Wir dringen zur Sterblichkeit vor und tanzen. PHAEDRA-Premiere im Opernhaus

16. März 2015 | Kultur | Keine Kommentare

Erstmals in Halle ist eine Oper von Hans Werner Henze zu erleben, einem der bedeutendsten Komponisten des 20. bzw 21. Jahrhunderts. Mit der Konzertoper „Phaedra“ hat Regisseur  Florian Lutz ein Spätwerk des Meisters auf die Bühne gebracht, das eine Geschichte der griechischen Mythologie veropert.

phaedraDie Frau von Theseus, eben jene Phaedra, liebt gnadenlos dessen Sohn Hippolyt. Der jedoch verweigert sich ihr, macht statt dessen lieber Liegestütze und spielt mit seinem Bogen. Das ärgert Phaedra derart, dass sie stirbt, nicht ohne vorher per Brief den Geliebten übel beim Vater zu denunzieren. Der wiederum hackt seinem Sohn den Kopf ab. Damit will aber die Göttin Artemis sich nicht abfinden und holt den armen Hippolyt ins Leben zurück. Eine Auferstehung.

Die Bühne von Sebastian Hannak ist ein sich ständig drehendes Labyrinth aus weißen Wänden mit Treppen und Nischen, Fenstern und ein bis zwei Badewannen. Das ist schön anzusehen und gibt den Sängern die Möglichkeit sich zu bewegen.
Mythologische Stoffe könnten eine Möglichkeit sein im alten Text die Gegenwart zu entdecken, handeln sie doch immer von Archetypen des Menschlichen. Griechenland wäre heute reich, wenn es damals schon Urheberrechte gegeben hätte. Auch die Demokratie ist ja eine griechische Idee.

Davon handelt die Inszenierung nicht. Man weiß nicht, wovon sie handelt. Das aber heißt nicht, dass sie von gar nichts handelt. Wenn ein Zuschauer den Sinn einer Sache nicht erkennen kann, ist allemal der Zuschauer schuld und nicht die Sache. Adolf Dresen, der viele Opern inszeniert hat, nannte das die „hermeneutische Lücke“. Der normale Zuschauer rettet sich dann, in dem er Verständnis vortäuscht und sagt: „Das war aber sehr interessant!“

Musikalisch ist Henzes Oper sehr anspruchsvoll. Er betrachtete Musik als Versöhnungsstifter und suchte die undogmatische Schönheit, worunter er verstand, was von der Norm abweicht. Das Hallesche Orchester unter Robbert van Steijn ist spielend in der Lage eine solche Herausforderung anzunehmen. Aber daß Phaedra beim Geschlechtsverkehr auch noch singen muß… Oder ein abgeschnittener Kopf… Zu einer großartigen Entfaltung kommen die Solisten dabei leider nicht. Das Korsett dessen, was von der Norm abweicht, ist offenbar eng. Das Libretto des Lyrikers Christian Lehnert, der zur Premiere anwesend war, ist schon in der Übertitelung schwer zu verstehen, und wenn er dann gesungen wird macht das die Sache nicht unbedingt einfacher.

Fans des modernen Musikschaffens kommen in dieser Inszenierung durchaus auf ihre Kosten.

Aufführungsdauer: 75 min., leider ohne Pause
Nächste Vorstellungen
15.03.2015 15:00 | 18.03.2015 19:30

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben