Unerschrockenes Wort: Stadtrat für Beleites

27. September 2012 | Politik | Ein Kommentar

Der hallesche Stadtrat hat sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, den DDR-Bürgerrechtler Michael Beleites als Kandidaten für das „Unerschockene Wort“ der Lutherstädte vorzuschlagen. Diskussionen zum Thema gab es nicht. Damit folgten die Räte einem Vorschlag von Uta Leichsenring, Preisträgerin 2001 und Leiterin der Außenstelle Halle BStU sowie des Beauftragten der EKD für Seelsorge und Beratung von Opfern der SED-Kirchenpolitik, Curt Stauss. Auch die Stadtverwaltung hatte den Räten Beleites empfohlen, weil er bedeutsame Aussagen auch gegenüber Widerständen vertreten habe und zukunftsgerichtete Überlegungen angestellt hat.

Beleites wurde 1964 in Halle geboren, „setzte sich schon als Jugendlicher – ohne Scheu von Benachteiligungen – für Aufdeckung und Beseitigung von Umweltproblemen ein“, heißt es in der Begründung. Weite Verbreitung fand seine Studie zu den Folgen der Uranförderung im Wismut-Gebiet unter dem Titel „Pechblende“. In den Wendejahren 1989/90 war er Berater für Umweltfragen beim Zentralen Runden Tisch. Von 2000 bis 2010 war er Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen im Freistaat Sachsen. Seitdem wirkt er als Publizist und Autor. So erschien im vergangenen Jahr sein Buch „Klassenkampf gegen die Bauern“, das die zerstörerischen Folgen der industrialisierten Landwirtschaft für die Landschaft und die ländliche Kultur bis heute diskutiert.

Neben Beleites gab es noch zwei weitere mögliche Kandidaten. Von der FDP-Stadtratsfraktion der Stadt Halle (Saale) wurde Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vorgeschlagen. Der Vorstand des Zeit-Geschichte(n) e. V. wollte den chinesischen Poeten, Essayisten und Dissidenten Bei Ling ehren.

Das „unerschrockene Wort“ wird alle zwei Jahre von den 15 Lutherstädten vergeben. Bisherige Preisträger:
Prof. Dr. Richard Schröder (1996),
Prof. Dr. Hans Küng (1999),
Uta Leichsenring (2001),
Gertraude Knoll (2003),
Stephan Krawczyk (2005),
Emel Abidin Algan (2007)
Andrea Röpke (2009) und
Dimitrij Muratow (2011)

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