Bislang 1200 Gäste in der Erwin Hahs-Schau im Kunstforum

6. Januar 2015 | Kultur | Keine Kommentare

Die derzeit im Kunstforum Halle laufende Ausstellung „Erwin Hahs. Protagonist der Moderne“ sahen in den ersten vier Ausstellungswochen mehr als 1200 Besucher. Die Exposition, die noch bis zum 1. Februar zu sehen ist, setzt sich mit dem facettenreichen Lebenswerk des Malers, Grafikers, Werbegrafikers und Lehrers Erwin Hahs auseinander und zeigt die umfassendste Werkschau, die dem Künstler bisher gewidmet worden ist. Insgesamt sind gut 160 Werke aus der gesamten Schaffensperiode von Erwin Haas zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung sendet MDR Figaro am 11. Januar ein Essay von Mit-Kurator Jörg Wunderlich zum Leben des von seinen Schülern hoch geschätzten Burg-Professors.

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Dem Berliner Erwin Hahs, der wesentliche Impulse von Cäsar Klein empfing, bei Emil Rudolf Weiss studierte, erste Aufträge von Walter Gropius und Wilhelm Kreis erhielt sowie mit Georg Kolbe zusammenarbeite, wurde Halle an der Saale ab 1919 zur Wahlheimat für viele Jahre. Als Vertreter der Klassischen Moderne und charismatische Persönlichkeit hatte er als Leiter der Malklasse maßgeblichen Anteil am Ausbau der Kunstschule Burg Giebichenstein – nicht zuletzt in Korrelation zum Bauhaus – und der Entstehung einer spezifisch halleschen Malerei. Im Nationalsozialismus und im Zuge der Formalismus-Debatte wurde er jedoch zweimal aus dem Amt gedrängt und als Künstler diskriminiert. In diesen Zeiten entstanden Bilder des inneren Widerstandes.

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Die enge Zusammenarbeit von Malern, Bildhauern und Architekten und die tragende Idee des Gesamtkunstwerkes vertrat Erwin Hahs Zeit seines Wirkens als Künstler und Pädagoge. Er gehört zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten der Saalestadt und war mit dem Publizisten Adolf Behne, dem Maler Fritz Winter, später auch mit dem Komponisten Gerhard Wohlgemuth und dem Regisseur Peter Podehl befreundet. Schon der Kunsthistoriker Kurt Gerstenberg pries den Malerkreis um Hahs 1931 als ein „Symbol für den aufstrebenden Geist“ der Saalestadt. Zu Hahs‘ Schülern gehörten Ulrich Knispel, Otto Möhwald, Otto Müller, Werner Rataiczyk, Meinolf Splett, Paul Zilling. Einer seiner Schüler schrieb 1968 an Hahs‘ Töchter: „Es gibt Menschen, die einem in allen Lebenssituationen gegenwärtig sind und bleiben“.

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Die Ausstellung im Kunstforum Halle zeigt bis zum 1. Februar gut 180 Werke aus der gesamten Schaffensperiode des Künstlers. Hahs‘ Bildsprache offenbart dabei ein spannungsvolles Verhältnis von Expressivität und Klassizität, von Ausdrucksverlangen und Formenstrenge. Sein künstlerisches Spektrum ist angesiedelt zwischen figürlichem Realismus und Abstraktion. Es reicht von der märchenhaften Filmkulisse für den „Kleinen Muck“ bis zur zeichenhaften Transformation des Materiellen ins Geistige. Seine Bilder sind Betrachtungen und Bekenntnisse in Farbe, zeitkritische Dokumente und lyrische Fabulierungen gleichermaßen. Dabei galt ihm Malen und Schreiben als untrennbare Einheit. Seine Tagebücher und Aufzeichnungen zeigen Hahs als ernsten, tiefgründigen, kritischen und weitblickenden Menschen. Zeithistorische Protokolle von politischer Brisanz ergänzen präzise, lebendige Alltagsbeschreibungen; philosophische Ausdeutungen sowie kunstpädagogische und -theoretische Erörterungen stehen nebeneinander. Sein schriftlicher Nachlass besticht durch seine literarische Qualität. In der Ausstellung geben Hörstationen einen vertiefenden Einblick in die Gedankenwelt des Künstlers.

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