West Side Story: Die erste Premiere der neuen Spielzeit am Opernhaus Halle

29. September 2014 | Kultur | 2 Kommentare

Sie wurde die Mutter des Musicals genannt, mit großem Erfolg am Broadway gespielt, verfilmt und mit zehn Oscars geehrt – die US-amerikanische Variante von Romeo und Julia.

Waren es bei Shakespeare noch einflußreiche verfeindete Familien, deren Sprößlinge ihren sorglosen Krieg gegeneinander führten, treffen wir in der modernen Variante auf zwei verfeindete Straßengangs. Die Jets und die Sharks. Erstere sind junge New Yorker, die die Herrschaft in „ihrer“ Straße behaupten, letztere junge Leute mit Migrationshintergrund, die auch nicht weiter wissen. Es ist die Generation ohne Zukunft, die hier aufeinander los geht. Die ist inzwischen überall auf der Welt zu finden.

Ralf Rossa hat das Musical inszeniert in einem sehr überzeugenden Bühnenbild von Matthias Hönig. Grafitti besprühte Wände, eine eiserne Brücke kurz vorm Verfall, rauchende Tonnen. In dieser trostlosen Allerweltsumgebung tanzt Rossas Ballett-Ensemble den Krieg der Kinder. Und es ist wirklich atemberaubend, wie die jungen Leute mit tänzerischen Mitteln diesen Straßengangs eine Gestalt und ein Gesicht geben. Aber sie tanzen nicht nur, sie sprechen auch und das klingt denn wirklich überaus authentisch. Rossa hat es geschafft, diese bunte Broadwaymischung aus Tanz, Gesang und Schauspiel in eine Form zu bringen, die nie peinlich wirkt, ungeheuer dynamisch daher kommt und die Brutalität der Vorgänge ästhetisch auflöst.
Dabei korrespondieren die vielfältigen musikalischen Element in Bernsteins Musik auf raffinierte Weise mit Rossas Choreografie, oder umgekehrt.

Und dann ist da noch die Handlung, eine romantische Liebesgeschichte zwischen Maria (wunderbar gesungen von Ines Lex) und Tony (Björn Christian Kuhn), sie gehört zu den Sharks, er zu den Jets. Das kann natürlich nicht gut gehen.

Und so nimmt denn die Tragödie ihren Lauf. Die Gangs wollen den Entscheidungskampf, Tony will ihn verhindern, tötet dabei aber aus versehen Marias Bruder. Und er, der doch das Gute wollte, nämlich die Versöhnung der Verfeindeten, muß nun auch noch ins Gras beißen, was Maria natürlich verzweifeln läßt. Alle erweisen dem toten die letzte Ehre, selbst der Himmel weint am Schluß, das soll heißen: es regnet aus der Sprenkler-Anlage des Opernhauses.

Wären da nicht die schönen Bernsteinschen Melodien, ein klasse Orchester (das leider immer im nach ihm benannten Graben sitzen muß), ein großartiges, homogenes Spielensemble (das auch diesen Erfolg überstehen wird) – der Broadway kommt ja leider ohne diesen tollen romantischen Kitsch nicht aus (Laß unsere Herzen zu einem werden usw.) Zugegeben, man kann das schön finden. Aber selbst die Produzenten dieser Geschichte haben gemerkt, daß ein Happy End einfach nicht drin war.

Übrigens haben sich Opernhäuser, auch das unsere, eine gute alte Tradition bewahrt. Man geht nicht nur hin, um zu sehen, sondern um gesehen zu werden. Und nun hätte es ja sein können, daß der Ministerpräsident oder sein Finanzminister mal vorbei schauen, um sich anzusehen, was da nach ihrem weisen Ratschluß gespart werden soll. Und um gesehen zu werden, wie verantwortungsvoll sie sind…

Die nächsten Veranstaltungen:
30.9., 1.10., 2.10. jeweils 19:30 Uhr im Opernhaus
3.10. um 18:00 Uhr im Opernhaus

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