Hallescher Kunstpreis: ein Göbel für Bernd Göbel

22. November 2012 | Kultur | 2 Kommentare

Ob es so etwas schon gab? Ein Künstler wird ausgezeichnet und erhält dafür eine Skulptur, die er selbst geschaffen hat. Genau das ist am Donnerstagabend passiert. Da wurde zum fünften Mal der vom Halleschen Kunstverein ausgelobte „Hallesche Kunstpreis“ vergeben. Im Rahmen eines Festakts in der Konzerthalle Ulrichskirche, der Wechsel vom Stadthaus war wegen des großen Andrangs nötig, wurde diesmal der Bildhauer Bernd Göbel geehrt. Und der Preis, eine Kleinplastik aus Bronze, wurde in Fortsetzung der Tradition hallescher Ehrenzeichen, die bisher von den Lehrenden der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Gustav Weidanz und Gerhard Lichtenfeld gestaltet wurden, von Göbel selbst entworfen. Vier Mal ging der Preis zuvor an andere Künstler, an Willi Sitte, Otto Möhwald, Renée Reichenbach und Uwe Pfeifer. Bei ihnen war der Preis mit einem jeweils persönlichen Detail versehen. Das ist der winzige Unterschied: bei Göbels Variante fehlt dieses Detail.

Mit dem Preis wolle man der bildenden Kunst wieder mehr Aufmerksamkeit geben, sagte Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados. Mit Blick auf die derzeit in der Diskussion befindlichen kulturpolitischen Leitlinien sagte sie, die bildende Kunst sei eines der Merkmale der Stadt. „Mindestens drei Dinge verbinden uns: ihre Geburtsstadt Freiberg, eine der Städte in der ich persönlich gern gelebt habe“, sagte sie. Szabados hatte dort an der Bergakademie studiert. Als Zweites verbinde sie und Göbel der Stadtgottesacker, sagte das Stadtoberhaupt. Sie bewundere das Engagement des Künstlers um den Wideraufbau. Szabados lobte auch die Förderung junger Künstler. „Man hat gemerkt, Sie sind nicht nur ein Künstler mit Leib und Seele. Sie sind ein Lehrer mit Leib und Seele.“ Und als Drittes verbinde beide der Wohnort Lettin. Szabados hofft, künftig über den Gartenzaun hinweg noch mehr in den Austausch zu treten. In diesem Zusammenhang lobte sie die Eierschecke seiner Frau, an der sie nicht vorbeigehen könne. Szabados wirbt noch einmal um die „ehrende Distanz“. Bernd Göbel hatte hier Ideen zu einer Umzäunung erstellt, die Pläne waren aber bei einem Bürgerforum gnadenlos gescheitert. Gern will Szabados nun in ihrem Ruhestand eine neue Initiative dazu starten und erhält davon den Applaus des Publikums.

Hans-Georg Sehrt vom Halleschen Kunstverein sagte, Bernd Göbel und dessen Werke seien eine Billig-Werbung für Halle. Durchaus könnte man auch eine Göbel-Straße durchs Land ziehen, meinte er mit Blick auf die vielen Orte, an denen Werke des Bildhauers stehen. „Halle kann sich mit Recht freuen, dass es die Burg gibt“, so Sehrt. Denn immerhin hat die Kunsthochschule Göbel nach halle geführt. „Die Begründung zur Wahl Göbels müsste eigentlich riesig und umfangreich sein“, so Sehrt. Als herausragendes Werke Göbels in Halle hob Sehrt den Stadtgeschichtsbrunnen auf dem Hallmarkt hervor. Doch es gebe viel mehr in Halle von Bernd Göbel zu sehen, wie die Bodenplatte auf dem Uniplatz. „Und dann gibt es da noch die wunderbare Fülle der Medaillen.“

Die Laudatio hielt Ulrich Klieber, Professor an der Burg Giebichenstein. „Bernd Göbel ist ein nachdenklicher Künstler“, befand er. „Gelegentlich kommen Göbels Arbeiten karikaturhaft daher“, so Klieber. „Wir ehren einen hochverdienten Künstler.“

Am Ende trugen sich neben Bernd Göbel auch noch Otto Möhwald, Renée Reichenbach und Uwe Pfeifer ins goldene Buch der Stadt ein. Willi Sitte hatte dies bereits vor einiger Zeit getan.

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