Moritzburg Halle erwirbt zwei neue Kunstwerke

24. September 2013 | Kultur | Keine Kommentare

In dieser Woche hat die Stiftung Moritzburg in Halle (Saale) zwei Kunstwerke erworben. Die museale Präsentation im Kunstmuseum erfolgte bisher auf der Grundlage eines bis November 2014 befristeten Nießbrauchrechtes.

Bei den Objekten handelt es sich um eine 18 Zentimeter hohe Porträtbüste (Gips, farbig gefasst) der Hildegard von Veltheim, 1921 geschaffen von Karl Knappe, und um eine 1,18 Meter große Holzskulptur des heiligen Michael aus der Zeit um 1400 (vermutl. niederrheinisch), deren Schöpfer unbekannt ist.

Beide Kunstwerke stammen aus dem einstigen Besitz des Hans Hasso von Veltheim (1885-1956), letzter Schlossherr in Ostrau (Saalekreis), der sie im November 1945 bei seiner Flucht nach Westdeutschland dort zurückließ. Durch die Bodenreformgesetzgebung dann enteignet, befanden sie sich seitdem in der Moritzburg. Im Januar 2008 erfolgte die Eigentumsübertragung an den Nachkommen von Veltheims.

Es ist sehr zu begrüßen, dass mit dem Erwerb die weitere Präsentation der beiden Skulpturen innerhalb der Dauerausstellung im Landeskunstmuseum nun gesichert ist und eine für beide Seiten gute und gemeinsam getragene Lösung gefunden werden konnte. Zugleich verweisen die neu erworbenen Stücke auf das Wirken der Familie von Veltheim im mitteldeutschen Raum, insbesondere auf das von Hans Hasso von Veltheim im letzten Jahrhundert in Ostrau geschaffene geistig-kulturelle Zentrum.

Zu den Kunstwerken:
Porträtbüste Hildegard von Veltheim
Der Bildhauer Karl Knappe(1884–1970) gehört zu den Künstlern, deren Werke in öffentlichen Sammlungen im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt und in der gleichnamigen Ausstellung gezeigt wurden. Eine seiner Arbeiten („Hagar“, 1923) ist Teil des spektakulären Berliner Skulpturenfund, der kürzlich im Kunstmuseum Moritzburg ausgestellt war. Knappe erhielt 1911 den Rompreis, wurde 1926 zum Professor ernannt und wurde 1933 von die Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt. Sein Werk ist stilistisch und inhaltlich vom Expressionismus geprägt. Der Bildhauer wurde nach dem Krieg Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste München und Mitglied der Bayrischen Akademie der Schönen Künste. Die angekaufte Arbeit ist die einzige Arbeit von Karl Knappe in Sachsen-Anhalt.

Die feine, in orangenen Farbtönen mit zartem Ornament bemalte kleine Büste ist ein expressionistisch stilisiertes Porträt. Durch die wissenschaftliche Bearbeitung der Plastik in der Stiftung Moritzburg konnte die Identität der Dargestellten ermittelt werden: Es handelt sich um Hildegard von Veltheim, die Gemahlin von Hans Hasso von Veltheim. Dieser lebte seit 1928 auf seinem Familienschloss in Ostrau bei Halle. Er stand mit verschiedenen Künstlern, Dichtern und Schriftstellern in freundschaftlichem Kontakt, die, wie er selbst, der Anthroposophie nahestanden. Karl Knappe kannte er wahrscheinlich aus München, wo Veltheim nach dem Ersten Weltkrieg mit Kunst handelte. Seine Kunstsammlung nahm er mit nach Ostrau, wohin er auch Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler einlud. Von Karl Knappe stammen möglicherweise auch die anthroposophischen Vorgaben folgenden, fünfeckigen Gedächtnisstelen für verstorbene Mitglieder der Familie Veltheim im Ostrauer Schlosspark. Als nach dem Krieg die von den Amerikanern besetzten, ostdeutschen Gebiete an die sowjetische Armee übergeben wurden, flüchtete Veltheim nach Westdeutschland und nahm einen Teil seines Kunstbesitzes mit sich. Die Kunstwerke, die er in Ostrau zurückließ, fielen unter die Gesetze der sogenannten Bodenreform.

Die Porträtbüste der Hildegard von Veltheim stellt eine wichtige Ergänzung der Sammlung expressionistischer Kunst für die Stiftung Moritzburg Halle (Saale) dar. Darüber hinaus erinnert sie an Hans Hasso von Veltheim und seine Familie, die im Land Sachsen-Anhalt gelebt und gewirkt hat.

Heiliger Michael
Die Schnitzplastik des heiligen Michael bereichert die Sammlung mittelalterlicher Skulptur der Stiftung Moritzburg Halle (Saale), die die umfangreichste Sammlung von Schnitzplastik im Land Sachsen-Anhalt ist, um ein markantes Werk. Ein vergleichbares Beispiel dieser Qualität, Größe und stilistischen Prägung ist in der Sammlung der Moritzburg und im gesamten Land Sachsen-Anhalt nicht noch einmal vorhanden.

Die relativ große, rundansichtige Skulptur des Erzengels Michael war wahrscheinlich als selbstständige Einzelfigur gearbeitet, was um 1400 noch relativ selten und erst etwa 100 Jahre später weit verbreitet ist. Michael gilt nach der Offenbarung des Johannes im Kampf gegen die gefallenen Engel als der Bezwinger des Satans. Er wird um 1500 dargestellt als kriegerischer Kämpfer mit Rüstung und Waffen, der den sich zu seinen Füßen als Schlange oder Drachen ringelnden Satan bezwingt. Unsere Skulptur trägt ein langes, in gleichmäßigen Falten liegendes Gewand. Sie ist noch mehr der Typologie von Engelsdarstellungen als der Kriegerdarstellungen verbunden und markiert eine sehr frühe Form des später ikonografisch gewandelten Motivs. Ihre Gestaltungsweise – ein ovalrundes Gesicht, gleichmäßige runde Faltenformen des Gewandes – lässt auf eine Herkunft aus Niedersachsen schließen.

Die farbige Fassung der Figur ist nur noch in Resten erhalten, die ehemals vorhandenen Flügel und die Hände mit den Attributen – Lanze und Schwert – fehlen.

Das Werk ermöglicht es, Besonderheiten der stilistischen Entwicklung und der Figurenauffassung verschiedener Regionen im Mittelalter herauszuarbeiten und ist ein schönes Beispiel für die seltenen Einzelfiguren, die innerhalb des Ausstattungsprogrammes im Kirchenraum eine prominente Position einnahmen.

Die Holzskulptur ist Bestandteil der Dauerausstellung „Contemplatio. Religiöse Kunst aus dem Mittelalter“ in den Gotischen Gewölben.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben