„Synagoge & Tempel“: Ausstellungseröffnung zum Auftakt der Jüdischen Kulturtage

19. Oktober 2014 | Kultur | 21 Kommentare

Die Geschichte der Juden in Halle (Saale) ist fast so alt wie die Stadt. 970 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung. Nach Erfurt hatte Halle im Spätmittelalter die zweigrößte jüdische Gemeinde in Mitteldeutschland. Im 19. und 20. Jahrhundert führten sie einige angesehene Kaufhäuser in der Stadt oder waren bekannte Professoren. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kam es zum Boykott jüdischer Geschäfte. Doch was war in Halle bei Weitem kein Einzelfall. Denn immer wieder kam es in der Saalestadt zu Pogromen an den Juden, so 1206, 1261, 1312, 1349, 1458, 1493 und nicht zuletzt 1938.

Mit der reichhaltigen Geschichte des Judentums in der Stadt beschäftigen sich die zweiten Jüdischen Kulturtage. Bis 2. November gibt es in der Saalestadt ein vielfältiges Programm mit Ausstellungen, Theaterstücken, Vorträgen und Konzerten. Als Höhepunkt wird zum Abschluss der Emil-L.-Fackenheim-Preis für Toleranz und Verständigung 2014 verliehen. Organisiert wurde die Veranstaltungsreihe vom Freundeskreis Leopold Zunz Zentrum, e.V., er Jüdische Gemeinde zu Halle an der Saale und dem Seminar für Judaistik/Jüdische Studien.

Auftakt war am Sonntagmittag mit der Eröffnung der neuen Ausstellung „Synagoge & Tempel“ im Stadtmuseum in der Großen Märkerstraße. Umrahmt wurde die Eröffnung von jiddischen Kinderliedern. Diese sind als CD „Far dem nayem dor“ (Für die neue Generation“ ab sofort erhältlich. Die Schau im Stadtmuseum, zusammengestellt von der Bet Tfila-Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa, befasst sich mit 200 Jahren jüdischer Reformbewegung und ihrer Architektur. Ulrich Knufinke von der Forschungsstelle wies daraufhin, dass die Reformbewegung durch den Nationalsozialismus abrupt beendet wurde. Im Kaiserreich hatte sie ihren Höhepunkt erreicht. Nach 1945 bildeten sich vor allem Einheitsgemeinden mit orthodoxen und liberalen Strömungen. In Halle dagegen gibt es derzeit die liberale Synagogengemeinde und die orthodoxe Jüdische Gemeinde. Verschiedene Modelle von Synagogen sind in der Ausstellung zu sehen. So der moderne Bau in Plauen, der so gar nicht an eine Synagoge im traditionellen Stil erinnert, sondern deutlich den damaligen Baustil repräsentiert. 1930 wurde sie errichtet und 8 Jahre später von den Nazis niedergebrannt. Auch ein Modell der Synagoge aus Eisenach ist zu sehen. Sie erinnert in ihrer Form an die Trauerhalle auf dem jüdischen Friedhof in Halle, die heute als Synagoge genutzt wird. Auch die 1870 im maurischen Stil neugebaute Synagoge der Jüdischen Gemeinde zu Halle am Großen Berlin repräsentiert den Typus einer Reformsynagoge. Ein Modell ist in der Schau leider nicht zu finden. Lediglich auf einem Foto können Besucher einen Eindruck gewinnen. Heute stehen an der Stelle der 1938 niedergebrannten Synagoge Plattenbauten. Der letzte jüdische Bau in Halle findet sich in der Dessauer Straße unweit des Getraudenfriedhofs, wo sich ebenfalls ein jüdischer Friedhof befindet. Einer der Vorreiter der jüdischen Aufklärung Haskala (השכלה) war der Philosoph Moses Mendelssohn. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es die Generation Israel Jacobsons (1768-1828), des Gründers der jüdischen Freischule und des Tempels in Seesen, die mit einer Reform des jüdischen Gottesdienstes neue liturgisch-funktionelle Voraussetzungen für den Synagogenbau schuf.

Das komplette Programm der jüdischen gibt es hier.

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  • Dieses Thema hat 21 Antworten und 12 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 5 Jahre, 9 Monaten von Anonym.
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  • #120362

    Die Geschichte der Juden in Halle (Saale) ist fast so alt wie die Stadt. 970 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung. Nach Erfurt hatte Halle im Spät
    [Der komplette Artikel: „Synagoge & Tempel“: Ausstellungseröffnung zum Auftakt der Jüdischen Kulturtage]

    #120363

    Wäre vielleicht Anlass, über den Wiederaufbau der halleschen Synagoge nachzudenken. Die reichhaltige Geschichte des Judentums in Halle sollte mit der Auferstehung der Synagoge an historischem Platz gewüdigt werden.

