Neue Beigeordnete für Kultur und Sport: Judith Marquardt tritt Amt an

30. Juni 2013 | Politik | Keine Kommentare

Überflutete Sportanlagen, drohende Kürzungen in der Kultur: in dieser schwierigen Situation tritt Judith Marquardt zum 1. Juli ihr neues Amt als Beigeordnete für Kultur und Sport in Halle (Saale) an.

Judith Marquardt: nach der Wahl im Stadtrat.

Die gebürtige Australierin war Ende Januar vom Stadtrat gewählt worden. Wegen der Liebe war sie einst über Südafrika nach Deutschland gekommen, hat in Frankfurt / Oder studiert, war später Prokuristin eines Instituts.

An dieser Stelle ein Interview mit der 49-jährigen, welches wir anlässlich ihrer Wahl geführt haben.

Gesprochen haben wir über das Thema Stadtbibliothek.
Denn nur 5 Prozent der Hallenser nutzen das Angebot der halleschen Bücherei, und wollten von Marquardt wissen, wie man in Zukunft bessere Zahlen erreichen könne.
Über diese geringe Nutzerzahl zeigte sie sich verwundert. Grundsätzlich wolle sie sich aber mit den Mitarbeitern der einzelnen Kultureinrichtungen in der Stadt zusammensetzen und sich über den aktuellen Stand deren Arbeit informieren lassen,
Aber bezogen auf die Stadtbibliothek meinte Marquardt, dass man über Huckepack-Flyer oder Patenschaften Kindergärten und Schulen nachdenken könne. Sie machte klar, dass dies nur erste spontane Ideen seien, denn Priorität hätte für sie, dass sofort nach Amtsantritt die Gespräche mit den jeweiligen Einrichtungsleitern stattfinden müssen.

„Man darf Kultur nicht in Euro messen.“
Drei Millionen Euro Kürzungen könnten der Stadt im Kulturbereich drohen, die Landesregierung will den Rotstift ansetzen. Auf unsere Frage, ob sie auch über Kooperationen mit dem Saalekreis nachdenke, kam von Marquardt ein entschlossenes JA. Für sie seien gemeinsame Projekte wichtig um gemeinsame Interessen zwischen Halle und dem Saalekreis zu finden. Was Marquardt auch gleich auf die Empfehlungen des Kulturkonvents brachte. Sie begrüßte die Forderung nach Zweckverbänden, Kulturräumen oder Zusammenschlüssen im Land. Denn die Bürger des Saalekreises nutzen durchaus die kulturellen Angebote in Halle, ist sie sich sicher.
Auch die Forderung des Kulturkonvents, nach besserer finanzieller Ausstattung der Kommunen, freue sie, doch glaube sie nicht, dass sich die Landesregierung davon wirklich beeindrucken lasse. Deswegen sei es für sie wichtig, so schnell nur möglich Kontakt mit den handelnden Personen in Magdeburg aufzunehmen und für die Stadt Halle zu werben. Was sie allerdings auch von den halleschen Landtagsabgeordneten erwarte, dass sie vermehrt und hartnäckig die Interessen Halles in der Landeshauptstadt vertreten.

„Halle muss strahlen“
Anhand des Beispiels des Kunstmuseums Moritzburg wollten wir von Frau Marquardt wissen, wie sie dessen Situation einschätze und man das Museum besser in die Aktivitäten der Stadt einbinden könne.
Halle habe mehr Landeseinrichtungen, so die zukünftige Dezernentin. Da wäre unter anderen das sehr erfolgreich arbeitende Landesmuseum. Grundsätzlich müsse Halle mit den Einrichtungen des Landes mehr in die Öffentlichkeit gehen und für die Stadt werben. Denn auch sie würden das Image der Stadt prägen. Den Anspruch, eine Kulturhauptstadt zu sein, unterstreichen.
Deswegen ist dringend eine Vernetzung der städtischen Kultureinrichtungen und der des Landes nötig. So wäre es für sie wichtig, dass es einen Kalender für sämtliche Einrichtungen gibt, nicht nur einiger ausgewählter. Auch könne man sich so leichter mit geplanten Aktivitäten und Veranstaltungen abstimmen. Weiterhin wären für sie Kombitickets vorstellbar, Eintrittskarten die beispielsweise den Besuch des Kunstmuseums Moritzburg und anschließend des Neuen Theaters beinhalten.

„Sportler sind die Helden für die Jugend.“
Als nächstes sprachen wir das Thema Sport und die Situation der Vereine an. Hier wollten wir von Marquardt wissen, wie sie in Zukunft mit den teilweise desaströsen Zuständen in den Schulsporthallen, die ja auch die Vereine nutzen, umgehen will.
35.000 Einwohner von Halle seien Mitglied in einem Sportverein der Stadt, da ist Sport ganz wichtig. Sie sähe gerade bei den Sporteinrichtungen einen Investitionsstau, der sich nicht zuletzt auch in den Betriebskosten niederschlägt. Aber damit die Stadt eine Orientierung für die Investitionsplanung bekommt, müsse man dringend die Sportleitlinien wieder aus der Schublade holen. Die müsse man jetzt der aktuellen Situation anpassen und schnell verabschieden.
Eine der nächsten großen Baustellen sehe sie in der Eissporthalle. Es gebe dort eine Menge Anhänger, aber man müsse auch hier an den Nachwuchs denken. Im Schulsport könnte eine Möglichkeit der Nachwuchsförderung liegen, so die zukünftige Dezernentin für Sport.

Wir konfrontierten Frau Marquardt mit Plänen, dass die Stadt in eine Genossenschaft einsteigen soll, um das Bauprojekt Sportparadies im Böllberger Weg zum Abschluss zu bringen.
Hier müsse man genau prüfen, denn es mache keinen Sinn, die Schüler von einer Ecke der Stadt in die andere zu schicken. Erst einmal müsse ein sinnvolles Nutzungskonzept her.

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