Uraufführung: Der Betonkopf

13. Oktober 2019 | Kultur, Rezensionen | 1 Kommentar

Das Stück ist von Kurt Wünsch. Es handelt von einer Testamentseröffnung mit überraschenden Einsichten. Der Verstorbene ist Fritz Sänger, hoch dekorierter Maler in der DDR, systemnah, wie das heute so gern genannt wird, Leiter einer Kunsthochschule. Wer dabei an Willi Sitte denkt liegt nicht ganz falsch. Der Mann ist hochbegabt aber stur. Er glaubt auch nach der Wende an den Kommunismus. Und wie er dachte, erfahren sein Sohn und seine Enkelin aus einem Tagebuch, aus dem Rechtsanwalt Krone ihnen vorliest. Das geht dann jeweils über in kleine Spielszenen, die von Heidrun von Strauch, Uwe Steinbrecher und Heinz Ebersbach mit Lust und Spielfreude dar gebracht werden. Umzüge und Verwandlungen sind dabei eine beachtliche logistische Leistung. Steinbrecher spielt sieben Rollen, die Figuren werden durch wechselnde Perücken und Accessoires kenntlich gemacht. Auch wenn das Spiel gelegentlich in die Persiflage abrutscht ist es eine tolle Leistung. Ebersbach spielt den Anwalt und den Maler, er gehört ja zum Urgestein der Schillerbühne und bewältigt den textlichen Kraftakt mit verschmitzter Souveränität. Und die Chefin, Heidrun von Strauch, führte Regie und spielt die Enkelin des Malers, also eigentlich eine junge Frau. Mit Hilfe einer blonden Perücke macht sie das ganz locker und unbefangen, so dass man ihr die junge Frau mühelos abkauft.

Betrachtet man den allgemeinen Konsens, der die DDR auf Stasi und Stacheldraht zusammen dampft, sind Stück und Inszenierung ein beachtlicher Versuch differenzierterer Betrachtung. Natürlich nicht als Geschichtsunterricht, sondern mit durchaus heiteren künstlerischen Mitteln. Also wenn das Problem verhandelt wird, dass in der DDR ja Pfarrerskinder kein Abitur machen und nicht studieren durften, kontert der Maler: Ja, das stimmt. Die besten Beispiele dafür sind Angela Merkel und Hans Joachim Gauck. Das kleine Kollektiv um Heidrun von Strauch will nichts relativieren, es stellt zur Debatte, was bisher vielleicht allzu sehr in die Vergessenheit gedrückt wurde.

Mitunter gelingt das auf berührende Weise, wenn nur die Figur zu sehen ist und der Text über Lautsprecher eingesprochen wird. Das hat eine schöne Intensität.
Kurt Wünsch ist ein guter Geschichtenerzähler – und findet dann schwer ein Ende. Und weil die Schauspieler all diese Geschichten erzählen, dauert der Abend recht lange. Aber er ist kurzweilig und amüsant.

Termine:
PREMIERE – 12. Oktober 2019 (Samstag), 19:30 Uhr
13. Oktober 2019 (Sonntag), 18:00 Uhr
18. / 19. Oktober 2019 (Freitag / Samstag), 19:30 Uhr
20. Oktober 2019 (Sonntag), 18:00 Uhr
25. / 26. Oktober 2019 (Freitag / Samstag), 19:30 Uhr
31. Oktober 2019 (Donnerstag, Reformationstag), 19:30 Uhr
1. / 2. November 2019 (Freitag / Samstag), 19:30 Uhr

Veranstaltungsort:
schillerBühne halle e. V.
Club 188 (ehemaliges Kino 188)
Böllberger Weg 188
06110 Halle (Saale)

Kartenverkauf:
• Online (www.t1p.de/schillerbuehne)
• Theater- und Konzertkasse (Telefon: 0345 5110777)
• schillerBühne halle e. V. (Telefon: 0345 3880474, E-Mail: info@schillerbuehne-halle.de)
• sowie an der Abendkasse

Ticketpreise:
15,00 Euro Vorverkauf
17,00 Euro Abendkasse

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