Uni Halle soll keine Volluniversität mehr sein

5. September 2013 | Politik | 2 Kommentare

Nun ist die Katze aus dem Sack. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg soll den Plänen der Landesregierung zufolge keine Volluniversität mehr sein.

Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Hartmut Möllring hat Eckpunkte für den Hochschulstrukturplan Sachsen-Anhalt erarbeiten lassen, berichtet der MDR. Und dieser Entwurf hat es in sich. So stehen jährliche Einsparungen von 10 Millionen Euro an. Das Ministerium selbst dementiert dagegen den MDR-Bericht, konkrete Pläne würden erst zum Jahresende erwartet.

Geschlossen werden sollen die Medienwissenschaften, Informatik, Psychologie, Sportwissenschaften und Geowissenschaften. Weiterhin soll eine Philosophische Fakultät dicht gemacht werden. Künftig soll der Schwerpunkt auf Geistes- und Naturwissenschaften liegen.

Möllring will eine stärkere Kooperation mit den Unis in Jena und Leipzig, vor allem auch bei kleineren Fächern. Laut MDR ist auch eine stärkere Kooperation in den Agrar- und Lebenswissenschaften mit der Hochschule Anhalt vorgesehen, ebenso die Übernahme der Kooperationsplattform Polymer- und Kunststofftechnik der FH Merseburg sowie eine stärkere Kooperation mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen als Fortführung des Kunststoffkompetenzzentrums. Die Lehramtsausbildung soll in Halle konzentriert werden, die Fachhochschulen sollen im Bereich berufsbildende Schulen eingezogen werden. In allen noch übrig bleibenden Studiengängen ist eine Verdichtung der Fächerstruktur und Profilbildung vorgesehen. Erwartet wird eine starke nationale Sichtbarkeit für einzelne forschungsintensive Bereiche in allen Fachbereichen.

Durch die Sparmaßnahmen sollen 110 Stellen in der Verwaltung sowie 140 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter wegfallen. Daneben wird die Zahl der Studienplätze um 1.600 reduziert.

Weitere 22,7 Millionen Euro würde die Schließung der Hochschulmedizin bringen. Hier ist aber noch keine endgültige Entscheidung gefallen. In dem Strukturplan Möllrings ist von einem „politischen Tabu“ die Rede.

Die Sparmaßnahmen treffen laut MDR aber auch die Otto-von-Guericke-Universität (-3.600 Studienplätze), die HS Magdeburg-Stendal (-1.200 Studienplätze), die Hochschule Merseburg (-2.090 Studienplätze) und die Hochschule Anhalt. Die Sparvorgabe der Landesregierung von 53,3 Millionen Euro Einsparungen würde aber nur mit einer Schließung der Hallescher Unimedizin erreicht.

„Das nunmehr bekanntgewordene Schrumpfungskonzept für die Hochschullandschaft des Landes in Verantwortung des Wissenschaftsministers Möllring würde die Entwicklung Sachsen-Anhalts im Falle seiner Umsetzung fundamental bedrohen. Das Konzept zeigt, diese Landesregierung ist gefährlich für Sachsen-Anhalt“, erklären der erklären der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag Wulf Gallert und hochschulpolitische Sprecher der Fraktion Hendrik Lange. „Die Vorschläge machen deutlich, welche gewaltigen Konsequenzen die Umsetzung auch nur eines Teils der vorgesehenen Kürzungen im Hochschulbereich haben. Insofern bleibt eindeutig festzuhalten, dass eine vernünftige Entwicklung der Hochschullandschaft in Sachsen-Anhalt mit finanziellen Kürzungen unvereinbar ist. Jeder, der in der Koalition von CDU und SPD für die in Rede stehenden Kürzungen im Hochschulbereich die Hand gehoben hat, ist für diese Diskussion und für die vorgeschlagenen Konsequenzen mitverantwortlich“, heißt es in einer Erklärung der Linken. „Im Interesse des Landes muss diese Landesregierung gestoppt werden, durch koordinierte Proteste der Betroffenen, der Opposition und all derjenigen, die sich ernsthaft Gedanken um die Entwicklung Sachsen-Anhalts machen.“

