Staatskapelle startet mit Strauss und Ariane Matiakh romantisch in die neue Konzertsaison

25. September 2018 | Kultur, Rezensionen | 1 Kommentar

1.Sinfoniekonzert Halle

Gleich zu Beginn der Spielzeit bekam die Staatskapelle Halle ein großes Problem. Für den erkrankten Dirigenten des Auftaktsinfoniekonzertes wurde dringend Ersatz gesucht. Und der fand sich vor wenigen Tagen in der Person der gerade zur Generalmusikdirektorin der Staatskapelle gekürten Französin Ariane Matiakh, die aber erst ab der Spielzeit 2019/2020 zu Einsatz kommen sollte. Sehr kurzfristig übernahm sie mutig und unkompliziert zur Freude der Halleschen Konzertbesucher diese Aufgabe. Auf dem Programm des 1.Sinfoniekonzertes der Staatskapelle Halle zum Beginn der Spielzeit 2018/2019 standen Werke von Richard Strauss aus verschiedenen Schaffensperioden.

GMD Ariane Matiakh

Richard Strauss jung

Er gilt als der letzte große Romantiker und Programmusiker. In seinen Werken erreicht die romantische Epoche der Musikgeschichte ihren letzten Höhepunkt und ihr Ende. Das Schöne und Gute dominiert in seinen Werken. Richard Strauss war sicher nicht das letzte musikalische Großereignis in Europa. Die neuen Stilrichtungen, die in seiner Zeit mit Mahler, Reger oder Schönberg aufkamen, ließ er aber unbeachtet, wurde so schließlich zum modernen Klassiker. Richard Strauss konnte auf ein umfangreiches, heute immer noch beliebtes kompositorisches Werk zurückschauen, war einer der erfolgreichsten, vielgereisten Dirigenten seiner Zeit
Der Konzertabend bot eine Auswahl an frühen und späten Werken von Richard Strauss. Er begann mit der Tondichtung „Don Juan“ (1889). Das Werk ist kraft-, temperament- und schwungvoll angelegt. Strauss soll vor Aufführung von Don Juan empfohlen haben: „Meine Herren, diejenigen unter Ihnen, die verheiratet sind, sollten bitte so spielen, als seien sie verlobt.“ Die Orchestermusiker brauchten eine derartige Spielanweisung nicht. Angesteckt vom Temperament der jungen Dirigentin ließen sie ihrer Spielfreude gefühlvoll freien Lauf.

Aus dem Konversationsstück für Musik „Cappricio“, in dem darüber diskutiert wird, ob in der Oper die Musik oder die Dichtung Vorrang hat, trug Ana Maria Labin den Schlussgesang der Gräfin vor. Sinfonisch eingeleitet gelang der Sopranistin stimmungsvoll, die Diskussion in ihrer lyrischen Soloszene vorzutragen und ausklingen zu lassen. Mit souveräner, nuancen- und facettenreicher Sopranstimme behauptete sie sich neben der unterstützenden orchestralen Begleitung. Labins Gesang betörte. Das Publikum reagierte mit Begeisterung und dankte mit ausgiebigem Beifall, für den sich die Sopranistin mit einer wunderbaren Zugabe revanchierte.
Anschließend, nach der Pause, brachte das Orchester den „Tanz der sieben Schleier“ aus der Oper Salome zu Gehör. In der Oper bildet der Tanz der Salome den Höhepunkt, eine Manifestation von Stärke und ein letztes Aufzucken, die berührt. Auch die orchestrale Präsentation zog den Zuhörer in den Bann, verführte, an nichts anderes zu denken. Oder doch – beeindruckt, gar hypnotisiert von der grazilen und doch bestimmten Dirigiergestik der Dirigentin. Mit viel Sinn für Farbe und große Form führte die französische Dirigentin die Staatskapelle durch die Partitur.
Das Orchester spielte dann die Tanzsuite aus „Der Rosenkavalier“, einer musikalischen Komödie nach Art mozartscher Rokokostücke. Den populären Walzersequenzen konnte man sich kaum entziehen. Da blühte die Spielfreude des Orchesters ungehemmt auf, steckte an. Besser, gut gelaunter hätte der Konzertabend nicht ausklingen können.
Ariane Matiakh gelang es, mit dieser Vertretung ihre absolute Professionalität zu beweisen. Schon die kurze Zeit der Zusammenarbeit mit der Staatskapelle reichte, um die Herzen der MusikerInnen und des Konzertpublikums zu gewinnen. Matiakhs jugendlicher Elan, ihre Begeisterungsfähigkeit, ihre Energie, ihre Vielseitigkeit versprechen neue Horizonte jenseits barocker Konzerttraditionen in Halle. (H.J. Ferenz)

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