Emil-Abderhalden-Straße: Diskussion erfasst Stadtpolitik

23. Oktober 2013 | Politik | 1 Kommentar

Die Diskussion zur Umbenennung der Emil-Abderhalden-Straße in Halle (Saale) nimmt nach drei Jahren Stillstand wieder Fahrt auf. Nachdem Oberbürgermeister Bernd Wiegand gegenüber HalleSpektrum.de erklärte, die Intentionen einer Professorengruppe zu unterstützen, hat sich am Mittwoch auch der Hauptausschuss mit dem Thema befasst.

„Die Initiative macht deutlich, wie groß der Zeitdruck ist“, sagte Dietmar Weihrich (Grüne). „Wir sollten die Straße möglichst schnell umbenennen.“ Weihrich fragte nach, wann der Antrag seiner Partei wieder beraten wird. Bereits 2010 hatten die Grünen die Umbenennung gefordert, der Antrag war aber damals solange verschoben worden, bis ein Gutachten der Leopoldina zur Vergangenheit ihres damaligen Präsidenten im Dritten Reich vorliegt. Laut OB Wiegand wird es bereits im kommenden Kulturausschuss soweit sein.

Hendrik Lange (Linke) forderte die Stadträte auf, sich fraktionsübergreifend mit dem Thema zu befassen und möglicherweise mit einem alternativen Straßennamen zu kommen. Vorstellbar wären Wissenschaftler, die von den Nazis verfolgt worden sind. Es sei eine sensible Angelegenheit. „Es wäre schön, wenn das nicht im Streit zwischen den Fraktionen entschieden wird.“ Sein Fraktionskollege Bodo Meerheim regte an, doch auch Vertreter der Initiative und der Leopoldina sowie die Anwohner einzuladen. Schließlich habe es mit anderen Umbenennungen schon genügend Ärger gegeben.

SPD-Stadtrat Johannes Krause erklärte, sinnvoll wäre es, wenn die Universität selbst einen Vorschlag einbringt, „ehe man ein Tauziehen zwischen den Fraktionen macht.“ Etwas zurückhaltend war noch Bernhard Bönisch (CDU). Sollte es schon Erkenntnisse zur Nazi-Vergangenheit Abderhaldens geben, so sollen diese bitte vorgelegt werden. Wenn es keine gibt sei es nicht angezeigt, diesem Thema wegen Aussagen Einzelner vorzugreifen. Bönisch will lieber das versprochene Gutachten der Leopoldina abwarten.

„Wir haben das Thema schon im Kulturausschuss andiskutiert“, sagte Annegret Bergner (CDU). Sie erinnerte auch daran, dass es damals vehemente Fürsprecher für Abderhalden gab. „Personen, die ihn auch persönlich kannten.“ Sie will, die Bönisch, auch erst das Gutachten als Diskussionsgrundlage abwarten. Dieses soll im April oder Mai vorliegen, hat Tom Wolter (MitBürger) erfahren. Allerdings werde es darin wohl Hauptsächlich um die Verbindung Leopoldina / Drittes Reich gehen und weniger um Abderhalden. Er fand Krauses Vorschlag, die Uni möge Namensideen vorgeben, gut. Der neue Straßenname sollte Bezüge zur Universität oder der Leopoldina haben.

OB Wiegand will nun Uni und Leopoldina anschreiben und um alternative Namensvorschläge bitten.

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