„Ich war tief erschüttert, als ich diese Pläne der Landesregierung zu den Einsparungen bei den Hochschulen gesehen habe. Mir war klar, dass die Landesregierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff konzeptionslos ist – aber das sie sich als Totengräber für unser Land profilieren möchte, damit habe ich nicht gerechnet“, so die Grüne Fraktionsvorsitzende im Landtag, Claudia Dalbert. „Zur Medizin sagt der Wissenschaftsrat ganz klar, hier dürfen die Ausbildungsplätze nicht reduziert werden, sonst fehlen in ein paar Jahren im ganzen Land die Fachärzte. Eine Streichung der Vorklinischen Ausbildung in Halle bedeutet aber genau dies. Wieso sehen die Kürzungspläne der Landesregierung genau hier Streichungen vor?
Wenn die vorgesehen Kürzungen an der Universität Magdeburg umgesetzt würden, würden fast vier Tausend von Studienplätzen sowie mehrere Hundert Stellen von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Verwaltungsangestellten wegfallen. Die Landesregierung würde so Wirtschaftskraft und kulturelles Leben in Magdeburg beschädigen.
Ähnlich das Bild in Stendal: Es ist ja auch eine regionalpolitische Entscheidung, hier eine Hochschule zu unterhalten. Und die macht einen guten Job. Hier darf die Landesregierung nicht mit der Axt dran gehen.
Die angewandte Hochschule Merseburg ist eine der erfolgreichsten angewandten Hochschulen, die wir hier im Lande haben. Exzellente Lehrrankings und ausgezeichnete Drittmitteleinwerbung, ein regionaler Wirtschaftsmotor, wie wir ihn uns nicht besser wünschen können. Wie die Landesregierung auf die Idee kommen kann, solch ein Juwel zu schließen, kann ich nicht nachvollziehen.
Auch die vorgesehenen Kürzungen für die Universität Halle zeugen von wenig Kenntnis der Hochschullandschaft. Hier werden Fächer zur Streichung vorgeschlagen, die zentral für die Erbringung der Studierendenquote gemäß Hochschulpakt sind, oder unverzichtbare Leistungen in der Lehramtsausbildung bereitstellen. “

„BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN werden diesen Kürzungswahnsinn nicht mittragen. Hier handelt die Landesregierung von Ministerpräsident Haseloff nicht zum Wohle der Zukunft des Landes, sondern in realitätsblinder Sparwut. Wir werden das nächste Woche im Parlament, anlässlich der Haushalts-Debatte, zur Sprache bringen. Und natürlich werden wir zusammen mit den Bündnissen, mit denen wir schon vor der Sommerpause des Parlaments gegen die Kürzungspläne demonstrierten, jetzt weiter auf die Straße gehen. Diese Kürzungspläne wären ein Todessstoß für Sachsen-Anhalt!“

Zu der aktuellen öffentliche Debatte um die Hochschulen in Sachsen-Anhalt erklärt der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, André Schröder. „Die von der CDU gegebene Orientierung durch die bestehenden Landtagsbeschlüsse gilt weiterhin. Vor einer parlamentarischen Entscheidung sind die Beteiligten im Landtag anzuhören. Wir werden uns zu einzelnen Vorschlägen erst äußern, wenn das Gesamtkonzept vorgestellt und erläutert wurde. Die jetzigen Medienberichte sind vom verantwortlichen Ministerium bereits dementiert worden. Die reformierungswillige Opposition betreibt offenkundig Wahlkampf. Vokabeln wie ‚Todesstoß‛ für Sachsen-Anhalt, sind unterirdisch für unsere Debattenkultur“, so Schröder abschließend.

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