    #120364

    Wäre vielleicht Anlass, über den Wiederaufbau der halleschen Synagoge nachzudenken. Die reichhaltige Geschichte des Judentums in Halle sollte mit der Auferstehung der Synagoge an historischem Platz gewüdigt werden.

    … sagt der Plattenbaufreund und Halle-Neustadt-Historiker.

    Dir ist schon klar, dass dafür einige deiner geliebten Plattenbauten (und Wohnungen) in der Brauhausstraße fallen müssten, ja?

    #120365

    > Dir ist schon klar, dass dafür einige deiner geliebten Plattenbauten (und Wohnungen) in der Brauhausstraße fallen müssten, ja?

    An der Stelle sind die Plattenbauten deplatziert und tragen nicht wirklich zu einem schönen Gesamtbild dieses Bereiches bei. Das hätte aber auch damals schon den Genossen klar sein sollen. Dass die DDR damals kein Geld (und auch kein Interesse) für einen Wiederaufbau der Synagoge hatte, steht auf einem anderen Blatt. Heute kann aber die Stadt beweisen, wie ernst sie es mit einer Wiedergutmachung des der Jüdischen Bevölkerung der Stadt angetanem Leid meint.
    Wie ein möglicher Wiederaufbau der Synagoge zu fananzieren wäre, weiß ich allerdings auch bnicht. Crowdfunding? Andere Möglichkeiten? Ich weiß es nicht…

    #120372

    Sie werden gerade mit Dämmplatten beklebt und sind offenbar leergezogen, ein guter Zeitraum für den Abriss.

    #120376

    Warum sollen jetzt Häuser abgerissen und die Synagoge wieder aufgebaut werden, wenn Halle doch eine Synagoge hat?

    #120380

    Weil den Deutschen wegen Ereignissen, welche vor 70 Jahren stattgefunden haben, permanent Schuldgefühle eingeredet werden. Bin mal gespannt wann die Russen anfangen überall Zwiebeltürme zu bauen… 😀

    #120389

    Die Ereignisse haben nicht „stattgefunden“, sondern wurden von Leuten deiner Geisteshaltung ausgelöst und betrieben. Und solange solche Figuren hier im Lande noch aktiv sind, gibt es keine Normalität.

    #120403

    Mit Figuren deiner Geisteshaltung ist bis auf wenigen Selbstdarstellern auch niemanden geholfen. Ausserdem kennst du weder mich, noch meine Geisteshaltung, du unterstellst mir lediglich deine Hirngespinste.

    #120466

    Die Ereignisse haben nicht “stattgefunden”, sondern wurden von Leuten deiner Geisteshaltung ausgelöst und betrieben. Und solange solche Figuren hier im Lande noch aktiv sind, gibt es keine Normalität.

    Wow, das sind schon starke Worte von dir.
    Nun diese Ereignisse haben schon stattgefunden, schließlich sind sie passiert. Die Generation die für diese Ereignisse die Verantwortung trägt ist fast schon ausgestorben. Ich sehe es wie Lackmus. Wir müssen keine Schuldgefühle mit uns herumtragen, es reicht wenn wir darauf achten, das so etwas nicht noch einmal vorkommt.

    #120471

    Wir müssen keine Schuldgefühle mit uns herumtragen, es reicht wenn wir darauf achten, das so etwas nicht noch einmal vorkommt.

    Völlig richtig!

    #120480

    Wenn ich auch Deutschland in einer historischen Schuld sehe, sollte doch bitte die (zum Glück wieder) wachsende jüdische Gemeinde beim Wiederaufbau jüdischen Lebens unterstützt werden. Und dazu gehört auch ein für die Stadt repräsentativer Ort, wo der Glauben (auch öffentlich) gelebt werden kann.
    Auch wenn ich gläubiger Atheist bin (mit ein paar Sympathien für die Wicca) – hier kann Halle zeigen, wie weltoffen unsere Heimatstadt ist.

    #120482

    Wenn ich auch Deutschland in einer historischen Schuld sehe, sollte doch bitte die (zum Glück wieder) wachsende jüdische Gemeinde beim Wiederaufbau jüdischen Lebens unterstützt werden. Und dazu gehört auch ein für die Stadt repräsentativer Ort, wo der Glauben (auch öffentlich) gelebt werden kann.
    Auch wenn ich gläubiger Atheist bin (mit ein paar Sympathien für die Wicca) – hier kann Halle zeigen, wie weltoffen unsere Heimatstadt ist.

