als Mittler dazwischenstehen.“ Spitzenleistungen seien nötig, um den Sport in der Breite aufzustellen.

Andrea Holst (Behindertensportverband) erkundigt sich zum Reha-Sport
Judith Marquardt sieht hier einige Möglichkeiten, schließlich sei hier auch eine Mitfinanzierung durch die Krankenkassen möglich.

Tom Wolter sagte, die Vereine müssten ihren Bedarf äußern. Durch den Bau der neuen Ballsporthalle in Neustadt bestehe auch die Möglichkeit, dem Rehasport eine komplette dann nicht mehr gebrachte Turnhalle zuzuordnen.

Gerry Kley wies darauf hin, dass der Landessportbund in Halle schon zwei Sporthallen für den Rehasport gefördert hat. Die Stadt müsse Vereine, die Idee zu einem Neubau haben, unterstützen. SSB und Verwaltung seien gefragt, das Konzept anzuschauen und beratend tätig zu werden.

Schwerpunktsetzung, Betriebskosten
Tom Wolter wies darauf hin, dass der Sportausschuss die Schwerpunkte festlege. Letztendlich bedeute aber die Schwerpunktsetzung eine Vorrangsituation bei der Sportstättennutzung. Eine Kostenbeteiligung der Vereine hält Wolter für sinnvoll, wenn es wirtschaftlich vertretbar ist.

Gerry Kley wies darauf hin, dass eine Förderung des Spitzensports nicht kommunale Aufgabe ist.

Judith Marquardt erklärte, die Stadt könnte nicht sagen, „uns interessiert nicht was das Land fördert“ und dann einen eigenen Weg gehen. Auch Marquardt sprach sich für eine anteilige Beteiligung an den Betriebskosten aus. „Aber wichtig ist, dass die Vereine dadurch nicht kaputt gemacht werden.“

Zeitschiene Sportstättenbenutzungssatzung und Sportprogramm
Tom Wolter will strategisch sauber bleiben: erst Programm – im Idealfall März im Rat. Im April und Mai will er als Dezernent dann mit den Satzungen und Richtlinien kommen.

Juditz Marquardt will zunächst das Sportprogramm vorlegen und bei nächster Gelegenheit im Sportausschuss beraten.

Gerry Kley würde dagegen auch erst die Benutzungssatzung diskutieren, „damit Ruhe reinkommt.“

Helmut Klimme vom USV ist enttäuscht von den schlechter werdenden Leistungen der Sportler und will, dass die Stadt Trainer einstellt.

Judith Marquardt sagte sie könne sich nicht vorstellen, dass die Stadt Trainer für einzelne Sportarten holen kann. „Wir können nur die Infrastruktur bereitstellen.“

Ähnlich äußerte sich Gerry Kley: „wir werden als Stadt keine Trainer anstellen.“

Verhältnis zum neuen OB
Judith Marquardt ist da noch etwas unbedarft. „Ich bin neu in der Politik. Ich gehe nicht gleich auf Konfrontation.“ Wichtig sei es vernünftig mit allen zu sprechen und die Stadt gemeinsam nach vorn bringen.

Gerry Kley erklärte, dass der neue OB den Beigeordneten ja mehr Kompetenzen geben will. „Da dürfte es keine Probleme geben.“

Anteilshöhe Betriebskosten
Judith Marquardt sagte, eine anteilige Finanzierung sei richtig, die Vereine müssten aber lebensfähig bleiben.

Gerry Kley verwies dagegen auf einen bereits bestehenden Beschluss des Hauptausschusses und sagte zudem, dass es ja auch klare Aussagen dazu von OB Wiegand gebe. „Da versuchen wir uns dran zu orientieren.“

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