Neue Schau im Stadtmuseum: Geselligkeit und die Freyheit zu philosophieren

23. November 2012 | Kultur | 5 Kommentare

In der kommenden Woche öffnet das Stadtmuseum in Halle (Saale) nach einem halben Jahr Umbauzeit wieder seine Pforten. Unter anderem wurde der Brandschutz verbessert, die Räume im Christian-Wolff-Haus neugestaltet. Die Ausstellungsmacher der neuen Dauerausstellung „Geselligkeit und die Freyheit zu philosophieren – Halle im Zeitalter der Aufklärung“ sind noch eifrig dabei, alle Objekte an ihren vorgesehenen Plätzen zu postieren

Zwei Räume im ehemaligen Wohnhaus der Philosophen beschäftigt sich künftig direkt mit Christian Wolff. Riesige aufwändig gestaltete Bildtapeten zieren den Raum der Wolff-Spezialschau im Erdgeschoss „Das ist unsere kleine Himmelsscheibe“, sagte Cornelia Zimmermann, Kuratorin im Christian-Wolff-Haus mit Blick auf einen aufwändig gestalteten alten Sekretär aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat das Schreibmöbel einst Christian Wolff persönlich gehört. Der Blickfang aus Fichte, Nussbau und Ahorn stand noch vor einem Jahr unbeachtet in einer Seitenkammer der Moritzburg. Für 5.000 Euro musste das Cantourgen (Kleines Büro) aufgearbeitet werden. Dabei entdeckten die Restauratoren sogar Geheimfächer, allerdings ohne Inhalt. Ein Fach lässt sich nicht öffnen. Vielleicht verbirgt sich ja hier noch etwas Wertvolles? Das liegt ganz in der Phantasie der Ausstellungsbesucher.

Gezeigt wird auch eine Medaille auf die Rückkehr Christian Wolffs nach Halle, nachdem er 1740 in die Saalestadt zurückkehrte, die er 1723 auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I. verlassen musste. Den Einzug Wolffs nach Halle dokumentiert auch ein auf Pergament gemaltes Farbbild aus dem Jahr 1741, das in einem Studentenstammbuch gefunden wurde. Eine Porträtbüste ermöglich dem Besucher auch eine Vorstellung, wie denn Wolff ausgesehen hat. Der Gipsabguss ist eine Kopie der vom Breslauer Stadtmuseum angefertigten Kolossal-Marmorbüste von Christian Wolff, die dort in der Büstensammlung berühmter Breslauer Aufstellung gefunden hat. Die Anregung dazu kam vom halleschen Breslauer Stammtisch. Die Freunde der Stadtbibliothek griffen die Anregung auf. Wolff 1679 in Breslau geboren. Dargestellt ist der Philosoph auch auf einem Ölgemälde und einem Kupferstich. Im Studentenstammbuch von Johann Jacob Becker hat sich Professor Wolff am 24.9.1749 verewigt mit dem Spruch „Voluntas sine intellectu perfici nequit“ (Der Wille ist ohne Geist nicht die Triebkraft des Seins). Auch dieser Eintrag ist in der Ausstellung zu sehen.

Neben Wolff kümmert sich die Schau in der ersten Etage auch weiteren Ereignissen der Aufklärung. Da waren beispielsweise die abendlichen Schlittenfahrten der Studenten auf dem winterlichen halleschen Marktplatz, dargestellt auf einer Zeichnung und auch in Form eines großen Schlittens aus Holz und Eisen. Die Auseinandersetzung mit den Pietisten bestimmte ebenfalls die Aufklärungszeit. Da darf natürlich der Hort der Pietisten in Halle nicht fehlen, das „Waysen Haus zu Glaucha an Halle“ – die heutigen Franckeschen Stiftungen, zu sehen in einem Kupferstich. Auch die jüdische Geschichte der Saalestadt, seit 1692 durften sich Juden wieder hier ansiedeln, wird thematisiert. Eine Silberne Bessamimbüchse in Turmform soll hierfür stehen. Ritualleuchter der halleschen Freimaurerloge „Philadelphia zu den drei goldenen Armen“ haben auch ihren Platz gefunden. Ein besonderes Ausstellungsstück ist eine restaurierte Fahne zum Siebenjährigen Krieg, die den beschlossenen Frieden von 1763 dokumentiert.

Bestückt ist die Schau mit insgesamt 250 Exponaten. Viele davon waren noch nie öffentlich zu sehen. Sie stammen von verschiedenen Leihgebern. 80 Prozent der Objekte sind aber aus dem Sammlungsbestand des Stadtmuseum. Ein „Kontor der Gelehrsamkeit“ befasst sich mit der Geschichte der Verlegerfamilie Gebauer, die nach Wolff in dem Haus ansässig war.

Neugestaltet wurde auch der Eingangsbereich. Künftig kommen Besucher über den Hof in das Museum. Der neue Bereich solle als „Ort der Kommunikation“ dienen, meinte Museumschef Ralf Jakob, der „stolz auf den neuen Kassenbereich“ ist. Anders als in anderen Museen werde es aber kein Musemscafe geben. „Das ist ein Museum, keine Backstube, Cafe, Restaurant“, so Jakob. Außerdem sei die Sternstraße mit vielen gastronomischen Einrichtungen gleich nebenan. Zwar soll es einen kleinen Shop mit Publikationen zu Ausstellungen im Museum geben, aber mehr auch nicht. „Wir sind kein Buchladen“, begründet Jakob diesen Schritt.

Print Friendly, PDF & Email
5 Kommentare

Kommentar schreiben