Stadtsingechor: Halle hat zum 900-Jährigen Bestehen kein Geld eingeplant

12. November 2014 | Kultur | 3 Kommentare

Den Thomanerchor aus Leipzig kennt man weltweit, ebenso den Dresdner Kreuzchor. Doch ein Chor aus Halle stellt beide in den Schatten. Der Stadtsingechor ist der älteste Knabenchor Mitteldeutschlands.
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Im Jahr 2016 wird der 900. Jahrestag der Chorgründung gefeiert. Die 75 aktiven Sänger und 50 Aspiranten werden mit einem tollen Jubiläumsprogramm aufwarten. Doch möglicherweise muss der traditionsreiche Chor auf finanzielle Unterstützung der Stadt verzichten. „Wir haben derzeit im Haushalt keine Gelder eingeplant“, musste Kulturdezernentin Judith Marquardt im Kulturausschuss gestehen. „Das ist ein Armutszeugnis“, meint FDP-Stadtrat Hans-Dieter Wöllenweber.

Der Stadtsingechor befindet sich in Trägerschaft der Stadt Halle. Er wurde 1116 mit der Gründung des Klosters Neuwerk erstmals urkundlich erwähnt. Bekannte Sänger waren zum Beispiel Ivan Rebroff und Ralf Schmidt alias IC Falkenberg.

Im Mittelpunkt der Chorarbeit steht die Pflege der geistlichen Chormusik. Dabei widmen sich die Sänger vor allem der mitteldeutschen Musiktradition (unter anderem Händel, Schütz, J.S. Bach). Neben der Gestaltung von Motetten in der Marktkirche Halle und im Dom zu Merseburg ist der Chor regelmäßig bei den Händel-Festspielen in Halle zu Gast.

In den vergangenen Jahren gab es mehrfache Wechsel bei den Chorleitern. Der Vertrag mit Gothart Stier wurde 2006 nicht verlängert, weil er eine höhere finanzielle Zuwendung forderte und mit der Stadt nicht überein kam. Mit dem Interimsleiter Martin Wolter waren die Elternvertreter nicht einverstanden, hatte mit Protestaktionen darauf aufmerksam gemacht und ein Aus des Chores befürchtet. Wolter zog sich zurück, wegen bestehender Verträge wollte die Stadt die Kündigung aber nicht akzeptieren. Letztendlich übernahm Nikolaus Müller den Interimsposten als Chorleiter, bis im August 2007 Frank-Steffen Elster seinen Dienst antrat. Seit November ist Clemens Flämig neuer Leiter. Er sang einst im Dresdner Kreuzchor, war im Rundfunkchor Berlin tätig und arbeitete seit 2011 als Vizedirigent der Knabenkantorei Basel.

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