Breites Bündnis für Weltoffenheit und Toleranz

18. August 2015 | Politik | 10 Kommentare

Die Stadt Halle (Saale) lädt am Samstag ab 8 Uhr zu einem Frühstück für Weltoffenheit und Toleranz am Neustadt-Centrum ein. Anlass ist eine geplante Aktion der rechtsextremen NPD gegen eine Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) in Halle-Trotha. Ein breites Bündnis unterstützt den Aufruf, unter anderem dass Dorint Hotel, Multimediazentrum, die Zweitliga-Handballer der Wildcats, das TGZ, die GWG und die HWG sowie Ehrenbürger Peter Sodann.
PK Flüchtlinge
Laut Oberbürgermeister Bernd Wiegand sind Bands, Chöre und Tanzgruppen Willkommen, im Rahmen der Aktion ein Programm aufzuführen. Bereits jetzt gebe es eine breite Unterstützung durch die Kultur. So hat sich Christoph Werner, Intendant des Puppentheaters, bereits angekündigt. Die Freiwillige Feuerwehr werde Bänke aufstellen.

Probst Dr. Johann Schneider von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland unterstützt das Willkommensfrühstück ebenfalls. Die Gastfreundschaft Abrahams sei eine Gemeinsamkeit aller aramäischen Religionen. Das gemeinsame Mahl als Zeichen sei daher gut gewählt. „Was Besseres hätte der Stadt nicht einfallen können“, so Schneider. Eine sichtbare Ablehnung in den Kirchgemeinden stelle er nicht fest, aber durchaus Befremden. „Dagegen hilft nur Begegnung.“ Schneider berichtete von Erlebnissen in Tröglitz im Burgenlandkreis. Für viele Einwohner dort seien schon Menschen aus anderen Städten „Fremde“, die man skeptisch beäuge. Halle sei eine starke, offene und lebendige Stadt. Ähnlich sieht es Christoph Starke vom Friedenskreis. Man stehe aber durch die gestiegenen Zahlen an Asylsuchenden vor neuen Herausforderungen. Deshalb müsse man auf die Strukturen der Willkommenskultur schauen und eventuell Anpassungen vornehmen. Puppentheater-Intendant Christoph Werner sagte, es gebe immer Ängste vor den Fremdem. Integration müsse das Ziel sein. Wichtig sei es, dass die Stadt ihren Beitrag zur Lösung eines humanitären Problems leiste.

Argumente von Asylgegnern sind oft heimische Obdachlose oder Kinder aus armen Familien. Diese würden zugunsten von Flüchtlingen benachteiligt. „Die Sozialsysteme sind für alle gleich“, so Oberbürgermeister Bernd Wiegand. „Die Stadt bietet sehr viele Hilfen an, es gibt keine Unterschiede bei der Behandlung von Bedürftigen.“ Vorbehalte seien bei einer Prüfung nicht haltbar. Es sei eine bedeutende Aufgabe, den unbegründeten Ängsten entgegenzuwirken. „Wir sind nicht unvorbereitet.“ Wiegand sieht für die Flüchtlinge vor allem Jobchancen in den Handwerksberufen. Hier würden die Firmen dringend Nachwuchs brauchen.

Am Rande des Pressegesprächs gab es noch einen Disput, weil der ehemalige Lokal-Kader der inzwischen verbotenen rechtsextremen Gruppierung „Blood & Honour“ auftauchte. Die Stadt verwies auf ihr Hausrecht und ließ ihn wieder abziehen.

Print Friendly, PDF & Email
10 Kommentare

Kommentar schreiben