Bühnen Halle-Insolvenz: Wiegand legt bei Stiska-Kritik nach

1. Juli 2013 | Kultur | 1 Kommentar

Mit der Ankündigung eines Schutzschirmverfahrens, also einer speziellen Insolvenz-Form, für die Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) hat Oberbürgermeister Bernd Wiegand am Montagmittag für Erstaunen gesorgt.

Oper Halle

Am frühen Abend legte er noch einmal nach. Gerade in der bekannten prekären Finanzsituation hätte er erwartet, dass man alles erforderliche tut. Damit meinte er insbesondere TOOH-Geschäftsführer Rolf Stiska, der mit Blick auf die Theaterferien sich für Außerstande erklärte, wie gefordert bis zum 30. September ein Strukturkonzept für die halleschen Bühnen vorzulegen. Obwohl die Fakten bereits seit Jahren bekannt seien, seien offenbar noch nicht einmal Vorarbeiten erfolgt. „Uns liegt nichts vor, auch dem Minister nicht“, so Wiegand. Wiegand sprach von einem „fatalen Signal nach außen, auch gegenüber dem Minister.“ Bis 15. September wird erstmals nichts passieren, „da sind alle im Urlaub und stehen nicht für Konzeptarbeit zur Verfügung“, kritisierte auch Sparberater Jens Rauschenbach. „Das hat man uns klar ins Gesicht gesagt“, zeigte er sich entsetzt über das Verhalten des TOOH-Chefs. „Ich hatte die Hoffnung und auch die Erwartungshaltung, dass man gemeinsam zusammen konzeptionell arbeitet.“

Nun also das Schutzschirmverfahren, ein 2012 eingeführtes spezielles Insolvenzverfahren, bei dem betroffene Unternehmen in Eigenverwaltung noch mal die Möglichkeit erhalten, bestimmte Strukturen zu hinterfragen. „Das ist die letzte Möglichkeit vor der Insolvenz“, so OB Wiegand. Andere Möglichkeiten gebe es wegen des fehlenden Strukturkonzepts, das bis 30. September eigentlich beim Land sein soll, nicht. Ob es tatsächlich zum Schutzschirmverfahren kommt, will Wiegand vom Stadtrat entscheiden lassen.

Der TOOH drohen im kommenden Jahr Zuschusskürzungen vom Land in Höhe von drei Millionen Euro. Die Stadt will ihren Zuschuss zwar stabil halten. Doch der vom Aufsichtsrat beschlossene Wirtschaftsplan für die neue Spielzeit geht sogar von einer Zuschusserhöhung aus. Denn im Sommer laufen die Haustarifverträge aus, die die Verdienste der Angestellten geringer halten als die geltenden Tarifverträge. Dadurch drohen zusätzliche Ausgaben.

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