Ruhm ist auch nur ein Geschäft: FAME – Premiere im Opernhaus

21. Februar 2015 | Kultur | Keine Kommentare

FAME erzählt vom erbitterten Kampf junger Leute auf ihrem ganz persönlichen Weg zum Ruhm. Sie wollen Schauspieler, Tänzer, Musiker werden – und eben Stars. Um ihr Ziel zu erreichen besuchen sie eine Schule und lassen sich abrichten.
Fame
Diesen Schul- und Lebens-Weg erzählt Matthias Brenner in seiner Inszenierung am Opernhaus Halle am Freitag Abend vor ausverkauftem Haus und mit viel Beifall und Zugaben am Schluß. Das ist unterhaltsam, musikalisch sehr gut gemacht von Alexander Suckel und seiner Band, die den Sound der Achtziger ins Heute holt; choreografisch anspruchsvoll gelöst von Alexandre Tourinho und seinen jungen Tänzern, die spürbar Freude haben, auf einer großen Bühne zu stehen. Die Gesangspartien werden durch die Truppe hinreißend interpretiert. Das alles findet in einem sehr überzeugenden Bühnenbild von Katja Lebelt statt und wird wirklich grandios von Videoeinspielungen unterstützt, die von Conny Klar produziert wurden.

Der personalintensive Abend wird als Koproduktion von Thalia Theater, neuem theater, Oper Halle und Tanzhaus „ad libitum“ ausgewiesen.

Nur ist das eben ein amerikanisches Musical aus den Achtzigern, das mit dem Alter nicht besser wurde und schon ein wenig Moos angesetzt hat. Die privaten Beziehungen an dieser Schule der Künste werden merkwürdig distanziert erzählt und berühren den Zuschauer nicht wirklich. Im Vordergrund steht die Show. Die schauspielerischen Qualitäten reichen von schlichter, sehr angenehmer Natürlichkeit (Dirk Zöllner und Petra Straussová) über eine Art Hochdrucktheater (Lena Zipp, Frank Schilcher), präzise und deshalb komische oder berührende Rollengestaltung (Danne Suckel, Hilmar Eichhorn, Jörg Kunze), bis hin zu alberner Affektiertheit (Peter W. Bachmann). Vielfalt hat ihre Reize.

„Bring mir die Zukunft…“ heißt es in einem euphorischen Song, der Optimismus vermitteln soll. Welche Zukunft, fragt man sich? Längst ist die Fassade brüchig und der Lack zerkratzt. Das Show-Geschäft ist ungemein brutaler geworden. Hinter dem ganzen Getue steckt das große Elend nicht erfüllter Hoffnungen. Längst haben Dschungelcamp oder DSDS solide künstlerische Entwicklungen abgelöst. Stanislawski – wer war das nochmal? (Den halten die Amerikaner übrigens inzwischen für einen Amerikaner.)

Erwähnt sei noch einmal Petra Straussová. Sie wurde als Hospitantin für die Produktion verpflichtet. Kurz vor der Premiere erkrankte Franziska Hayner. Und um die Premiere nicht ausfallen zu lassen, wurde Frau Straussová gefragt, ob sie diese große Rolle der Englischlehrerin übernehmen würde. Sie hat sich auf das Abenteuer eingelassen und es souverän gemeistert. Dazu gehört Mut.

Das Ende ist eigentlich tragisch. Eine Schülerin zieht es nach Los Angeles. Sie bricht die Ausbildung ab um ihr Glück zu finden. Stattdessen findet sie Drogen und Alkohol. Und verkommt. Von einem Zug erfaßt stirbt sie und die Truppe singt ihr Lied. Zum Weinen eigentlich. Aber das will sich in Brenners Inszenierung denn doch nicht einstellen.

Dennoch eine gute musikalische Show. Vielleicht mit gut drei Stunden ein wenig zu lang.

Nächste Vorstellungen 22.02.2015 15:00 | 23.02.2015 10:00 | 25.02.2015 19:30

Dauer 3 Stunden, 1 Pause

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