Von Orlando bis Ritter Blaubart: Bühnenbilder im Stadtarchiv Halle

22. Mai 2013 | Kultur | Keine Kommentare

„Der Begriff Archiv ist oft verstaubt“, sagte Stadtarchivar Ralf Jacob am Mittwoch. Doch seine Einrichtung zeigt nun eine ganz besondere Ausstellung. „Bühne archiviert!? – Findbuch-Splitter der Arbeiten des Bühnenbildners Bernd Leistner“ zeigt ab Donnerstag bis zum 4. Juli die wichtigsten Werke des Künstlers. Und das mit einer Besonderheit. „Normalerweise beschäftigen sich Archive in Ausstellungen mit Menschen, die schon tot sind. Hier lebt der Künstler noch.“

„Ich bin sehr froh, dass ich hier im Stadtarchiv eine Möglichkeit hatte, Ordnung in meine künstlerische Leistung zu bringen“, so Leistner. Der ehemalige Ausstattungsleiter der Oper Halle hatte 2009 dem halleschen Stadtarchiv sein reiches künstlerisches Werk für Halles Musiktheater und viele Bühnen des In- und Auslandes übergeben. Eine Auswahl der Werke ist nun zu sehen, angefangen bei seiner ersten Arbeit 1972. Damals gestaltete er das Bühnenbild für „Ariodante“ im Rahmen der Händelfestspiele. Kurz darauf durfte er sogar in den Westen, nach Wiesbaden.

Insgesamt habe er in seiner Laufbahn allein für elf Händel-Opern die Bühnenbilder gestaltet. So manches Werk sieht man in der Ausstellung gleich mehrfach in unterschiedlichen Fassungen. So wolle er zeigen, wie ein gleiches Werk unterschiedlich in Bühnenbildern umgesetzt wurde. Beispielhaft sei die „Verkaufte Braut“ zu nennen, von der es 5 Entwürfe in der Schau gibt. Dreimal ist „La Traviata“ zu sehen. Auch „Evita“ hat Leistner zweimal mit seinem Bühnenbild in Szene gesetzt: an der Staatsoperette Dresden und natürlich der Oper Halle.

Leistner machte deutlich, dass es in seiner Schau nicht um „Schickimicki“ geht. „Das sind Arbeitsblätter“, sagte er, am Rande manchmal beschmiert. Bis zuletzt habe er seine technischen Zeichnungen per Hand gemalt und nicht per Computer. Die ersten Entwürfe entstanden beispielsweise auf Bierdeckeln oder Zigarettenschachteln.

Umgesetzt wurde die Schau auch mit einem für Archive untypischen Gestaltungskonzept. Die Werke werden ungeordnet als „Splitter“ gezeigt, sind nicht starr an der Wand. Auf diese Weise konnten auch mehr Werke untergebracht werden.

Insgesamt umfasst der Bestand von Leistners Werken im Stadtarchiv 149 Stücke, darunter 3D-Modelle, Zeichnungen, Fotos, Skizzen und Szenenabläufe. Leistner wurde 1943 in Schönheide im Erzgebirge geboren. 1966 machte er sein Diplom, arbeitete anschließend am Staatstheater Schwerin und an den Bühnen der Stadt Zwickau, bevor er 1972 nach Halle ans Landestheater kam, von 1984 bis 1991 am Städtischen Theater Leipzig arbeitete und von 1992 bis Mitte 2009 Ausstattungsleiter der Oper Halle war. 1984 wurde Leistner mit dem Händelpreis ausgezeichnet.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben