SPD-Chef besucht S-Direkt-Streikende

4. Oktober 2012 | Politik | 4 Kommentare

Seit 88 Tagen streiken die Call-Center-Mitarbeiter von S-Direkt in Halle (Saale). Am Donnerstagvormittag erhielten sie prominenten Besuch an ihrer Mahnwache an der Ulrichskirche. Kein geringerer als SPD-Chef Sigmar Gabriel schaute vorbei.

Gabriel sprach sich für einen gesetzlichen Mindestlohn aus, damit Menschen die arbeiten gehen nicht am Monatsende beim Sozialamt betteln gehen müssen. „Man muss dafür sorgen, dass keine Gewerkschaft für 8.50 Euro streiken muss, sondern das gehört ins Gesetz geschrieben“, sagte Gabriel auf der Kundgebung, „so wie das in vielen anderen Ländern Europas auch der Fall ist.“ Er sprach von einer „großen Schweinerei, dass man in Deutschland für 8.50 Euro streiken muss.“

Der SPD-Chef sagte weiter, „ich finde was das Unternehmen hier macht ist wirklich geschäftsschädigend für Sparkassen. Deswegen kann ich nur dringend dazu raten, sich zu einigen und vor allem auch im Betriebsklima dafür zu sorgen, dass mit Menschen ordentlich umgegangen wird. “

Die Beschäftigten wollen mehr Lohn. Kurzfristig soll der Stundenlohn auf 8.50 Euro steigen, mittelfristig auf 9 Euro. Außerdem werden bessere Arbeitsbedingungen gefordert, unter anderem größere Arbeitsplätze.

„Es klingt ja gut, wenn sich Herr Gabriel, seines Zeichens SPD-Vorsitzender, heute demonstrativ und medienwirksam hinter die Forderungen der protestierenden Callcenter-Beschäftigten des Finanzdienstleisters S-Direkt in Halle stellt“, erklärt der Landtagsabgeordnete und Stadtrat Hendrik Lange (Die Linke). „Die Streikenden können jede Unterstützung brauchen – mit Halbherzigkeit und verbalen Solidaritätsadressen aber ist ihnen nicht geholfen, den Worten müssen dann auch Taten folgen.“ Die Linke habe die Problematik im zuständigen Verwaltungsrat thematisiert, „es bleibt nun zu hoffen, dass wenigstens die SPD-Mitglieder im Verwaltungsrat die Initiative der LINKEN tatkräftig unterstützen. Im Übrigen war von eben diesen SPD-Verwaltungsratsmitgliedern bislang öffentlich auch nicht allzu viel zu der Problematik zu vernehmen …“ Eine Kritik, mit der Lange sich insbesondere an Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) wendet. Denn das war auch eine Kritik der Streikenden vor Ort: in alle den Jahren in denen sie im Verwaltungsrat sitzt, habe Szabados nichts für die S-Direkt-Mitarbeiter getan.

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