Kultour, Routen und Räume

10. Juni 2019 | Kultur | Keine Kommentare

Das schönste historische Fest in Halle ist auf jeden Fall das Lindenblütenfest in den Franckeschen Stiftungen. Dieses findet jedes zweite Jahr statt. Hallespektrum hat sich im Vorfeld mit den Verantwortlichen, Frau Heldt und Frau Klapperstück, über das Fest unterhalten:

Frau Heldt: „Kultour, Routen und Räume“ heißt das Lindenblütenfest dieses Jahr. Wir beschäftigen uns mit kulturellen Austausch. Wir machen ein Fest darüber, wie sich Kulturen gegenseitig beeinflusst haben, wie viel Kultur von anderen steckt in unserer Kultur. Darum geht es beim Lindenblütenfest. Es ist nicht rein historisch, sondern thematisch. Wir haben über 80 Mitmachangebote, Händler usw. Wir haben überlegt, wie können wir es aufbereiten. Es ist ein festes Konzept, wir weisen das Konzept, das Thema an einzelnen Stellen wieder aus.“

Hallespektrum: „Ein Themenmarkt“

Frau Heldt: „Genau, wir haben uns überlegt, dass wir das Thema über die Wege des Kulturaustausches nachvollziehen, über das Land, über die Seidenstraße, über das Meer, durch die Luft, die Kommunikationswege. So teilen wir auch das Gelände auf und dann gibt es eben die dementsprechende Gestaltung, die entsprechenden Stände, die dazugehören.“

Frau Klapperstück: „Jedes Fest ist von der Inszenierung auf dem Gelände auch immer wieder anders und überraschend. Wir haben die historischen Marktstände, die zum Thema Seidenstraße passen, wir haben so eine Art Basar, orientalisch inszeniert oder am Hafen, da sind es die Schiffsladungen. Dazu kommen die Mitmachangebote, die gleichsam so eine Geschichte erzählen. Auf der Seidenstraße, auf der nicht nur Handel betrieben worden ist, sondern auch Technologie ausgetauscht worden ist, haben wir die einschlägigen Sachen da: Seidenherstellung, Seidenmalerei und Porzellan, das in Europa quasi neu erfunden werden musste, weil es ein Geheimnis gewesen ist.

Wir haben nach Themen geschaut, wo es universale Dinge gibt, die sich in allen Kulturen entwickelt haben: Musik und Musikinstrumente. Überall gibt es Blasinstrumente und Zupfinstrumente und Schlaginstrumente, die alle immer etwas unterschiedlich sind, aber das hat sich überall als kulturelle Äußerung entwickelt. Oder der Traum vom Fliegen. Das hat uns auch so gut gefallen. Den gibt es auch durch alle Zeiten und überall gibt es dafür Beispiele. Wir übersetzen es dann immer ein bisschen spielerisch. Wir werden verrückte Flugobjekte bauen. Das Spiel, das Spielehaus ist auch dabei. Zu dem Thema Spiele haben wir auch ein Projekt mit den Erziehungswissenschaften, die das auch genauso anschauen, die gucken, in Afrika, in Asien, wo auch immer, gibt es eben auch Spiele, die sehr ähnlich sind. Die Festgäste können das vergleichen und ausprobieren.

Über die Erde hinaus!

Was ich persönlich besonders schön finde: Wir ziehen es über die Erde hinaus. Wir gehen in eine Science-Fiction-Richtung, Kulturaustausch mit fremden Galaxien. Was ich erst jetzt gelernt habe, ist, dass seit zwei Jahren zwei Kapseln im Weltall unterwegs sind und unsere Galaxie wohl auch schon fast verlassen haben. Sie tragen den Kanon menschlicher Erfindung und menschlicher Kultur mit sich, von Beethovens Neunte über Sprache, alle möglichen Dinge, mathematische Formeln. Das machen wir eben auch. Wir werden Flaschenpost ins All für das Publikum anbieten. Da kann man überlegen, was ist einem selbst wichtig. Und umgedreht, das finde ich auch ganz schön, gibt es eine Gebrauchsanweisung für die Erde, wenn die Außerirdischen also tatsächlich ankommen, dann begrüßen wir die eben und heißen sie willkommen.“

Über den Lindenhof hinaus!

Für die vielen Themen und Angebote reicht der vorhandene Platz auf dem Historischen Lindenhof schon lange nicht mehr aus. Vom Eingangsbereich am Franckeplatz aus sind die Kirschbaumwiese und der Schulhof der Grundschule August Hermann Francke, der Schwarze Weg und der Lindenhof einbezogen. »Wir wollen Grenzen überschreiten und Zugänge aufzeigen«, freuen sich die Organisatorinnen Andrea Klapperstück und Dr. Kerstin Heldt auf das transkulturelle Fest und achten dabei auf jedes Detail. Überall kann man entdecken, wie sich fremde Kulturen gegenseitig beeinflussen, bereichern, ergänzen, sich auch manchmal widersprechen und doch immer im Austausch sind. Ausprobieren, Staunen und Mitmachen stehen im Mittelpunkt des Festes, das niemand ohne Anregungen und neue Ideen verlassen wird.

Und das erwartet Sie beim Lindenblütenfest:

2 Tage, 70 Mitmachstände, über 100 HelferInnen, ca. 50 KünstlerInnen: Wieviel Kultur anderer entdecken wir in uns?

22. JUNI 2019 11.00 – 23.00 UHR | 23. JUNI 2019 10 – 18 UHR | EINTRITT FREI

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