Voll krass scharf

22. Juli 2019 | Natur & Gesundheit | 1 Kommentar

Der Name unserer Pflanze ist voll krass, was auf einen altdeutschen Wortstamm für „Schärfe“ hinweist. Denn die hat sie in sich. Die Pflanze kennt eigentlich jedes Kind, jedoch nicht in der Form, wie wir sie in unserer Abbildung zeigen, oder wie sie in einem alten „Vollständigen Materialien=Lexicon“ beschrieben wird: „Ist ein Kraut, dass einen oder ein Paar Stengel treibet, einen bis anderthalben Schuh hoch, die sind rund, dicht und ästig. Die Blätter sind länglicht, tief eingekerbet, schmecken scharff, doch angenehme. Die Blüten wachsen auf den Spitzen an den Stengeln und Zweigen, sind kleine bestehen bestehen eine jede aus vier Blättern übers Creutz gestellt und sehen weiß und etwas purpurfarbig aus. Wann dieselbigen verfallen sind, so folgen kleine Früchte, die sind bey nahe rund und platt, in zwei Fach abgeteilt, so voller Samen stecken welche fast ganz rund und röthlicht sind und einen brennendheissen Geschmack haben. Die Wurzel ist gantz schlecht und holzig, weiß und mit Fasern besetzet. … Es führet viel Sal essentiale, nicht gar viel Phlegma und Öl…Es heilet, wann man sich damit reibet, : es wird auch zu den Schnupfpulvern gebrauchet, dann es macht niesen.“

Die Blätter scheinen nicht ganz der Beschreibung aus dem Lexikon zu ensprechen. „Tief gekerbt“ wirken sie eigentlich nicht..

Diese recht merkwürdigen Anwendungen unserer Pflanze sind heute eher unüblich. Verbreitet ist dagegen der Kindermord, der an ihr verübt wird. Menschenkinder lernen mit ihr schon im Kindergarten. Die Samen werden mit allerlei kitschigen Tonwaren verkauft, wo sie dann – hach wie lustig- drauf wachsen sollen. Man kann unsere Pflänzchen fertig  in Papierschachteln im Lebensmittelmarkt kaufen: einmal Schnipp mit der Küchenschere, und weg damit. Übrigens, die Schärfe: die kommt wieder von den Senfölgkykosiden, den wir auf unseren Ausflügen schon öfters begenet sind.

Und los gehts mit unseren Fragen:

– Wie heißt unser Pflänzchen?

– Die Pflanze wird nicht nur als Lebensmittel verwendet. Sie kann auch Bodenschadstoffe anzeigen. Wie geht das?

(HW)

Auflösung der letzten Pflanze der Woche: „(Eine Pflanze für den Kehraus)“ 

Gesucht war in der letzten Woche der Besenginster Cytisus scoparius. Man kennt die anspruchslose Pflanze auch als Besenpriem. Der volkstümliche Name verrät die früher verbreitete Nutzung der Zweige. In der Natur kommt die Pflanze auf nährstoffarmen Böden wie z.B. Heideflächen vor. Die Zuchtformen erfreuen durch große und verschiedenfarbige Blüten, an denen man den trickreichen Pollenübertragungsmechanismus gut sehen kann.

(H.J. Ferenz)

 

 

 

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