Hausmannstürme, Großsiedehalle: Stadtmuseum will „Ballast“ loswerden

9. Oktober 2013 | Kultur | 3 Kommentare

„Ich fühle mich im Stadtmuseum wohl“, bilanzierte Jane Unger ihre bisherigen Monate im Stadtmuseum in Halle (Saale). Oberbürgermeister Bernd Wiegand hatte sie auf den Posten gesetzt, nachdem er sie zunächst als Personalchefin abgesetzt und ins Sozialamt versetzt hatte, Unger sich aber auf eine ihrem Dienstgrad angemessene Beschäftigung klagte.

Nun hat sich Unger in ihre neue Wirkungsstätte eingearbeitet. „Ich bin positiv aufgenommen worden“, sagte sie, die Arbeit mache Spaß. Und es gibt auch viel zu tun im Museum. Da wäre zum einen die Kostensenkung. So sei das Depot in der Lerchenfeldstraße baulich nicht geeignet, die Betriebskosten seien sehr hoch. Trennen will sich das Museum auch vom Leipziger Turm, „der ist baulich nicht regelmäßig begehbar“, meint Unger. Ebenfalls abgeben wolle man die Großsiedehalle auf der Saline, die Halloren haben bereits Interesse. Und auch die Hausmannstürme an der Marktkirche – sie sind im Stadtbesitz – sollen aus der Zuordnung des Stadtmuseums rausfallen. „Wir haben die vollen Kosten, aber die Einnahmen gehen zu 65 Prozent an das Stadtmarketing“, beklagte Unger. Für sie als Museumschefin bedeutet das: vom knappen Etat muss sie auch die bauliche Unterhaltung der Hausmannstürme bestreiten, unter anderem muss auch eine neue Messstation für die Statik eingebaut werden. Immerhin betragen allein die Betriebskosten 12.000 Euro. Doch alles in allem handelt es sich nur eine Haushaltsschieberei in andere Haushaltsstellen. Die Stadt bleibt weiterhin verantwortlich für sämtliche Einrichtungen, nur das Stadtmuseum eben haushaltstechnisch nicht mehr. Soll sich doch eine andere städtische Einrichtung darum kümmern.

Dafür will Unger den Roten Turm weiterentwickeln. Unter anderem gibt es im Inneren des halleschen Wahrzeichens Ausstellungsräume. Und diese musealen Möglichkeiten sollen künftig verstärkt genutzt werden. Gleiches gilt für die Burg Giebichenstein. Infotafeln sollen aufgearbeitet und der museale Charakter verstärkt werden. Daneben will Unger für eine bessere Eingangssituation am Christian-Wolff-Haus sorgen. Zusammen mit der Kunststiftung ist hier ein Wettbewerb vorgesehen, Sitzgelegenheiten sollen im Außenbereich geschaffen werden. Außerdem muss der Sanierungsstau am Wolff-Haus behoben werden. Fenster, Hoftor und Fassade bedürfen einer Erneuerung.

Weiterhin unklar ist, wann Teil 2 der Dauerausstellung folgt. Kuratorin Susanne Feldmann sprach im Kulturausschuss davon, einen Masterplan zu erstellen, wie inhaltlich und finanziell vorgegangen werden soll. Geld steht zumindest erstmal nicht bereit. Aber Ideen gibt es, so soll in die Gestaltung die Stadtgesellschaft mit eingebunden werden. Ausstellungsteil 1 werde gut angenommen, meinte Feldmann. Der Behindertenbeauftragte habe die positiven Verbesserungen gelobt. Kritische Besucheranmerkungen gab es zu einer fehlenden Chronologie. Und auch andere Nachbesserungen stehen an, „weil sich der Besucher nicht so verhält, wie wir es uns am Schreibtisch vorstellen“, so Feldmann. Da seien zum Beispiel die Bildschirme: der am Eingang ist ein Touchscreen. Und deshalb drücken die Besucher auch auf den anderen Bildschirmen rum. Erfolglos.

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