So viel wert wie ein gutes Auto: Moritzburg in Halle bekommt wertvolle Münzen

9. Juli 2014 | Kultur | Keine Kommentare

Er habe Tränen in den Augen gehabt, meinte Ulf Dräger, Kustos des Landesmünzkabinetts in der Moritzburg in Halle (Saale). Denn seine Sammlung wächst um elf weitere Münzen.
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Fritz Rudolf Künker stellt der Saalestadt die Münzen zur Verfügung. Und das sind nicht irgendwelche belanglosen Stücke, sondern sie sind eng mit der Saalestadt verbunden. Darunter ist die letzte in Halle geprägte mittelalterliche Münze, irgendwann um 1500 entstand der Groschen. Geprägt wurde er wohl im Bereich des heutigen Kleinschmieden. Aus dem Jahr 1583 stammen die ersten Münzen aus der Prägestätte in der Moritzburg, ein Taler und ein Reichstaler. 1638, während des 30-Jährigen Kriegs, wurden wertvolle Golddukaten in der Moritzburg geprägt. Drei davon sind nun zu sehen. Auch ein Dukat mit dem Bildnis von August von Sachsen, dem letzten Erzbischof von Magdeburg, gehört nun zur Moritzburg-Sammlung.

Alles in allem haben die elf Münzen wohl etwa den Wert eines guten Autos, meinte Kustos Ulf Dräger. Für ihn ist es ein besonderes Erlebnis. Denn letztmalig hatte die Moritzburg 2002 einen Etat für den Ankauf von Münzen. Diese sind „mobile Geschichtsdenkmale“ meinte er. Spender Fritz Rudolf: „Münzen seien ein Einstieg in die Geschichte. Sie wird lebendig durch Dinge die man sieht.“

Im Herbst vergangenen Jahres wurde die sensationelle Sammlung Friedrich Popken versteigert. Mit ihr kam erstmals seit vielen Jahrzehnten ein überaus bedeutendes Konvolut seltener mitteldeutscher und vor allem auch hallescher Münzen auf den Kunstmarkt. Herr Künker ermöglichte dem Kunstmuseum Moritzburg, auf ausgewählte einzigartige Objekte erfolgreich zu bieten. Die daraus erfolgte Schenkung umfasst elf sehr seltene Münzen, die eine herausragende Ergänzung der Sammlung bedeuten.
So besitzt das Landesmünzkabinett nun erstmals zwei Münzen aus der ersten Prägeserie der Münzstätte in der Moritzburg überhaupt, einen Taler und einen Reichstaler aus dem Jahr 1583. Eine besondere Kostbarkeit stellt der große Groschen von Erzbischof Ernst von Wettin, dem Erbauer der Moritzburg, aus der Zeit um 1500 dar.

Im Jahr 1637 wurde die Moritzburg durch einen Brand weitgehend zerstört. Wie durch ein Wunder blieb davon die Münzstätte in den Gewölben unter dem heutigen Talamt verschont. Sie produzierte 1638, 1640 und 1641 repräsentative Dukaten und Reichstaler für das Magdeburger Domkapitel und auf die feierliche Inthronisation des letzten Magdeburger Erzbischofs, August von Sachsen. Darunter befindet sich ein äußerst seltener Dukat aus dem Jahr 1640, der ein Porträt des jungen Erzbischofs auf der Vorder- und sein Wappen auf der Rückseite zeigt. Das Wappen ist von einer Mitra gekrönt, einem seltenen Motiv für einen evangelischen Bischof. Augusts 400. Geburtstag am 13. August ist Anlass für die große Ausstellung “Im Land der Palme” im Kunstmuseum Moritzburg ab 14.8.2014. Dort werden die Münzen als wichtige Zeugnisse der halleschen Geschichte erstmals zu sehen sein.

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