Nach Hochwasser-Absage: Zukunft der Händel-Festspiele in Gefahr

5. Juni 2013 | Kultur | 3 Kommentare

Die Zukunft der Händelfestspiele in Halle (Saale) steht offenbar in den Sternen. Dieser Meinung ist die Stiftung Händelhaus nach der Absage des Musikfestivals wegen der angespannten Hochwassersituation.

Derzeit könne man nicht sagen, ob und in welcher Form es in Zukunft noch Händel-Festspiele in Halle geben werde. Berechtigte Forderungen, wie beispielsweise Künstlergagen und die Erstattung bereits erworbener Tickets, werden auf die Stiftung nun zukommen. Wenn alle Ansprüche geltend gemacht werden, werde es die Händel-Festspiele nicht mehr oder zumindest nicht mehr in der vorliegenden Form geben, heißt es.

„Aus diesem Grunde bitte ich jeden Einzelnen herzlich zu prüfen, ob Sie von Ihren Forderungen Abstand nehmen und der Stiftung Händel-Haus das Geld spenden. Auch Teilbeträge können für das Überleben hilfreich sein. Für Ihre Solidarität und Unterstützung danke ich Ihnen herzlich“, so Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus und Intendant der Händel-Festspiele. Zu diesem Zweck wurde im Gästebüro des Händel-Hauses eine Spendenbox sowie ein Spendenkonto eingerichtet: Empfänger: Stiftung Händel-Haus, Kontonummer: 38 031 92 94, Bankleitzahl: 800 537 62 (Saalesparkasse), Verwendungszweck: „Spende Händel-Festspiele“

Am Dienstag hatten sich Stadt und Land wegen der Hochwasserlage zur Absage entschieden. Seit der Verkündung müssen die Mitarbeiter der Stiftung Händel-Haus nun an zwei Fronten arbeiten. Einige packen mit an und unterstützen vor Ort beim Befüllen der Sandsäcke oder direkt an den Dämmen. Die Anderen kümmern sich um die Kommunikation zu den über 1.000 Mitwirkenden und mehreren zehntausend erwarteten Besuchern. Die Telefone im Händel-Haus klingeln ununterbrochen mit Anfragen aus aller Welt. Zudem geht es darum, Kartenstornierungen zu bearbeiten, Hotelzimmer zu stornieren, Veranstaltungsorte zu informieren und vieles mehr. An dieser Stelle möchte die Stiftung Händel-Haus auch an die Hotels der Stadt appellieren und bei einer Stornierung der Hotelleistungen Kulanz zu zeigen. Die Besucher der Händel-Festspiele sollen uns als serviceorientierte und gastfreundliche Stadt in Erinnerung behalten. Sie werden dies sicher mit Treue belohnen und die Händel-Festspiele in den kommenden Jahren auch weiterhin besuchen.

Das Händelhaus möchte sich bei allen Hochwasserhelfern bedanken und lädt im eigentlichen Festivalzeitraum vom kommenden Freitag bis Sonntag den 16. Juni zu einem kostenlosen Museumsbesuch ein. Ab Freitag öffnet das Händel-Haus wieder seine Türen.

Das erst vor zwei Jahren sanierte Wilhelm-Friedemann-Bach-Haus am Hallorenring bleibt bis auf weiteres geschlossen. In das Musikmuseum an der Klausbrücke war Wasser eingedrungen.

An der Absage des Festivals kommt indes auch aus anderer Richtung Kritik. „Wir halten dieses Vorgehen für grundsätzlich falsch und können nicht nachvollziehen, warum diese verfrühte und leichtfertige Weisung gegenüber der Theater, Oper und Orchester GmbH für den Zeitraum bis zum 16. Juni getroffen wurde“, so der Vorstand der Freunde des neuen theaters Halle (Saale) e.V. „Warum nutzt der Oberbürgermeister das Händelfest nicht für Benefiz-Veranstaltungen für die Hochwasseropfer und Helfer? Man kann nicht um den Namen „Händelstadt“ kämpfen und das traditionsreiche Händelfest mit einem erheblichen Imageschaden und finanziellen Verlusten in Millionenhöhe für Halle und die Institutionen einfach absetzen. Im Gegenteil: Jetzt erst recht! Herr Dr. Wiegand, haben Sie die Größe, das Fest nach der kritischen Hochwasserphase in der kommenden Woche doch noch stattfinden zu lassen.“

Auch innerhalb der TOO wird Kritik laut. „Wie wir alle habe ich fassungslos die Nachricht der Absage der Händelfestspiele vernommen. Mir persönlich ist es ein Bedürfnis, dies nicht unkommentiert zu lassen, denn ich halte diese Entscheidung für falsch und zudem für eine vertane Chance“, heißt es im Schreiben einer Mitarbeiterin, das derzeit in der TOO kursiert. „
Deshalb habe ich einen Brief verfasst, der gerne von allen, die meine Meinung teilen, unterschrieben werden kann.“

In dem Schreiben heißt es: „Die Situation ist schlimm. Der Stadt und den betroffenen Bürgern Halles steht – ebenso wie im übertragenen Sinn ja zur Zeit auch der Kultur Halles – das Wasser bis zum Hals.

Sensible Musikerhände eignen sich vielleicht auch zum Sandsäcke befüllen – aber wir können vor allem eine Menge anderer Dinge mehr.

Wir möchten helfen – und wir können helfen. Auf unsere Weise.
Beziehungsweise wir KÖNNTEN helfen.
Wir könnten Benefizkonzerte und -veranstaltungen machen, wir könnten jeden Besucher unserer Veranstaltungen zum Spenden aufrufen, und so eine Menge Geld sammeln.
Geld, das die Betroffenen dringend benötigen und weiter benötigen werden, wenn das Hochwasser ein wenig abebbt.

Die Händelfestspiele wären die riesige Chance für Halle gewesen, die finanziellen Schäden ein klein wenig abzufangen.
Und die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Not in Halle zu lenken.
10 Tage unter dem Motto „Händel hilft gegen Hochwasser“.

Wir könnten helfen. Wir möchten helfen. Und wir dürfen nicht helfen!

Denn es besteht für uns ein zehntägiges „Berufsverbot“, das von Herrn MP Haseloff und Herrn OB Wiegand angordnet wurde.

Mit diesem Spielverbot nehmen Sie uns Musikern, Sängern und Kulturschaffenden jede Möglichkeit, zu helfen.

Außerdem verschlimmern Sie die Situation der ganzen Stadt – außer der Kultur nehmen ja auch Hotels, Restaurants, Kaufhäuser, Transportunternehmen und Läden großen finanziellen Schaden.
Abgesehen vom Image-Verlust, den diese komplette Absage anrichtet.

Wir feiern keine Party, wir machen Musik, das ist kein Feiern angesichts der Not Anderer!
Und warum dürfen wir dann noch ins Kino, Restaurant oder das Radio anschalten…?!“

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