Cosplayerin erhebt schwere Vorwürfe gegen Leipziger Buchmesse

23. März 2018 | Kultur | 6 Kommentare

In der Schlange der Journalisten waren wir uns mit anderen Kolleg/innen einig: Wir kommen nach Leipzig, weil die Buchmesse hier eine Publikumsmesse ist und ein fröhliches Bücherfest. Angesichts der Menschenmassen, die sich am Wochenende durch die Gänge geschoben haben, sollte man meinen, dass es keine Krise des Buches und der Verlagswelt geben dürfte. Die Publikumsmesse in Leipzig hat aber noch einen weiteren Charme, von dem selbst unser Senior in der Redaktion schwärmt: Das Cosplay.

„Schräge Vögel“ oder phantasievolle Illustration der Buchmesse?

Cosplay ist ein Verkleidungstrend, der mit den populären Mangas aus Japan und Korea zu uns kam und sich bereits einige Jahre hält. Kostümiert wie die Figuren aus Bildgeschichten der Mangaliteratur spielen die Cosplayer/innen diese nach. Das kann sehr aufwendig und kostenintensiv sein. Für die einen sind die Verkleideten nur die „schrägen Vogel“ der Buchmesse. Für andere tragen sie zum bunten Bild der Buchwelt mit bei. Sie sind die Illustration einer Messe, die bereits durch die Ware, die verkauft werden soll, anders sein muß: Phantasievoller, bunter, anregender. Dazu kommt, dass auch immer mehr junge (und nicht mehr so junge) Autoren der Buchmesse beginnen, sich wie Figuren ihrer Werke zu kleiden. Und um das gleich zu klären: Die Cosplayer sind zahlende Besucher der Buchmesse. Die Zeiten, in denen Cosplayer freien Eintritt zur Messe hatten, sind längst vorbei. Dennoch hatte auch die Messeleitung immer positive Signale an die Cosplaygemeinde ausgesandt. Es gibt inzwischen sogar eine eigene Halle für die Bedürfnisse nach Mangas und Cosplay. Alles gut?

Cosplayerin erhebt nun schwere Vorwürfe: Willkür, Sexuelle Belästigung und Beschädigung von Kostümen

Die Cosplayerin Julia Ohse erhebt nun schwere Vorwürfe besonders gegen den Sicherheitsdienst der Messe und spricht bei den Teilzeithelden (Webmagazin für Rollenspiel, LARP und Phantastik) von Ungleichbehandlung der Besucher: „Da wurden Verbote ausgesprochen, den selben Eingang, wie nicht-Kostümierte zu benutzen – geschweige denn die Garderobe! -, da wurde man aus fadenscheinigen Gründen als kostümierter Mensch aus dem CCL (Kongressanbau der Leipziger Messe) „entfernt“, da wurde jedes Stehen, Sitzen, Fotografieren – man möchte meinen jeder Atemzug – von einer rabiaten Security untersagt.“ Besonders kritisiert Julia Ohse die Willkür des Sicherheitsdienstes und anderer Angestellter. Sie wirft den Sicherheitsleuten sexuelle Belästigung in verbaler und Beschädigung von Kostümen vor.

Rechte Verlage, Übergriffe gegen Cosplayer/innen, Unfähigkeit der Bahn, Schatten auf dem fröhlichen Bücherfest!

„Leute wie Sie gehen gefälligst in Halle 1!“ (Sicherheitsmann)

Bei der Cosplayerin beklagt die Respektlosigkeit der Sicherheitleute als Repräsentanten der Buchmesse gegenüber den Cosplayern bis hin zu Aussagen wie in der Überschrift, die zeigen, dass das Sicherheitspersonal die Cosplayer nur als Störpotential sieht und nicht als zahlende Besucher, die zuvorkommend zu behandeln sind. Sie beklagt, dass die Toleranz, die rechten Verlagen entgegen gebracht worden ist, anscheinend nicht für die Cosplayer gilt. Julia Ohse ganzer Bericht ist bei den Teilzeithelden zu lesen.

Wir wissen, dass auch viele Cosplayer/innen aus Halle auf die Buchmesse fahren. Uns in der Redaktion würde interessieren, ob diese Vorwürfe bestätigt werden können oder ob da eine Cosplayerin einfach an die falschen Leute geraten ist (was schlimm genug wäre). Teilt uns bitte auch Eure Erfahrungen mit.

Es steht jedenfalls fest, dass wir nächstes Jahr gezielt Cosplayer/innen ansprechen werden, wie sie den Umgang des Messepersonals mit Ihnen empfinden. Denn die Buchmesse sollte das fröhliche und bunte Bücherfest bleiben und für alle Besucher, verkleidet oder nicht, da sein. Die grauen Herren (Michael Ende) dürfen nicht Besitz von der Buchmesse ergreifen.

Paula Poppinga

 

 

 

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