    Schon wieder einer, der nicht weiß, dass Halle eine Synagoge hat. Einfach mal zur Kirchennacht hingehen. Und die jüdische Gemeinde bekommt Förderung. Vor ein paar Jahren gab es mal heftige Auseinandersetzungen darüber.
    http://bilder.t-online.de/b/63/25/53/24/id_63255324/tid_da/meir-roberg-in-der-synagoge-in-halle.jpg

    #120486

    Nun diese Ereignisse haben schon stattgefunden, schließlich sind sie passiert. Die Generation die für diese Ereignisse die Verantwortung trägt ist fast schon ausgestorben. Ich sehe es wie Lackmus. Wir müssen keine Schuldgefühle mit uns herumtragen, es reicht wenn wir darauf achten, das so etwas nicht noch einmal vorkommt.

    zwischen „persönlicher schuld“ und „schuldgefühl im sinne von verantwortung innerhalb der eigenen nation“ muss man unterscheiden. menschen sind vergesslich, vor allem bei dingen, die sie nicht persönlich erlebt haben. insofern hilft ein „schuldfühlen im sinne von verantwortung innerhalb der eigenen nation“ dabei, so etwas nicht wieder geschehen zu lassen und es besteht deshalb die notwendigkeit, dieses an nachfolgende generationen immer weiterzureichen.
    das land der dichter, denker und erfinder beherbergte leider auch mitläufer, kriegstreiber und schlächter. man kann sich nicht mit dem einen schmücken und das andere unter den teppich kehren.

    #120495

    Die angesprochenen Schuldgefühle werden vor allem vom israelischen Staat hochgehalten, damit wir keine Kritik an ihrer Politik gegenüber den Palästinensern üben.

    das land der dichter, denker und erfinder beherbergte leider auch mitläufer, kriegstreiber und schlächter.

    Die beherbergt jedes Land, da muss man einfach man nach IS googeln.

    #120497

    ftbneu, kennst du diesen jüdischen Witz? „Zwei Juden stranden auf einer einsamen Insel. Sie kämpfen gemeinsam gegen die Widrigkeiten und richten sich einigermaßen ein. Als das Überleben gesichert ist, bauen sie drei Synagogen: Jeder eine für sich und eine dritte, die sie beide niemals betreten werden.“

    In Halle gibt es zwei Gemeinden, welcher davon soll die Synagoge finanziert werden? Vor der Shoah nutzte die (viel größere) liberale Gemeinde die Synagoge und das Haus in der Märkerstraße. Die Orthodoxen spielten kaum eine Rolle. Heute ist das Verhältnis umgekehrt und die Orthodoxen sitzen im Gemeindehaus Märkerstraße.
    Beide Gemeinden sind zutiefst zerstritten, sie würden sich wohl nie auf einen gemeinsamen Neubau einigen.

    Aber das ist nichts Besonderes in Halle. Ein Blick nach Potsdam reicht. Seit Jahren gibt es Bauland und Brandenburg stellt die Finanzmittel bereit. Aber die beiden Potsdamer Gemeinden können (wollen) sich nicht über die Architektur, den Innenausbau usw. einigen.

    #120528

    > Schon wieder einer, der nicht weiß, dass Halle eine Synagoge hat.

    Welche ich im übrigen schon mehrfach besucht habe.

    #120529

    > Schon wieder einer, der nicht weiß, dass Halle eine Synagoge hat.

    Welche ich im übrigen schon mehrfach besucht habe.

    Dann verstehe ich deine Worte nicht:

    Und dazu gehört auch ein für die Stadt repräsentativer Ort, wo der Glauben (auch öffentlich) gelebt werden kann.

    #120589

    Du musst doch sicher zugeben, dass eine Synagoge in Innenstadtnähe (und an historischem Ort) repräsentativer ist, als am Dessauer Platz.

    #120592

    Sollte sich die jüdische Gemeinde einig sein (ich schätze meine jüdischen Freunde in der Welt sehr!), so werden die eine Synagoge bauen. Dauert allerdings etwas länger, bis alle einer Meinung sind. Ich glaube nicht, dass die Stadt hier bis auf das Grundstück viel Beitrag leisten kann.

    #120602

    Du musst doch sicher zugeben, dass eine Synagoge in Innenstadtnähe (und an historischem Ort) repräsentativer ist, als am Dessauer Platz.

    Um Geld in die Stadt zu holen sicherlich.

    #121237

    Anonym

    Die Diskussion über eine neue Synagoge in Halle ist überflüssig: es gibt in der Humboldtstraße bereits eine Synagoge mit mehr als 100 Plätzen.

    Dagegen in der Landeshauptstadt Magdeburg gibt es keine Synagoge sondern lediglich ein relativ kleines Gebetsraum im Gemeindehaus. Errichtung einer Synagoge ist eine kostenintensive Angelegenheit die nicht gleichzeitig in mehreren Orten des Landes möglich ist. Und die Landeshauptstadt als auch die Stadt Dessau-Roßlau – auch einer richtigen Synagoge – haben eindeutig Priorität.

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