Bürgerumfrage: der Seismograph der Hallenser

19. November 2012 | Politik | 1 Kommentar

Auf in eine neue Runde: am kommenden Montag startet die elfte Bürgerumfrage seit 1993 als Kooperationsprojekt von Stadtverwaltung und Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Wegen des beanstandeten Haushalts war die Umfrage verschoben worden, obwohl es sich nach Angaben von Planungsdezernent Uwe Stäglin um ein wichtiges Planungsinstrument handele. Denn allein 10.000 Euro koste das Porto. Sollten alle Teilnehmer antworten, koste es 30.000 Euro. „Aber das ist sinnvoll ausgegebenes Geld“, so Stäglin. Er lobte die gute Rücklaufquote von mehr als 50 Prozent. Dies zeige zum einen die Bekanntheit des Instruments, zum anderen das hohe Vertrauen in den Umgang mit den Daten. Gerade in Bezug auf das neue Stadtentwicklungskonzept seien die Umfrageergebnisse wichtig. Per Zufall wurden 6.000 Hallenser über 18 Jahren ausgewählt. Die Anonymität sei gewährleistet, machte Stäglin deutlich.

Neben Standartfragen zu Wohnen und Arbeit sei ein Schwerpunktthema das Internet, die Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzepts sowie Ehrenamtliches Engagement, Migranten, Pflegebedürftigkeit, Zufriedenheit mit Ämterservice, Haushaltskonsolidierung und Probleme in den Stadtvierteln. Stäglin hofft auf eine Motivation zum Mitmachen. Wer sich beteiligt habe eine gute Chance, dass seine Probleme auch gehört werden. Alle Fragen seien aus einer intensiven Diskussion in der Stadtverwaltung heraus entstanden.

Wie Reinhold Sackmann sagte, wolle man bei der Auswertung ein besonderes Augenmerk auf die Mietpreisentwicklung werfen. Wichtig sei zudem, wie man das Instrument der Bürgerbeteiligung stärken kann. Diffuse Fragen zur Verwaltung habe man diesmal konkretisiert, um nach konkreten Erfahrungen mit Ämtern zu fragen und daraus Rückschlüsse schließen zu können, möglicherweise auch zu einer neuen Ämterstruktur. Man wolle erreichen, dass die Bürger konstruktiv mitarbeiten „und nicht nur sagen, alles ist böse und gemein.“

Jörg Fliegner vom Stadtplanungsamt wies darauf hin, dass es durchaus schon Effekte aus den Umfragen gab. So gab es in der südlichen Innenstadt lange Zeit eine besondere Unzufriedenheit, weshalb man sich insbesondere im Glauchaviertel stadtplanerisch. In der letzten Bürgerumfrage wurde auch zu Kleingärten gefragt, nun sei daraus eine Kleingartenkonzeption entstanden.

„Planung hat einen entscheidenden Punkt: den der Abwägung“, sagte Stäglin. Und die Umfrageergebnisse seien hierbei ein wichtiges Element. Deshalb wolle man auch den Stadträten die Ergebnisse präsentieren. Wenn die Hallenser bestimmte Punkte wie Bundesgartenschau, autoarme Innenstadt oder Kulturlandschaft für unwichtig halten, sei das natürlich ein wichtiger Gradmesser.

Bis Ende Januar können sich die Befragten zurückmelden. Begonnen werden soll mit der Auswertung im März 2013, bereits Ende März sollen die ersten Ergebnisse vorliegen. Mitmachen kann man zum einen in Papierform, zum anderen im Internet. Nach der Pleite bei der letzten Umfrage – hier gab es als Zugangshindernis nur eine fortlaufende vierstellige Nummer – ist diesmal das Passwort ein elfstelliger generierter Code.

Wer als Teilnehmer der Umfrage noch etwas wissen möchte, kann sich am Institut für Soziologie melden. Das geht Dienstags von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr sowie Donnerstags von 14 bis 17 Uhr unter 0345 552 24 64.

Umfrage hier herunterladen

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