Landschaft als Orakel – Neue Bilder von Thomas Blase in der Zeitkunstgalerie Halle

2. März 2015 | Kultur | Keine Kommentare

Die Zeitkunstgalerie in Halle macht ihrem Namen derzeit alle Ehre und präsentiert neue Arbeiten von Thomas Blase. Der 52-jährige Maler hat nach einem mehrjährigen Intermezzo in Thüringen seinen Wohn- und Arbeitssitz wieder nach Halle verlegt. Insgesamt sind über 30 klein- und auch großformatige Werke in einer gelungenen Auswahl und Zusammenstellung zu sehen, die der Künstler selbst vorgenommen hat.Viele der aktuellen Werke wurden in ihrer Entstehung unter anderem auch vom neu gewonnenen Atelierblick auf die Industrielandschaften in Halles Osten beeinflusst. So tauchen auf den Leinwänden grellere Farbkontraste und diffuse Formartefakte auf, die Assoziation mit urbanen, technologischen oder industriellen Aktivitäten zulassen..
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Die Vernissage stieß auf großes Interesse. Laudator Rüdiger Giebler würdigte den Ausstellenden in einer beeindruckenden poetischen Rede als maßgeblichen hiesigen Künstler, dessen Bildräume ein „Geheimnis der Landschaft als Seelen-Orakel“ offenbaren würden. Auch ein Wiedererkennen des wohlbekannten „Halleschen Grau“ benannte Giebler, „wohlvertraut und gepflegt von Knispel, Kitzel, Bunge, Hahs, Bachmann, Möhwald.“ Mehr als das noch zeigen sich mit den aktuellen Werken wohl auch erneut künstlerische Wurzeln, die sich eher mit Dresden und der dortigen Akademie verorten lassen, wo Blase in den Neunziger Jahren zusammen mit Frank Nitsche, Thomas Scheibitz oder Michael Schwill studierte. Die Ausstellung „Thomas Blase – Neue Bilder“ ist noch bis zum 19 März zu erleben. Der Eintritt ist frei.

Ausschnitt aus der Laudatio von Rüdiger Giebler:

Es geht um den Raum in dem man sich bewegt, der vor einem liegt, der notwendig ist um unser Lebensfunktionen zu erhalten, also die Luft zum Atmen. Die Erwartung, die in einer Aussicht liegt, in der “schönen Aussicht”, ist der Traum von der Kultivierung des Blickes, der Blick schweift freundlich über die von höherer Stelle versprochenen Komfortzonen. Für den wachen Verstand müßte sich spätestens jetzt der Horizont vernebeln. Diesen Moment malt Thomas Blase.

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Der Autor der Farbverläufe betreibt sein Spiel mit dem Betrachter. Was wollen wir sehen, wie sortieren wir uns die Welt nach Oben und Unten, Hinten und Vorn, Wichtig und Unwichtig, Betrohlich, Freundlich, Annehmbar? Wie weit wollen wir oder müssen uns dem Sichtbaren assoziativ nähern. Gibt es so etwas wie einen Deutungsdrang?

In den durchdringende Spähren gibt es keinen festen Grund, keine zwingenden Perspektiven, keine Bauvorhaben, kein Raumordnungsverfahren. Malen ist materialisiertes Nachdenken, im Kopf des Malers entsteht ein Hölengleichnis, die Bilder sind ihr tiefgestaffeltes Kondensat.

Das hat nichts mit Verschmutzung, Ermütung, Resignation oder Bescheidenheit zu tun – das ist der Hallesche Topos sensitiver Emotionen oder mit anderen Worten ein höchst Gefühl volles Empfinden der Welt gegenüber.

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