Kunsthochschule Burg Giebichenstein auf der Grassi-Messe und der Designers Oper

20. Oktober 2014 | Kultur | 1 Kommentar

Vom 24. bis 26. Oktober 2014 präsentiert sich die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle auf der Grassimesse und auf der Designers’ Open. Die beiden Messen finden zeitgleich in Leipzig statt.
grassimesse leipzig
Unter der Leitung von Prof. Frithjof Meinel entwickelten Studierende der Studienrichtung Industriedesign leichte und stabile Kinderfahrräder, die aus nachwachsenden Ressourcen hergestellt wurden. Basis des Projektes war die Zusammenarbeit mit dem BioEconomy Cluster Mitteldeutschland. Hier entwickeln Partner aus Industrie und Forschung Halbzeuge aus Biopolymeren, für die die Studierenden der BURG eine mobile Anwendung finden wollten. Die Idee entstand in Partnerschaft mit dem Traditionsunternehmen MIFA aus Sangerhausen.

Auf der Designers’ Open werden vier ausgewählte Kinderfahrrad-Entwürfe zu sehen sein:
Mü – so heißt das kleinste Rad von Magdalena Binder – ist mit 500 Gramm tatsächlich nur ein Mü schwer. Komplett aus Wellpappe gefertigt ist es bereits für anderthalbjährige Kinder geeignet, die damit erste Laufradversuche in Wohnung, Kita oder Sporthalle unternehmen können.
Fridolin, das Laufrad von Heinrich Ehnert und Philipp Witte, könnte Mü nachfolgen. Drei- bis Fünfjährige dürften Freude damit haben, da Lenker und Sattel verstellbar sind und mitwachsen. Die Verwendung von Bioplastik und Wabenkernplatten aus Kraftpapier macht es enorm leicht und dennoch stabil.
Holzrohre – hergestellt in Leipzig – ersetzen Stahl im Filii-Bike. Ein ähnliches Fahrrad wurde schon vor einigen Jahren von Studierenden der BURG und dem Fraunhofer Institut gebaut und hat verschiedene Preise gewonnen. Nun haben die Studentinnen Alexandra Jahn und Klara Dlouhá ein noch leichteres Fahrrad geschaffen. Nur drei unterschiedliche Bioplastikknoten verbinden den Rahmen des Rades und machen ihn zu einem wahren Fliegengewicht.
Stylish präsentiert sich das Wickelfahrrad SCOUT für Jugendliche, entworfen und gebaut von Robert Dippel, Marcus Schönefeld und Marian Sorge. Der Rahmen wurde aus 80 Meter Eschenfurnier gewickelt. Das Hinterrad wird in die ausgesägte Rahmenöffnung geschoben und wie alle anderen Komponenten über Stahllaschen angeschraubt. Mit diesem Prototyp haben die angehenden Gestalter ein völlig neues Erscheinungsbild für Jugendfahrräder in die Welt gesetzt.
Neben Kinderfahrrädern zeigen Studierende der BURG Entwürfe für innovative Lastenfahrräder. „Lastenfahrräder sind ein Thema der Zukunft“, erklärt Prof. Bernd Hanisch. Gemeinsam mit Dipl.-Ing. Karl Schikora hat er mit Studenten des 2. Studienjahres Industriedesign das Projekt „Mit Kind und Kegel“ durchgeführt. „Gerade im stetig wachsenden Straßenverkehr werden Ersatzlösungen für das Auto gesucht.“

