Jedes vierte Kind in Sachsen-Anhalt lebt von Hartz IV

20. September 2012 | Politik | Keine Kommentare

In Sachsen-Anhalt lebt jedes vierte Kind unter 15 Jahren in Bedarfsgemeinschaften. Das geht aus einer aktuellen Statistik der Arbeitsagentur hervor. Das ist weiterhin eine hohe Quote, aber immerhin ist eine Verbesserung erkennbar. Im Zeitraum zwischen Dezember 2007 und Dezember 2011 reduzierte sich die Zahl der Kinder in Hartz IV-Haushalten von 78.500 auf 67.200, die Quote von 32 auf 26,6 Prozent.

Kay Senius, Chef der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, warnt trotz des positiven Trends vor zu viel Euphorie: „Sicher haben viele Familien von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt profitiert. Wenn aber mehr als jedes vierte Kind in einer Bedarfsgemeinschaft aufwächst, dann zeigt es uns, dass das Armutsrisiko bei Kindern nach wie vor ein großes Problem in Sachsen-Anhalt ist.“

Sachsen-Anhalt liegt im Vergleich mit den anderen Bundesländern auf dem 14. Platz. Deutschlandweit sind nur noch in Bremen und Berlin die Hilfequoten der unter 15 Jährigen höher. „Diese Situation ist so nicht akzeptabel, darüber dürfe man nicht hinwegsehen“, so Senius weiter. Im Bundesdurchschnitt lag die Hilfequote im Dezember 2011 bei 14,9 Prozent. In Ostdeutschland betrug die durchschnittliche Hilfequote der unter 15 Jährigen in dem Zeitraum 24,8 Prozent.

„Armutsrisiko darf sich nicht vererben!“, meint Senius weiter. „Wir beobachten vor allem in kinderreichen Familien eine Verfestigung in den Hartz IV Strukturen. Hier müssen wir gegensteuern, das Armutsrisiko darf sich nicht vererben.“ sagt Senius mit Blick auf den Armutsbericht der Bundesregierung. „Kinder müssen frühzeitig spüren, dass der erwachsene Alltag nicht durch Arbeitslosigkeit geprägt ist, sondern möglichst beide Elternteile arbeiten gehen“ verdeutlicht Senius die Bemühungen der Jobcenter. Der Kampf gegen das Armutsrisiko von Kindern bleibe ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag.

Gleichzeitig wies Senius auf das höhere Armutsrisiko von Kindern hin, die in einer „Ein-Eltern-Familie“ aufwachsen. Denn Alleinerziehende hätten es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer. Wenn sich an den Rahmenbedingungen für Alleinerziehende nichts ändere, dann sei auch das Problem „Kinderarmut“ nicht in den Griff zu bekommen, so Senius weiter. Mehr als 53 Prozent aller Alleinerziehenden in Sachsen-Anhalt bezogen im Jahresdurchschnitt 2011 Hartz-IV-Leistungen, bei Alleinerziehenden mit mehr als 2 Kindern waren es sogar 63 Prozent. Zum Vergleich bezogen im gleichen Zeitraum rund 19 Prozent der Paare mit zwei oder mehr Kindern Leistungen der Grundsicherung.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben