Drohende Einsparungen an der Uniklinik Halle: Widerstand formiert sich

23. April 2013 | Politik | 1 Kommentar

„Der Wegfall eines der medizinischen Hochschulstandorte wäre fatal für die ärztliche Versorgung im Land“, sagt die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz, und erklärt weiter:

„Wer über eine Schließung ernsthaft nachdenkt, ignoriert die Probleme im Land.“Beide Universitätskliniken sind für die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchs wichtig und ein wesentliches Fundament für eine zukunftsorientierte medizinische Versorgung im ganzen Land. In Ergänzung ist die Hochleistungsmedizin eine zentrale Säule für die Behandlung von Patienten mit schweren oder seltenen Erkrankungen. Diese können meist nur von Universitätskliniken behandelt werden, da dort das notwendige Wissen vorhanden und gebündelt ist. Ebenso finden sich die Spezialisten dort, da Forschung und Lehre eng verzahnt sind, was Patienten mit nicht alltäglichen Erkrankungen hilft. Die Argumentation des Landes, dass zwei Fakultäten nicht erforderlich sind, ist kurzsichtig. Über Jahre haben beide Fakultäten Schwerpunkte entwickelt. Ausbildung, Lehre und Forschung wurde auf zwei Standorte mit unterschiedlichen Forschungsinhalten abgestellt. „Genau dies hat vor 20 Jahren mit Weitsicht eine CDU-Vorgängerregierung beschlossen. Kurzsichtig wäre es, dies jetzt rückgängig zu machen. Kurzsichtig umso mehr vor dem Hintergrund, dass 60 Prozent der Mediziner im Land 50 Jahre und älter sind und medizinischer Nachwuchs dringend benötigt wird. Zumal die Schließung eines Standortes Restrukturierungskosten am anderen Standort in ungeahnter Höhe zur Folge hätte“, so die Präsidentin. Etwa 60 Prozent der Mediziner bleiben heute nach erfolgreichem Studium im Land. Daher hofft die Ärzteschaft jetzt auf den neuen Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Hartmut Möllring. „Wir werden sehr konstruktiv und offen mit ihm mögliche Wege einer zukunftsgesicherten und dauerhaften Lösung für die Universitätskliniken erörtern, um selbst bei vorhandenem Spardruck der Landesregierung eine solide Ausbildung der Mediziner nicht zu vernachlässigen. Da setzen wir jetzt auf den neuen Minister und hoffen, dass er die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses, den wir so dringend brauchen, bei allen Spardiktaten nicht aus den Augen verliert.“

Die Entlassung der Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin Wolff und die gleichzeitige Einsetzung Möllrings soll offenbar klar machen, dass Ministerpräsident Haseloff und Finanzminister Bullerjahn (SPD) ihren rigiden Kurs der Haushaltskürzungen unbedingt durchsetzen wollen. „Das läuft auf Kaputtsparen hinaus und das kann sich das Land nicht leisten“, so Thomas Voß, ver.di-Landesbezirksleiter Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Jetzt ist grundsätzlich die Entscheidung zu treffen, in welche Richtung die Landespolitik endgültig gelenkt wird: oberste Priorität für Haushaltskürzungen um jeden Preis – oder politische Gestaltung der Zukunft des Landes. Ersteres wird dann gegen breite Widerstände durchgesetzt werden müssen. Zukunftsgestaltung geht sinnvoll nur mit breiter Beteiligung all der kompetenten Fachleute in den jeweiligen Bereichen, deren Sachverstand und Erfahrungen einbezogen werden müssen.“

Angesichts der aktuellen Diskussion findet am Mittwochnachmittag eine Vollversammlung der Studierenden der Medizinischen Fakultät sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universitätsmedizin statt. Die Vollversammlung soll nicht nur informieren sondern auch mögliche Protestaktionen sollen besprochen werden.

„Diese Pläne sind für die Stadt Halle mit einem massiven Abbau von Studienplätzen und Arbeitsplätzen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen verbunden und für den Wissenschaftsstandort Halle schlicht nicht hinnehmbar.“ so Dietmar Weihrich, Vorsitzender der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Stadtrat der Stadt Halle. „Gerade die Idee das traditionsreiche Universitätsklinikum in Halle zu schließen, zeigt wie wenig durchdacht die aktuelle Rotstiftpolitik des Landes ist. Kurzfristige Spareffekte – wie von der Landesregierung erhofft – sind hier nicht erzielbar. Zudem wird das Klinikum schon deswegen gebraucht, weil hier in bedeutendem Umfang die notwendige Ausbildung von Ärzten erfolgt und nur so eine ausreichende ärztliche Versorgung im Land gesichert werden kann. Ein Uniklinikum in Magdeburg allein kann diese Aufgabe nicht leisten. In Halle übernimmt das Klinikum darüber hinaus Aufgaben der Notaufnahme und bestimmter fachärztlicher Versorgung, die ansonsten nicht angeboten werden“, so Weihrich. „Für die Stadt Halle stellt die Universitätsmedizin mit mehr als 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen äußerst wichtigen Wirtschaftfaktor dar. Eine Schließung gefährdet nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit der Stadt.“ so Weihrich abschließend.“

Mehr zum Thema haben wir auf dieser Seite zusammengestellt:
Proteste gegen mögliche Schließung der Universitätsmedizin

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