Lastenfahrräder finden vielfältig Einsatz, u.a. für den Transport von Kindern, als mobiler Verkaufsstand oder einfach zum Transport von großen Mengen. Ebenso vielfältig waren die Ideen der Studenten: So wurde unter dem Aspekt des Umweltschutzes ein Fahrradrahmen aus der nachwachsenden Ressource Bambus gefertigt. Ein Baukastensystem aus gelasertem Plattenmaterial verfolgt den Open-Source-Gedanken. Die möglichst gelungene Verwandlung eines Fahrrads in ein Lastenfahrrad stand mehrfach im Fokus: Dabei entstand ein zusammenklappbarer Anhänger, ein faltbarer Fahrradkorb oder ein Lastenkorb, der auf den Gepäckträger geschoben werden kann. Auch die vielfältige Verwandlung der Rahmengeometrie schuf neue Ideen: So konnte durch die Verkleinerung des Vorderrads der Stauraum deutlich vergrößert oder durch den Einsatz eines Zwischenstücks das Fahrrad verlängert werden. Zur Designers‘ Open werden ausgewählte Modelle bis hin zu fahrbereiten Prototypen präsentiert.

Neben Kinder- und Lastenfahrrädern wird auch der BURG Shop der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle seine Kollektion „Made in Burg“ präsentieren. Alle Produkte dieser Kollektion sind in unterschiedlichen Entwurfsprojekten an der BURG entstanden und werden nun von der Hochschule produziert und vertrieben.

Die Designers‘ Open gehören mit rund 200 Ausstellern und 13.500 Besuchern zu den größten Designfestivals in Deutschland. Zum zehnten Mal werden dieses Jahr aktuelle Trends im Interieur- und Modedesign, in Urban- und Streetart sowie Industriedesign und Architektur präsentiert. Neben dem zentralen Veranstaltungsort – die Glashalle des Leipziger Messegeländes – gibt es zahlreiche Außenstellen im Leipziger Stadtgebiet sowie in Halle und Dresden.

Zeitgleich zur Designers’ Open findet die Grassimesse für angewandte Kunst statt. Ein thematischer Schwerpunkt, das so genannte Special, liegt in diesem Jahr auf „Design für Kinder“.

In diesem Rahmen zeigt die Studienrichtung Spiel- und Lerndesign der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle unter der Leitung von Prof. Karin Schmidt-Ruhland die Ergebnisse des Semesterprojektes „stapel-ware, höher, weiter, breiter…“. Ausgangspunkt waren dabei die Spielklassiker Bauklötze, Baukästen, Bausätze und das Material Holz. Gesucht wurden Elemente, Komponenten und Module, spannende Verknüpfungen und expansionsfähige Strukturen, mit dem Ziel, Spielideen rund ums Stapeln zu entwickeln. Wichtige Parameter, die es spielerisch zu integrieren galt, waren Statik, Gleichgewicht, Anordnung und die Art der Verbindungen der Module untereinander. Entstanden sind neun Prototypen, die aufzeigen, dass ein klassisches Kinderspiel immer wieder neu und aktuell interpretiert werden kann. Aufeinanderschichten, Räume konstruieren und in die Höhe zu bauen fördert manuelle Geschicklichkeit und räumliches Vorstellungsvermögen schon bei den Kleinsten.
Die Entwürfe stammen von Flurina Affentranger („Himmelhoch“), Isabel Luisa Apel („Plattenbau“), Sebastian Hennig („Esse“), Nastasja Kitzinger („Tritario“), Lena Mühl („V wie Vogel“), Daniela Nikitenko („Woodkit“), Johannes Nortmann („Buntrund“), Sabrina Sgoda („Rautenbauten“) und Leonarda Spassova („Cambium“).

„Design für Kinder“ präsentieren auch die BURG-Absolventinnen Julia Kaupitwa und Carolin Malur, die unter dem Label Julica Designprodukte und Spielideen für Kinder entwerfen. Auf der Messe sind sie mit Kleinmöbeln für Kinder aus der Serie „zookids“ vertreten.

Die Grassi-Messe ist eine internationale Verkaufsmesse für angewandte Kunst und Design und ist dem Grassi-Museum für angewandte Kunst in Leipzig angegliedert. In diesem Jahr verkaufen rund 110 Kunsthandwerker, Designer, Künstler und Fachhochschulen an 70 Messeständen aktuelle Arbeiten. Der Spezial-Schwerpunkt der diesjährigen Grassi-Messe lautet „Design für Kinder“.

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