Protest gegen Kulturabbau: „Wir bleiben länger wach“

9. Dezember 2013 | Kultur | 2 Kommentare

„Es weht eine Kälte der Ignoranz aus Magdeburg durch das Land“, sagte Matthias Brenner, Intendant des neuen theaters in Halle (Saale) angesichts der Sparpläne der Landesregierung, die am Mittwoch im Landtag beschlossen werden sollen.

Aus diesem Grund starten die halleschen Bühnen am Dienstag um 5 vor 12 eine 48-stündige Protestaktion. Unter dem Motto „Wir bleiben länger wach“ soll es nach der Beigeordnetenkonferenz der halleschen Stadtspitze eine Menschenkette um die Kulturinsel geben. „Lasst es uns mehrfach umschlingen um zu zeigen, wir wollen es für uns behalten“, so Brenner. Kostenlose Konzerte gibt es mit Ragna Schirmer und IC Falkenberg. Schluss ist am Donnerstag um 5 vor 12 mit einer außerparlamentarischen Bürgerversammlung. Dort wolle man die „freie Kultur-, Kunst- und Bildungsrepublik“ ausrufen mit Halle als Hauptstadt. Mit den ebenfalls von Kürzungen bedrohten Theatern Dessau und Eisleben sei dies abgesprochen. „Lasst uns bewusst eine Stadt sein, die sich Kunst und Kultur nicht nur leisten will, sondern zum Bleiberecht macht.“ Das Programm der Protestaktion finden Sie hier.

Wie Brenner sagte, habe es bislang keinerlei vernünftiges Gesprächsangebot durch die Landesregierung gegeben. Im Sommer habe es wegen der abgesagten Händelfestspiele zwar auch einige Probleme mit der Stadt gegeben. Doch durch einen vernünftien Umgang habe es sich wieder eingerenkt. Die Ignoranz der Landesregierung finde er dagegen „Besorgniserregend“, so Brenner. „Ich schäme mich fremd für die Landesregierung, wie auch für DDR.“ Er fühle sich zurückgebombt. Der „Kälteschauer aus Magdeburg“ sei ein Vorhof zu Hass und Ignoranz. „Wir werden versuchen heiter zu bleiben, wie das nur irgend geht.“

Die jetzige Protestaktion sei Freitag spontan ins Leben gerufen worden, obwohl die Mitarbeiter durch die Weihnachtsvorstellungen bereits unter Volllast fahren. Schon vor einer Weile habe er sich mit dem Gedanken herumgetragen, weil er von vielen Besuchern angesprochen worden sei. Die Verunsicherung unter dem Publikum und der Belegschaft groß. Angesichts der Kürzungsankündigungen sei der Vorverkauf drastisch eingebrochen.

Brenner kritisierte, dass im Landtag die Entscheidung wegen der angekündigten Protestaktionen um einen Tag vorverlegt wurde. „Das ist eine normale Reaktion von Politikern, die Angst haben“, so Brenner. „Das ist eine bewusste Unterstellung, weil wir auch mit Unterstellungen leben mussten.“ Die geplante Sparsumme von 7 Millionen Euro sei soviel wie ein Viertelkilometer Autobahn. „Und deshalb sollen hier 120 Leute rausfliegen.“ Der nt-Intendant schätzt, dass am Mittwoch gegen 16 Uhr der Haushaltsbeschluss durchgeht. „Es wird sicherlich bei diesem Beschluss bleiben. Was sollen die armen Würste im Landtag auch gegen die Parteidoktrin ausrichten“, so Brenner, der die Hallenser auffordert: „Zeigen Sie den Politikern, wem das Theater gehört.“

Brenner wies auf ein „merkwürdiges Bedauern aus der Branche“ hin, „irgendwie werde ich fast kondoliert.“ Grund sei, dass die Kultur in Sachsen-Anhalt bundesweit nur noch über Kürzungen wahrgenommen werde. „Dass das Geld uns überlagert ist eine Beleidigung an der Profession an sich.“

Die Protestaktion werde von Seiten der halleschen Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Bernd Wiegand unterstützt. In den 48 Stunden haben sich mehrere Politiker angekündigt wie Staatssekretär Marco Tullner (CDU) sowie Stefan Gebhardt und Wulff Gallert (Linke).

Die Stadtwerke Halle unterstützen die zweitägige Protestaktion der Kulturschaffenden gegen die geplanten Kürzungen im Kulturbereich. Wenn ab morgen 11.55 Uhr Halles Künstler 48 Stunden lang durchgehend Theater spielen, wird das regional verwurzelte Unternehmen die abendliche Kindervorstellung ‚Aschenbrödel‘, die um 18 Uhr im Opernhaus beginnt, unterstützen. Zudem wird 48 Stunden lang auf den optischen Fahrgastanzeigern der HAVAG der Spruch ‚Mitten im Kulturleben –Stadtwerke Halle. Wir unterstützen den Erhalt der halleschen Kulturlandschaft‘ laufen. „Wir unterstützen die Aktion, weil uns die Vielfalt des halleschen Kulturangebotes sehr am Herzen liegt. Wir wollen unseren Beitrag für eine reichhaltige Kulturlandschaft in Halle (Saale) leisten, denn es ist auch gut für uns“, sagt Matthias Lux, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Halle.

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