Die Macht des Schicksals – Premiere im Opernhaus Halle

8. Februar 2015 | Kultur | Keine Kommentare

Das Schicksal schlug auch an der Oper hart zu. Xavier Moreno, der die große Partie des Alvaro übernommen hatte, erkrankte nach der Generalprobe an Windpocken. Normalerweise muß dann eine Premiere ausfallen, nicht so in Halle. Chefdisponent Ralf Friedrich Voß hat in Madrid einen großartigen Ernesto Grisales gefunden, der mit nur einer Probe die Rolle übernahm. Dafür bekam Regisseur G.H. Seebach eine Bronchitis, aber ein Regisseur ist für eine Premiere ja nicht zwingend erforderlich.
macht des schicksals
Unter diesen fatalen Umständen also die Premiere von Guiseppe Verdis DIE MACHT DES SCHICKSALS. Und es war musikalisch ein großer Abend.

Die Grundlage dafür schuf der Bühnenbildner Hartmut Schorghofer, der die Bühne optisch noch tiefer machte als sie ohnehin ist und eine Vielzahl von Räumen und Orten schuf mit Hilfe des Lichtes. In diesen Räumen agiert ein brillanter Chor, der die Welt spiegelt, in der sich das Drama abspielt. Ein lebendiger, pulsierender Backround. In dem folgt „Zufall auf Zufall, Gewalt auf Gewalt und Schrecken auf Schrecken“, wie es der Regisseur ausdrückte.

Wenn Menschen den Mund aufmachen, hört man oft Worte und Töne, die man gar nicht hören will, sie sind eher eine Belästigung. Aber jeder Mensch lauscht ergriffen und berührt, wenn er eine Nachtigall hört. Nun sind Sänger keine Vögel. Doch die kraftvolle und sehr emotionale Musik Verdis aus den Kehlen und Körpern dieses Ensembles erinnert daran. Besonders die der drei Hauptfiguren Leonora (Romelia Lichtenstein), Alvaro (Ernesto Grisales) und Carlo (Kwang-Keun Lee). Gemeinsam mit einem großartigen Staatsorchester unter der Leitung von Josep Caballé erwecken sie Verdis Musik zu einem Leben, das berührt und fasziniert. Da werden der Haß, die Verzweiflung und das Scheitern, von dem das Libretto und Verdis Musik erzählen, zur reinen musikalischen Freude, der man sich nicht entziehen kann.

Die Handlung selbst kann dabei vernachlässigt werden. Durch die Übertitelung wird zwar das Verständnis des italienischen Textes hergestellt, aber der ist denn doch nicht von Shakespeare, sondern reichlich altbacken und die reine Kolportage. Da ist ein hingeworfener Revolver, aus dem sich versehentlich ein Schuß löst und tötet, der Auslöser für all die Verzweiflung und ein opulentes Drama. Auch Verdis Lobeshymnen auf den Krieg versteht man besser nicht, das schadet dem musikalischen Genuß. Da hilft es auch nicht, daß die Regie diese Passagen von Kriegsversehrten spielen und singen läßt. Das macht die Sache eher noch abstruser.

Verdis Werk ist für jedes Opernhaus eine Herausforderung. Das Opernhaus Halle hat sie bravourös gemeistert.
Nächste Vorstellungen: 08.02.2015 15:00| 28.02.2015 19:30| 07.03.2015 19:30
Dauer: 3 Stunden 15 Minuten, 1 Pause

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